Gitarre Hersteller_Hughes&Kettner
Test
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19.09.2016

Hughes & Kettner Grandmeister 40 Deluxe + Hughes & Kettner TM 212 Cabinet Test

Röhren-Topteil und Lautsprecherbox

Röhre trifft Tablet

Der deutsche Hersteller Hughes & Kettner hat dem Grandmeister ein kleines Facelifting verpasst und präsentiert mit dem Grandmeister 40 Deluxe einen komplett programmierbaren Vollröhrenamp mit vier Kanälen und Effekten, der auch per iPad-App bedient werden kann. Bisher kamen nur Modeling-Amps in den Genuss der komfortablen Tablet-Bedienung, aber auch der Grandmeister 36, der in unserem Test mit glatten fünf Sternen überzeugte, hatte dieses Feature bereits an Bord.

Ein so gutes Konzept wirft man natürlich nicht über den Haufen, deshalb sind die Unterschiede von Grandmeister 36 auf 40 Deluxe nicht allzu groß, aber dennoch haben die pfiffigen Techniker aus dem Saarland dem Amp einiges an Finetuning zukommen lassen.

Details

Gehäuse/Optik

Zum Glück macht der Großmeister hinsichtlich seines Gehäuses seinem Namen keine Ehre! Mit den relativ bescheidenen Maßen von 446 x 171 x 152 mm und einem Gesamtgewicht von 7,8 kg lässt sich der kleine Krawallkasten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad entspannt im mitgelieferten Softbag transportieren. Optisch kommt der Amp im typischen Hughes & Kettner-Design mit Plexiglasfront, blau beleuchteter Beschriftung und direkten Blick auf die sieben Röhren; drei 12AX7 in der Vor- und vier EL84 in der Endstufe. Alle Bedienelemente sind einreihig am Frontpaneel vorzufinden, die Anschlüsse sind rückseitig angebracht. Das Topteil hat seine Tragegriffe an den Seiten und steht rutschfest auf vier Gummifüßen.

Bedienfeld

Von der Reglerbestückung her gibt es keine Veränderung zum Grandmeister 36. Neben den großen Schaltern für Power und Standby warten die drei Regler der Master-Sektion Master, Presence und Resonance, es folgen mit Store, Noise Gate, FX Access und FX Loop vier beleuchtete Taster, der Reverb-Regler und rechts daneben mit Treble, Middle, Bass, Volume und Gain die Regelmöglichkeiten der Vorstufe. Mit dem großen Channel-Poti wird einer der vier Kanäle angewählt, und falls mehr Wumms benötigt wird, steht eine Boost-Funktion per Schalter zur Verfügung. So weit also alles sehr überschaubar angelegt und nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass man es hier mit einem voll programmierbaren Amp mit Effekten zu tun hat. Apropos Effekte - die können über die Regler des Preamps eingestellt werden, denn diese besitzen Doppelfunktionen. Sobald der Taster FX Access gedrückt wird, lassen sich Delay Level, Feedback, Delay Time, Mod Type und Mod Intensity mit den Potis der Vorstufe einstellen. Die Bezeichnungen finden sich über den Reglern.

Rückseite

Auch die Rückseite ist reichlich bestückt, und auch hier keine Veränderung zum 36er Modell. Ganz links finden wir die MIDI-Anschlüsse, die auf den Fußschalter bzw. das WMI-1 (Wireless MIDI Interface) warten, daneben der FX Loop (Send, Return) zum Anschließen externer Effektgeräte. Wem die Leistung von 40 Watt etwas zu mager sein sollte, der schließt über den Line Out eine externe Endstufe an. In diesem Fall wird das Signal (inklusive Effekte) vor der Master-Sektion abgegriffen und kann entsprechend weiterverarbeitet werden. Das integrierte Noise Gate lässt sich mit einem Regler an der Rückseite entspannt einstellen, daneben finden wir den XLR-Anschluss der integrierten Red Box, die das Ampsignal mit Speaker-Simulation zum Aufnehmen oder an eine PA ausgibt. Der Zustand der Endstufenröhren wird permanent von der patentierten Tube Safety Control (TSC) kontrolliert, die auch automatisch den exakten Ruhestrom einstellt. Über vier LEDs wird der Betriebszustand der Endstufenröhren angezeigt, sodass man, schon bevor man auf die Bühne geht, zumindest weiß, ob Gefahr droht. Der Anschluss für die Lautsprecherbox ist ganz rechts angebracht, daneben vier Schalter für die Power Soak Funktion, denn der Amp lässt sich auf 20 W, 5 W oder 1 W drosseln. Der Schalter mit dem durchgestrichenen Lautsprecherzeichen aktiviert den Silent-Mode, in dem der Amp auch komplett ohne Lautsprecherbox betrieben werden und zum Beispiel für leise Recording-Sessions über den Red Box Out genutzt werden kann. Die Einstellung des Power Soaks ist ebenfalls speicherbar, kann aber auch global deaktiviert werden. Alle in den Presets abgespeicherten Power-Soak-Einstellungen werden im Global Power Soak-Mode ignoriert, in dem der Amp bei allen Sounds bzw. Presets im eingestellten "globalen" Wert arbeitet, je nach Wahl zwischen 40 und 1 Watt - ein Novum gegenüber dem Grandmeister 36.

