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26.03.2021

HK Audio POLAR 12 Test

Aktives Säulen-PA-System

Schlanke Säule für den schmalen Taler

HK Audio stellt der erfolgreichen POLAR 10 Säulen-PA einen großen Bruder zur Seite. Die POLAR 12 ist ein Plug & Play Line-Array-System, das besonders anwenderfreundlich zur Sache gehen soll. Es beginnt damit, dass eine Tragetasche für die Tops und eine Schutzhülle für den Subwoofer (beide gepolstert) bereits im Lieferumfang enthalten sind. Das verbaute Aktivmodul ist zudem mit einem vierkanaligen Mixer ausgestattet, der Mic/Line- und Instrumenten-Eingänge bereitstellt. Du möchtest Musik von deinem Smartphone auf der POLAR 12 wiedergeben? Kein Problem, ein modernes Bluetooth 5.0 Streaming-Modul macht das möglich. Alternativ stehen zwei Cinch-Buchsen für Zuspieler bereit. 

Die gesamte Kombination wiegt keine 30 kg und ist daher problemlos in ihren Einzelteilen von einer Person transportierbar. Eine POLAR 12 besteht aus einem 12-Zoll-Subwoofer mit Holzgehäuse, einem Topteil mit sechs 3-Zoll-Mittenlautsprechern in Kombination mit einem 1-Zoll-Kompressionstreiber und einem Spacer (Abstandsmodul in Topteil-Optik).

Details

Die Post ist da: HK Audio Polar 12 wird in zwei Kartons geliefert. Ein Karton enthält die Leersäule und das Topteil, während der größere Karton den Subwoofer samt Schutzhülle und eine gepolsterte Schutzhülle für den Spacer und das Top beinhaltet. Das Leermodul ist im Grunde eine signalführende Distanzstange mit Topteil-Optik. Die Idee dahinter ist folgende: Steht der Subwoofer auf einer höheren Bühne, lässt man die Leersäule einfach weg, da das Top bereits über die notwendige Höhe verfügt. Steht der Subwoofer jedoch auch dem Boden (Floor Show), bringt der Spacer das Topteil auf die passende Höhe.

Kurze Zwischenfrage: Kann man nicht anstatt dem Spacer direkt ein zweites Topteil andocken? Das geht nicht. Die POLAR 12 ist nicht skalierbar, wie die beispielsweise deutlich teurere HK Audio ELEMENTS Säulen-PA. Wer die POLAR 12 erweitern möchte, der kauft kurzerhand eine zweite POLAR 12. Das Doppel-Stack bietet deutlich mehr Schub und vor allem eine echte Stereo-Wiedergabe. Eine einzelne POLAR 12 kann zwar mit Stereosignalen beschickt werden, diese werden aber automatisch mono-summiert. Stereo-Wiedergabe beim PA-Einsatz, vor allem bei Live-Acts, wird meiner Ansicht nach ohnehin überbewertet. In den Stereo-Genuss kommt nur das Publikum, das im Stereodreieck steht. Der Rest hört sowieso überwiegend mono. Die POLAR 12 gleicht das durch den sehr breiten horizontalen Abstrahlwinkel von 120 Grad aus.

Das bietet einen weiteren Vorteil. Bei moderaten Pegeln kann man die POLAR 12 auch mittig hinter der Band oder dem DJ-Pult aufstellen, um so auf zusätzliche Monitore zu verzichten. Durch die Tatsache, dass in einer Säule viele einzelne kleine Treiber übereinander angeordnet sind, ist ein Säulenlautsprecher weniger kritisch in puncto Feedback. So viel zu Theorie.

Ein abschließender Blick in die Kartons bezüglich des Lieferumfangs. Ich notiere: Der POLAR 12 Subwoofer, ein Spacer, das Topteil, ein Kaltgerätekabel und ein Benutzerhandbuch nebst Garantiehinweise. Dazu besagte Schutzhülle für den Subwoofer und die gepolsterten Tragetaschen. Das kommt einem „Rundum-Sorglos-Paket“ recht nahe.

Hardware

Beginnen wir mit der Basis und werfen zunächst einen Blick auf den Subwoofer. Dieser erinnert optisch eher an eine moderne Computer-Workstation anstatt an einen Subwoofer-Klotz. Das Gehäuse ist aus Holz gefertigt und bietet gleich einige Besonderheiten, zum Beispiel eine vorstehende Bodenplatte. Diese sorgt zum einen für einen festen Stand und für gute Transportmöglichkeiten dank der eingelassenen Griffaussparung. Ein weiterer Griff befindet sich auf der Oberseite.

Das Gehäuse selbst ist von vorne nach hinten geschwungen und weist keine parallelen Seitenwände auf. Das soll Gehäuseresonanzen verhindern und sieht zudem stylisch aus. Die Vorderseite ist mit einem vollflächigen Lautsprechergitter bedeckt, das den verbauten 12-Zoll-Langhubtreiber schützt. Das Gehäusevolumen ist für einen 12-Zoll-Treiber großzügig gewählt, was eine gute Voraussetzung für einen satten Bass-Sound ist. Auf der Oberseite finden wir die Verbindung zu den Topteilen. Das ist ein kritischer Punkt, denn neben einer sicheren Arretierung muss eine stabile Audioverbindung zu den Topteilen gewährleistet sein. HK Audio hat in den letzten Jahren durch das größere ELEMENTS-System reichlich Erfahrung in diesem Punkt sammeln können. 

