Test
8
17.05.2016

HK Audio Lucas Nano 608i Test

Aktiv-PA

Kompakter Alleskönner

HK Audio ist offensichtlich im PS-Rausch. Mit Lucas Nano 608i bohrt der deutsche Hersteller den Funktionsumfang der kürzlich eingeführten Nano 600 PA deutlich auf. In einem handlichen Quader haben die Saarländer ein komplettes Beschallungssystem untergebracht: Wir notieren einen aktiven Subwoofer, zwei Satelliten und ein Mischpult samt Hall und iPad-Steuerung. Mit einem empfohlenen Preis von 1.784 Euro und einer Herstellergarantie von fünf Jahren sollte der Kandidat von der Pole Position aus ins Rennen um die beste Kompakt-PA gehen. Ob es für das Siegertreppchen reicht?

Details

Leichtbauweise

Wie im Motorsport so zählt auch in der Beschallungsbranche manchmal jedes Kilogramm. Wer schwitzt schon gern beim Schleppen? Kein Problem bei unserem Probanden: Mit einem sensationell niedrigen Gewicht von 16,3 Kilogramm lässt sich Nano am ausgestreckten Arm zum Auftrittsort bewegen. Die beiden praktischen Tragegriffe laden zu einem gruppendynamischen Event ein, auch der Sänger darf mit anpacken. Wenn das doch immer so einfach wäre. HK Audio typisch gibt es jede Menge optionales Zubehör wie Distanzstange, Transport-Trolley, Nano-Link-Kabel, ein Add-on-Paket mit zwei LS-Stativen samt Speakon-Kabel und ein Desk/Wallmount-Set, um die Satelliten an der Wand oder auf einem Tisch zu positionieren. 

Die Idee

Das Verkabeln von Beschallungsanlagen nervt. Kabel sind stets im Weg, rauben kostbare Zeit beim Verlegen und sind eine omnipräsente Fehlerquelle. Nano-608i-User haben in diesem Punkt gut lachen. Verwendet man den Kandidaten in der Basisausstattung oder mit der signalführenden Distanzstange „S-Connect Pole LN“, dann ist das Kaltgerätekabel für die Netzversorgung die einzige notwendige Strippe. Lucas Nano 608i ist also in wenigen Minuten spielbereit, defekte Kabel adé.   Schauen wir uns die Komponenten genauer an. Im praktischen Kunststoffgehäuse werkelt ein 10-Zoll-Subwoofer. Dazu kommen zwei abnehmbare Satelliten, bestückt mit je einem 4,5-Zoll-Mittel- und 1-Zoll-Hochtöner. Zum Transport lassen sich die Tops einfach in die Rückwand des Gehäuses stecken und dort arretieren. Subwoofer und Tops werden durch ein lüftergekühltes Aktivmodul mit einer Leistung von 460 Watt angetrieben.   Auf der Oberseite befindet sich der Mixer. Er adressiert vier Mic/Line-Eingänge (zwei Kanäle mit Phantompower) und zwei Stereo-Line-Kanäle. Der Stereo-Line-In 7/8 versorgt wahlweise die Signale eines Zuspielers über Cinch-Buchsen oder gibt den Audiostream eines Computers bzw. Smartphones via Bluetooth wieder. Da die Bluetooth-Verbindung nur zu einem Gerät möglich ist, kann man Musik ausschließlich von dem iPad streamen, das auch die Remote-App beherbergt. Sieben Hall-Presets stellt das Pult zur Verfügung und damit Ansagen nicht im Hall untergehen, kann der Effekt mittels Fußschalter global deaktiviert werden. Ebenfalls praktisch: Das Verhältnis vom Subwoofer zu den Topteile“ ist stufenlos regelbar.

Verschiedene Aufbaumöglichkeiten

Je nach Zubehör bieten sich einige Aufbauoptionen. Die einfachste Aufstellung ist der „Mono Cube“. Dabei docken die Satelliten als Array direkt über die Easy-Click-Verbindung kabellos an den Subwoofer an. Gleiches gilt für die Mono-Variante: Zwischen den per Easy-Click gekoppelten und arretierten Satelliten und dem Subwoofer wird die signalführende S-Connect Pole LN montiert, mit der sich die Tops auf Betriebshöhe bringen lassen. Wer den Stereobetrieb bevorzugt, montiert die Satelliten auf Lautsprecherstative und stellt die Signalverbindung über Speakon-Kabel sicher. Richtig fett ist die Twin-Stereo-Variante, bei der sich zwei Nano 608i (oder eine 608i mit einer 600) zu einem Stereosystem koppeln lassen. Dazu wird lediglich ein Stereoklinkenkabel benötigt.