Bedienung

Der Grandmeister 40 Deluxe kann zuerst einmal ganz altmodisch mit den Fingern am Frontpaneel bedient werden. Der Channel-Schalter wählt einen der vier Kanäle an, der Basis-Sound wird über die Regler eingestellt und die Effekte werden über die Zweitfunktion der Preamp-Regler justiert - fertig. Das funktioniert schnell und übersichtlich und genau so, wie man normalerweise an Verstärkern und Effektpedalen schraubt. Die komplette Bandbreite wird aber erst richtig interessant, wenn man das MIDI-Board (FSM-432 MKIII) hinzuzieht, mit dem man nun die Sounds der 128 Speicherplätze aufrufen kann. Die Bedienung per Hand und Potiknöpfen bleibt zwar gleich, aber jetzt kann der eingestellte Sound per Store Taster (einen Moment gedrückt halten) auf dem entsprechenden Speicherplatz gesichert werden. Dort lässt sich alles außer der Einstellung des Master-Reglers ablegen, was unseren kleinen Kameraden tatsächlich zu einem flexiblen Soundmonster werden lässt.

Wer sich in der digitalen Welt eher zu Hause fühlt, der editiert das Ganze per Grandmeister App und Tablet, denn mit dessen Hilfe können sämtliche Einstellungen übersichtlich auf dem Display vorgenommen werden. Die Kommunikation zwischen App und Amp läuft über MIDI und funktioniert mittlerweile auch drahtlos, vorausgesetzt, das WMI-1 wird benutzt. Das Interface wird über die MIDI-Anschlüsse des Amps verbunden und baut ein eigenes drahtloses Netzwerk auf, mit dem die Kommunikation zwischen Amp und App problemlos funktioniert. In diesen Genuss kamen meines Wissens bisher eher User von digitalen Verstärkern und weniger die eines Röhrenamps. Was die Verschmelzung dieser beiden Welten anbelangt, besetzt Hughes & Kettner tatsächlich eine Vorreiterrolle. 

Und nicht nur in der Theorie funktioniert das Ganze, auch in der Praxis klappt die Bedienung mit der App erstklassig. Die Regler auf dem iPad lassen sich gut greifen und feinfühlig drehen, der Amp reagiert direkt mit dem veränderten Setting. Hughes & Kettner hat die App aktualisiert, man kann jetzt Einstellungen in verschiedenen Librarys sichern und zukünftig wird auch File-Sharing möglich sein. Mir persönlich gefällt das Editieren per App ausgezeichnet, vor allem, weil sie einen sehr guten Überblick über die Soundeinstellungen bietet. Wer mit der App arbeiten möchte, sollte sich aber auf jeden Fall das WMI-1 zur drahtlosen Übertragung zulegen, so ist man tatsächlich ungebunden und kann den Amp beim Clubgig auch mal an der Theke sitzend einstellen.

TM 212 Cabinet

Passend zum Grandmeister gibt es das TM 212 Cabinet, dessen Gehäuse aus verzapftem Birkensperrholz gefertigt wird und das in seinen Abmessungen so konfektioniert ist, dass der Grandmeister bei aufrechtem Stand genau darauf passt. Im Querformat bietet es einem normalen Topteil Platz. Für den flexiblen Einsatz sind Gummifüße auf zwei Seiten vorhanden. Das Cabinet ist komplett geschlossen, mit schwarzem Vinyl überzogen und wird per Tragegriff an der Querseite transportiert. Im Gegensatz zum Grandmeister ist die Lautsprecherbox kein Leichtgewicht, denn sie bringt knapp 20 Kilo auf die Waage, ist mit zwei Celestion Vintage 30 Lautsprechern bestückt und verträgt 120 Watt.

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