Test
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20.02.2017

Heritage Audio MCM-32 und MCM-20.4 Test

Analoge Summierer im Neve-Style

Anzahl Inputs vs. Features

Heritage Audio MCM-32 und MCM-20.4 zählen beide zur Gattung der Stereo-Summierer. Analoge Summierer als Gerätegattung wurden ins Leben gerufen als die „große Mischpultkonsole“, mithin der originale Analogsummierer, zugunsten des Workflows aus den Regieräumen verschwand und dort ein beachtliches Vakuum hinterließ.

DAWs waren damals noch lange nicht so ausgereift wir heute, und so gab es ein Problem – zwar ließen sich Produktionen im Rechner nun stets recallen, aber klanglich ließen die Ergebnisse den Charakter von einst vermissen. Ob man dies nun als „Analog-Mojo“ abgetan hat oder ganz konkret Konturen, Offenheit, Separation oder spezielle Färbungen vermisste, die Ergebnisse waren erst einmal anders, und nicht für alle Geschmäcke subjektiv besser. Heute jedoch sieht die Situation etwas anders aus: DAWs sind so leistungsfähig geworden, dass die Summierung auf digitaler Ebene keinen prinzipiellen Nachteil mehr darstellt. Vielmehr ist einfach erlaubt was gefällt, und wenn einem der sachlich-nüchterne Sound auf digitaler Ebene geschmacklich nicht so zusagt, dann kann man sich auf einem reich gedeckten analogen Gabentisch umschauen. Ebenjener hält mit MCM-32 und MCM-20.4 nun auch zwei Optionen aus der spanischen Highend-Schmiede Heritage Audio bereit, welche schon auf den ersten Blick Rückschlüsse auf ihre Provenienz zulassen. Marconi-Knöpfe, RAF-graue Frontplatte ubnd dergleichen verraten, dass es hier – wie auch ansonsten im Hause Heritage – um das Erbe der legendären Neve-Technik der späten 60er- und frühen 70er-Jahre geht.

Details

Analoge Summierung – und eventuelle Zusatzfunktionen

Kernaufgabe eines analogen Summierers ist es, eine bestimmte Anzahl von Eingangskanälen auf eine Stereosumme zu bringen – und dabei möglicherweise noch eine Reihe zusätzlicher Funktionen zu übernehmen. Gewissermaßen geht es um das Herzstück einer Mischpultkonsole sowie um ein paar ihrer peripheren Funktionen. Während bei ersterem auch im 19“-Summingbox-Sektor problemlos das technische und klangliche Level legendärer Konsolenschlachtschiffe erreicht werden kann, sieht dies bei Auswahl und Anzahl der Zusatzfunktionen aufgrund des deutlich schmaleren Fußabdrucks eines Summierverstärkers naturgemäß etwas anders aus. Wäre dies nicht der Fall, würde man wieder bei der Installation eines Trumms mit mehreren Metern Spannweite landen, was es aus verschiedenen Gründen ja meist zu vermeiden gilt. Halten wir also fest: Am Klang darf es keine Abstriche bei einem Summierverstärker geben, bei der funktionalen Ausstattung muss man sie prinzipbedingt in Kauf nehmen.

Gemeinsamkeiten von Heritage MCM-32 und MCM-20.4

Heritage begegnet diesem Dilemma, indem zwei im Kern annähernd baugleiche Varianten des selben Gerätes angeboten werden, welche sich aber in Anzahl und Ausstattung der Inputs unterscheiden. Dadurch kann man je nach Präferenz wählen, welches Gerät den eigenen Bedürfnissen mehr entspricht. Werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Gemeinsamkeiten: Auf vier 19“-Höheneinheiten mischen sowohl der MCM-32 als auch der MCM-20.4 mindestens zwei Dutzend Eingangssignale zusammen. Während die Eingänge mit aktiven, übertragerlosen Schaltungen ausgestattet wurden, arbeitet im Ausgang eine Verstärkerstufe, die stark an diejenige des Neve-1073-Kanalzugs angelehnt wurde. Das bedeutet im Klartext, dass hier in jedem Kanal direkt hinter der Summierschiene am Eingang der Verstärkerstufe ein Übertrager liegt und dann direkt am Geräteausgang noch einmal. Insgesamt bietet das Innenleben beider Heritage-Boliden also vier dieser Wicklungsungetüme, welche standesgemäß vom britischen Originalhersteller Carnhill bezogen werden. Zwei VU-Meter zeigen den Ausgangspegel an, und darunter liegt ein Rasterpoti für denselben, mit einem Regelweg von minus unendlich bis Unity Gain. Analog dazu wurde die Gainstruktur des gesamten Gerätes so konzipiert, dass Unity Gain erzielt wird, wenn auch alle weiteren Pegel-Kontrollen am Rechtsanschlag liegen.

Dazu gibt’s Schalter für den Master-Insert sowie eine Mute-Funktion. Zur Stromversorgung dient ein externes Netzteil, und sämtliche Anschlüsse finden sich auf der Rückseite. Mix- und Monitoroutput sowie die Master-Inserts wurden als XLR ausgeführt, sämtliche weiteren Anschlüsse liegen in Form von DSUB-25-Pin-Konnektoren in Tascam-Belegung vor. 

Unterschiede der beiden Summierer

Bezüglich der Eingangskanäle muss man sich aber dann entscheiden. Der MCM-32 verfügt unschwer zu erraten über 32 Eingangskanäle, welche in Achtergruppen fest verdrahtet aktiv auf vier Stereo-Subgruppen summiert werden. Diese wiederum werden dann auf einer passiven Summierschiene zusammengeführt bevor deren Signal direkt an die Ausgangsstufe weitergereicht wird. Auf diese Weise profitiert das System von der Akkuratesse und Nebengeräuscharmut einer gut designten aktiven Stufe sowie von dem „Vintage-Sound“ der Kombination aus passiver Summierung und 1073-Aufholverstärkung. Jeder Eingang ist mit Insert- und Mute-Schaltern ausgestattet, die konzentrischen Potis justieren Pegel und Panorama-Position. Auch die Subgruppen verfügen über eigene Pegel-Rasterpotis sowie Insert- und Mute-Schalter. In der Essenz bietet der MCM-32 also eine 32x8x2-Mixengine mit einigen recht überschaubaren Routingfunktionen. 

Der Heritage Audio MCM-20.4 verfolgt demgegenüber ein etwas anderes Konzept. Die Anzahl seiner direkten Eingangskanäle halbiert sich auf 16, diese sind jedoch mit Auxwegen ausgestattet. Während die obere Poti-Reihe der Eingangskanäle wie beim MCM-32 Pegel und Panorama-Position bestimmt, ist die jeweils untere Reihe der Kontrolle der Auxwege vorbehalten. Per Schalter kann hier pro Kanal zwischen zwei Optionen gewählt werden. Entweder, der blaue Knopf und der Aluminiumring justieren die Send-Pegel für die Mono-Auxwege 1 und 2, oder aber der blaue Knopf dient der Einstellung des Sendpegels für den Stereo-Auxweg drei, während der Metallring dann das Panoramasetting für den Send übernimmt. Auch der MCM-20.4 bietet zwei vorverdrahtete Stereo-Subgruppen, und noch dazu separate Mastersend-Potis für jeden Auxweg. Insgesamt bietet das Gerät also vier Auxkanäle, wobei in jedem Kanal simultan nur die Hälfte davon genutzt werden kann (entweder 1 und 2 oder Stereo-3). Auch der MCM-20.4 verfügt über die Kombination aus aktivem Summing für die Inputs und passivem Summing für die Busse. Zu den üblichen Ein- und Ausgängen kommen rückseitig auf den DSUBs noch vier Mono-Aux-Returns, welche allerdings nicht weiter in Pegel, Panorama etc. kontrolliert werden können. Auf diese Weise kommt auch die Gerätebezeichnung „20.4“ zustande, obwohl das Gerät ja zunächst nur 16 direkte Inputs bietet.

Alle Anschlüsse symmetrisch

Es ist wichtig anzumerken, dass sämtliche Audioanschlüsse symmetriert vorliegen, auch die Inserts. Das externe Netzteil wurde als Schaltnetzteil konzipiert, wobei die Spannungen aber linear reguliert werden, und zwar separat für Kanäle, Busse und Ausgangsstufen. Die Fertigungsqualität ist insgesamt robust und hochwertig und die äußere Anmutung angemessen kantig und vintage-like. Die solide Hardware wurde so gründlich verschraubt, dass im Servicefall das Gerät fast komplett demontiert werden muss um ans Innenleben zu gelangen. Allerdings dürfte dies a) aufgrund der soliden Bauweise und der traditionell geringen Anfälligkeit der Hardware einer solchen Topologie selten vorkommen, und wenn, dann b) nicht Sorge des Anwenders sondern des Händlers/Vertriebs sein. Insgesamt präsentieren sich die Summierer beide mit schlüssigem, geradlinigem Konzept und entsprechend geradliniger Hardware-Umsetzung. 

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