Die Lösung für die POLAR 12 hört auf den Namen „E.A.S.“. E.A.S. benötigt keine Kabelverbindung, um das Signal vom Bass durch die Leersäule zum Top zu befördern. Der Signalfluss wird automatisch über die Steckverbindung hergestellt. Dabei rasten Spacer und Topteil sicher auf dem Bass ein, was einen vertrauenerweckenden Eindruck hinterlässt. Hinter der EAS-Verbindung ist das versenkt angebrachte Aktivmodul angesiedelt. Hier gelingt HK Audio ein eleganter Spagat zwischen Funktionsdichte und intuitiver Bedienung.

Das Modul stellt gleich vier Eingänge zur Verfügung, wobei die Kanäle 1 und 2 für Mic/Line-Signale vorgesehen sind. Die Ausstattung ist für beide Eingänge identisch: ein Mic/Line-Umschalter und Volume-Regler in Kombination mit einer Combobuchse (Klinke + XLR). Kanal 3 ist ein Instrumenteneingang, der mit einer Klinkenbuchse aufwartet. Kanal 4 verwaltet entweder ein analoges Zuspielersignal via Cinch-Buchsen oder einen Stream über das eingebaute Bluetooth-5-Modul. Auch hier gibt’s ein Volume-Poti.

Das Aktivmodul verfügt zudem noch über zwei weitere Lautstärkeregler, einmal für die Summe und einmal für den Subwoofer, von unendlich (stumm) bis +6 dB stufenlos regelbar. Klasse Sache! Je nach Programm-Material oder Aufstellung lässt sich der Subwoofer-Pegel schnell den örtlichen Begebenheiten anpassen. Das Bluetooth-Pairing wird über das Master-Poti und mithilfe des Displays bewerkstelligt. Der Master-Regler ist als Push-Encoder ausgeführt, der auch für die Menüsteuerung des 24 Bit User-DSPs herangezogen wird. Genau diesen schauen wir uns jetzt an.

User-DSP

Drehen wir den Master-Encoder, lässt sich die Gesamtlautstärke im Bereich von -60 bis +10 dB regeln. Drücken wir einmal auf den Endlosdrehgeber, gelangen wir ohne Umwege in die DSP-Einstellungen. Die Navigation ist durch die Menüpunkte denkbar einfach und der DSP hat einiges zu bieten. In der Standard-Ansicht werden Master-Volume  und die Eingangspegel der ersten vier Kanäle angezeigt. Scrollen wir weiter an dem rechten Scroll-Balken entlang, erscheint als erstes die Bluetooth Pairing-Funktion und ein Summen-EQ (Bass, Mid, Treble). Es folgt die Mode-Auswahl.

Die POLAR 12 verfügt über drei Sound-Modi (Music, Voice, DJ), die je nach Einsatz und Verwendung einen passenden Grundklang zur Verfügung stellen. Sollte die POLAR 12 einen Einsatz als Delay-Line haben, kann der Wiedergabe über das verbaute Laufzeiten-Delay um bis zu üppige 100 Meter verzögert werden. Es folgt die Szenenspeicherung (Load, Save, Erase), in denen der Anwender passende Einstellungen ablegen kann. Über die DIM-Funktion lassen sich Stärke und der Kontrast der Display-Beleuchtung verwalten. Die Möglichkeit eines Factory-Resets rundet die User-DSP-Ausstattung ab.

Spacer & Topteil

Obwohl sie auf den ersten Blick identisch aussehen, lassen sie sich eindeutig unterscheiden. Der Spacer ist nicht nur wesentlich leichter, er verfügt auch über zwei EAS-Ports (oben und unten), während das Topteil nur an der Unterseite einen EAS-Port aufweist. Mit dem Spacer halten wir uns nicht länger auf, dieser hat nur die Aufgabe, das Topteil auf Höhe zubringen und das Lautsprechersignal vom Subwoofer an der Topteil weiterzuleiten. Das Topteil selbst ist mit sechs 3-Zoll-Mitteltönern und einem 1-Zoll-Kompressionstreiber bestückt, der über eine passive Weiche ankoppelt. Somit ist die POLAR 12 ein klassisches 2-Wege-Aktivsystem. Das Säulentop ist sehr leicht und lässt sich problemlos von einer Person aufbauen und zusammenstecken. Topteil, Leersäule und Subwoofer rasten ohne Werkzeuge ineinander ein und bilden eine feste Einheit. Muss man den Subwoofer aus irgendwelchen Gründen verschieben, braucht man dank der soliden Verbindung die Verbindung die Säulen nicht erst abzubauen. Das Top liegt gut in der Hand und ist ordentlich verarbeitet. Das schmale Gehäuse besteht überwiegend aus Kunststoff, wirkt aber nicht billig. 

Zeit für einen Soundcheck.

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