Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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25.03.2021

Harley Benton SC-1000 WH Progressive Line Test

E-Gitarre

Heavy-Schnäppchen

Mit der Bezeichnung Harley Benton SC-1000 WH Progressive Line bringt die Eigenmarke des Musikhaus Thomann eine Single-Cut-Gitarre auf den Markt, die sich ganz klar an die Fraktion der etwas härter rockenden Gitarristen richtet.
Ausgestattet mit aktiven Humbuckern, 24 Bünden, Flaggen-Inlays und einem etwas spitzer zulaufenden Cutaway vereint sie traditionelles Single-Cut-Design mit einer zeitgemäßen Ausstattung - und das alles zum echten Schnäppchenpreis.

Details

Das Instrument wird sicher in einem Karton verpackt versendet, zum Lieferumfang gehört auch ein Schlüssel zum Einstellen des Truss Rod (Halsspannstab) und ein Klinkenkabel.

Der erste Eindruck fällt ausgesprochen positiv aus, denn die in "Glossy White" lackierte Gitarre macht einen durch und durch sauber verarbeiteten Eindruck. Ich konnte weder Lackfehler noch sonstige Verarbeitungsmängel feststellen, was bei einem Preis von gerade einmal knapp 200 Euro schon bemerkenswert ist.
Das Design lehnt sich stark an eine alte Bekannte an, die Les Paul. Allerdings fällt der Body etwas schnittiger aus und erinnert mich besonders an die Variante von ESP/LTD, genauer gesagt an die EC-Serie. Diese Gitarren sind gerade bei Hard Rock- und Heavy-Gitarristen sehr beliebt, und das völlig zurecht, denn schon optisch vermitteln sie einen moderneren Touch als das seit den 50er Jahren von Gibson erdachte und immer noch aktuelle Les-Paul-Design.

Korpus:

Der Korpus ist aus Mahagoni gefertigt und besitzt eine gewölbte Decke. Aus wie vielen Teilen er besteht, lässt sich aufgrund der deckend aufgetragenen Lackierung nicht herausfinden. Das cremefarbene Multi-Binding, das sich um Korpus und Hals windet, passt für meinen Geschmack ganz wunderbar zur Optik. Wem die weiße Farbgebung nicht zusagt, kann das Instrument auch in klassischem Schwarz erwerben. Sehr erfreulich ist auch, dass die Gitarre sogar als Linkshändermodell angeboten wird.

Seitens der Hardware geht es hier recht traditionell zur Sache, denn die Saiten werden in ein Stop Tailpiece gefädelt und laufen über eine Tune'O'Matic-Bridge (auch als TOM-Bridge bekannt) genau 628 mm bis zum Sattel und bieten somit klassische Les Paul-Abmessungen.

Die Saitenschwingungen werden von zwei aktiven HBZ Hi-Gain-Humbuckern abgenommen und aus der Klinkenbuchse in der unteren Zarge in Richtung Verstärker geschickt. Zwei Volume- und ein Tone-Regler mit griffigen Metallknöpfen stehen bereit, die jedoch recht schwergängig laufen, außerdem verwundert mich ein wenig die Anordnung. Der Regler, der sich am nächsten bei der Anschlagshand befindet, bestimmt hier die Lautstärke des Hals-Pickups, und nicht wie gewohnt die des Steg-Tonabnehmers. So sind Lautstärkeschweller mit dem kleinen Finger beim Einsatz des Steg-Humbuckers zumindest für mich schwer machbar. Geschaltet werden die Tonabnehmer mit einem Dreiwegschalter, der sich an gewohnter Stelle oberhalb des Hals-Pickups befindet.

Die Rückseite der SC-1000 liegt mit einer großzügigen Aussparung an der oberen Zarge komfortabel am Körper an, aber auch der Zugang zu den höchsten Lagen gestaltet sich aufgrund einer Fräsung im Cutaway am Übergang von Korpus zum Hals völlig problemlos.
Das Elektronikfach sowie die Rückseite des Dreiwegschalters liegen hinter versenkt angebrachten Kunststoffabdeckungen, die aktiven Pickups beziehen ihre Energie von einer in einem Schnellverschluss verstauten 9V-Blockbatterie, die auch Teil des Lieferumfangs ist.
Gurtpins dürfen natürlich auch nicht fehlen, sie finden sich an gewohnter Stelle in den Korpus geschraubt und mit einem Kunststoffring unterlegt, um den Lack nicht zu beschädigen.

Hals:

Wie man es von Les Pauls gewohnt ist, wurde auch hier der Mahagoni-Hals mit dem Korpus verleimt, was tadellos gelungen ist, denn keinerlei Arbeitsrückstände sind zu entdecken. Die Halsrückseite mit C-Profil ist passend zum Korpus weiß lackiert, das aufgeleimte Amaranth-Griffbrett mit 24 Jumbo-Bünden besitzt das schon erwähnte cremefarbene Binding. Bei Amaranth haben wir es mit einer südamerikanischen Holzart zu tun, die sich im Gitarrenbau immer mehr verbreitet. Das Holz ist auch unter dem Namen Purplewood bekannt, da es beim Aufschneiden einen hellpurpurnen Farbton besitzt, jedoch sehr schnell nachdunkelt. Das Griffbrett unserer Testgitarre besitzt einen sehr dunklen Farbton, was darauf schließen lässt, dass nachgefärbt wurde. Ganz kleine dunkle Farbrückstände im Binding erhärten meinen Verdacht.

Die Bünde wurden tadellos eingesetzt und an den Kanten verrundet. Inlays in Flaggenform weisen den Weg, hinzu kommen kleine schwarze Punkte an den entsprechenden Stellen im Binding. Der aufgezogene .010- .046 Saitensatz überquert auf dem Weg zu den Gussmechaniken den 43 mm breiten Sattel, der die Drähte vollkommen spielfrei auf die angewinkelte Kopfplatte lenkt. Dahinter der Zugang zum Double Action Trussrod (Halsspannstab), der mit einem Kunststoffdeckel mit Firmenlogo verschlossen ist. Auch die Kopfplatte selbst besitzt ein mehrlagiges Binding, was für ein stimmiges Erscheinungsbild sorgt.

Insgesamt macht die in China gefertigte Gitarre einen tadellos verarbeiteten Eindruck und bringt 3884 Gramm auf die Waage.

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