Die Remote-App

Wer wissen möchte, wie man eine gute Fernbedienung fürs iPad programmiert, schaut sich das kostenlose Exemplar für unseren Testkandidaten an. Hier passt einfach alles! Die größte Überraschung: Die Verbindung wird nicht über W-LAN, sondern über Bluetooth hergestellt. Das gelingt dank guter Online-Hilfe denkbar einfach – auch ohne VHS-Kurs in Netzwerktechnik. Ein weiterer Vorteil: Man kann das W-LAN des iPads parallel zur Blauzahn-Schnittstelle nutzten. Mit Internetzugang auf dem Tablet lässt sich dann die Firmware des Kandidaten in wenigen Sekunden überprüfen und bei Bedarf kurz und schmerzlos aktualisieren. 

Der erfahrene Bluetooth-Nutzer dürfte sich allerdings die Frage stellen, ob die vergleichsweise geringe Reichweite dieser Schnittstelle nicht einen Kompromiss darstellt? Wer Musik über Bluetooth streamt, der weiß, dass es bei einem Abstand von mehr als zehn Metern problematisch werden kann. HK Audio sendet daher die Remote-Daten nicht als konstanten Stream, sondern in Datenpakten, was eine deutlich höhere Reichweite zulässt. Dennoch reagiert die App keinesfalls träge. Selbst die Meteranzeigen zappeln in Echtzeit vor dem Auge des Betrachters.

Die App ist denkbar einfach aufgebaut. Die erste Seite zeigt acht Eingangskanäle, den Effekt-Return und den Masterfader, der in jeder Ansicht stets im Zugriff bleibt. Auf der Setup-Seite werden globale Einstellungen wie die Szenensteuerung verwaltet. Die App kann nahezu jede Funktion der Hardware-Mixereinheit steuern und bietet eine optische Kontrolle, falls ein Mitmusiker einen oder mehrere Hardware-Potis am Mixer verstellt. So lässt sich sogar zu zweit am Sound schrauben (iPad und Hardware).

Ebenfalls hilfreich ist die Wahl zwischen einer vereinfachten Darstellung und dem Expertenmodus. In Letzterem lassen sich EQ und Dynamiksektion – dazu in einer Sekunde mehr –  in der Tiefe editieren. Wer schnell zu einem Ergebnis kommen möchte, wählt dagegen die vereinfachte Ansicht. Die App bietet zudem mehr Mixfunktionen als an der Hardware zur Verfügung stehen. Pro Kanal notieren wir einen Kompressor und einen Vierband-EQ, dessen Bänder auf Wunsch einzeln deaktivierbar sind. Über das Contour-Filter lässt sich der Grundklang jedes Eingangssignals mit einem Finger beeinflussen – ein Ein-Knopf-EQ mit mächtig Drehmoment.

Natürlich wurden auch ein Panorama-Regler und ein Rev/Aux-Poti (Send-Anteil für den Effekt/Monitorweg) nicht vergessen. Sämtliche Kanaleinstellungen lassen sich selbstverständlich in der App speichern. Auch der alte Grafik-EQ hat ausgedient, denn die Remote stellt für den Summenausgang einen 7-Band-GEQ mit praxisgerechten Festfrequenzen zur Verfügung.

Auch optisch weiß die App zu gefallen. Das Layout ist übersichtlich, die Gestaltung gelungen. Es macht Spaß damit zu arbeiten. Außerdem darf der User die App in weiten Teilen personalisieren. Die Kanäle lassen sich benennen, farblich kodieren und sogar mit den Gesichtern der Bandkollegen versehen, falls man der App Zugriff auf die iPad-Kamera gestattet. Wer in mehreren Bands spielt, dürfte die integrierte Szenensteuerung lieben, mit der sich Mixszenen laden, löschen und sogar über das Internet teilen lassen.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare