Test
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05.10.2020

Heritage Audio HA-81A EQ Test

Channel-Strip mit Preamp und EQ

Gut abgeguckt ist halb gewonnen

Die spanischen Neve-Enthusiasten von Heritage Audio haben sich einen neuen Klassiker des legendären Herstellers vorgenommen und geklont. Der HA-81A EQ ist ein Preamp mit Equalizer, der sich wie auch der AMS-Neve 1081 Classic am 1081-Konsolenmodul von 1972 orientiert. Der Preamp hingegen ist dem 1073 entlehnt. Was kann der neuste Zuwachs der Elite Series?

Das ursprüngliche 1081-Modul wurde entwickelt als Vorverstärkermodul mit Equalizer für die 1972 aktuellen, modularen Neve-Konsolen wie etwa die 8048. Das Preamp-Modul erfreute sich allerdings auch später noch besonderer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen des Equalizer-Sounds. Obwohl der Hype nicht so gewaltig ist wie beim Neve 1073, gibt es doch auch vom 1081 allerlei Nachfolger und Nachbauten. So war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich auch der renommierte Neve-Kopierer Heritage Audio dem 1081 widmet.

Details

Verarbeitung

Der Heritage Audio HA-81A EQ macht auf den ersten Blick einen unverwüstlichen Eindruck. Mit 3 Kilogramm iste er für ein 1HE-Gerät reichlich schwer. Das Gehäuse ist komplett aus Metall gefertigt. Seitenteile und Rückseite sind aus blankem Stahlblech geformt. Die obere Abdeckung lässt sich mit sechs Schrauben lösen. Die Frontplatte ist perfekt lackiert und die weiße Beschriftung auf dunkelgrauem Hintergrund sehr gut lesbar. Der 12-fach gerasterte Gain-Regler ist angenehm schwergängig und die Rasterung erlaubt schnelle Recalls. Die fünf konzentrischen Stack-Potis haben jeweils einen gerasterten Ring für die Frequenzwahl und abgesehen vom Hi-/Lowcut-Regler eine ungerasterte Spitze für die jeweilige Gain-Einstellung. Bauartbedingt haben die Stack-Potis ein wenig Spiel, drehen aber mit gutem Widerstand. Alle weiteren Funktionen werden durch Druckschalter abgedeckt, wobei nur Power und Phantomspeisung eine Status-LED haben. Die anderen Druckschalter sind jedoch in weiß auf dunklem Hintergrund auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gut ablesbar.

Signalfluss

Der HA-81 EQ kann Mikrofon-, Line- und Instrumentensignale verarbeiten. Die ersten beiden werden in Form von XLR-Buchsen auf der Rückseite entgegengenommen, wohingegen die Instrumente per Klinkenkabel vorn eingesteckt werden können. Dabei überbrückt der Klinkeneingang den hinteren Mikrofoneingang, wenn etwas eingesteckt wird. Als nächstes bieten vier Druckschalter ein paar Input-Optionen. Ein Pad verringert bei Bedarf den Signalpegel noch vor dem Eingangstransformer um 20 dB und die Eingangsimpedanz des Mikrofoneingangs kann von 1200 Ohm auf 300 Ohm gesenkt werden. Ein interessantes Tool. Außerdem gibt es natürlich Phantomspeisung und einen Wahlschalter für die Eingänge. Der Gain-Regler schaltet die Vorverstärkung von 30 dB in 5dB-Schritten auf ganze 80 dB, wobei sich zwischen 50 und 55 dB die Off-Stellung befindet, die den Preamp abschaltet.

Beim parametrischen 4-Band-Equalizer ist das höchste Band (3,3 - 15 kHz) wie das tiefste (33 - 330 Hz) als Shelving-Filter ausgeführt, beide können jedoch auch auf Bell-Betrieb umgeschaltet werden. Die beiden Mittenbänder (220 - 1200 Hz bzw. 1,5 - 8,2 kHz) können dagegen per Hi-Q-Schalter auf eine höhere Güte umgeschaltet werden. Dem Equalizer schließt sich ein Filter-Paar an, das ebenfalls auf einem konzentrischen Poti Platz findet. Das Hochpass-Filter ist in fünf Stufen wählbar zwischen 27 und 270 Hz, während sich das Tiefpass-Filter zwischen 3,9 und 15 kHz bewegt. In Mittelstellung sind beide Filter abgeschaltet. Mit dem Output-Regler lässt sich das Signal zum Schluss noch einmal reduzieren. Das ist besonders praktisch, wenn man dem HA-81 EQ ein paar Obertöne entlocken möchte und dafür das Gain aufdreht, dann aber doch wieder auf ein AD-Wandler-verträgliches Level zurück möchte. Schlussendlich bieten drei Druckschalter die Möglichkeit, den Equalizer aus dem Signalweg zu nehmen, die Polarität zu invertieren und das Gerät abzuschalten, was bei Rack-Geräten ja leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Innereien

Nimmt man die obere Abdeckung des Heritage HA-81 EQ Channel-Strips ab, offenbart sich ein blick auf eine saubere, diskrete Schaltung. Alles ist aufgeräumt und von Markenkomponenten gespickt. Außerdem können sich die beiden großen Carnhill-Tranformatoren an Ein- und Ausgang sehen lassen. Sie sind bereits aus den anderen Geräten der Heritage Audio Elite Series bekannt und dürften einiges an Sättigung möglich machen.

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