Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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16.03.2021

Harley Benton Custom Line CLJ-412E NT Test

12-saitige Westerngitarre mit Tonabnehmer

Im Dutzend lauter

Mit der Harley Benton Custom Line CLJ-412E NT hat die Thomann-Hausmarke bereits die zweite Westerngitarre nach der King-CE NT, einer 6-saitige Jumbo, im Line-up. Letztere sieht dem Original, der Gibson SJ-200, zum Verwechseln ähnlich. Mit unserer Testkandidatin wird die Custom-Linie der deutschen Marke auch um eine 12-saitige Vertreterin der guten alten Jumbo erweitert.
Der Resonanzkörper mit den üppigen Abmessungen wurde zum ersten Mal im Jahr 1937 in den Werkstätten der Firma Gibson geformt. Das Urgestein unter den Gitarren hat seitdem unzählige Musiker-Legenden in seinen Bann gezogen. Weil die 12-saitigen Vertreter auch bei Gibson in der Vergangenheit eher in kleinen Auflagen produziert wurden, könnte sich ein Blick auf die CLJ-412E NT lohnen.

Details

Korpus

Der Resonanzkörper hat unverkennbar die Proportionen der Gibson SJ-200. Zahlreiche Details unterscheiden die CLJ-412E NT aber dann doch mehr oder weniger deutlich vom Gibson-Original. Die massive Fichtendecke der CLJ wurde aus zwei symmetrischen Teilen zusammengesetzt, wobei man die allerbeste Qualität in diesem Preissegment natürlich nicht erwarten darf. Die rechte Seite ist deutlich dunkler eingefärbt, ein durchaus probates Mittel zur Gestaltung der Oberfläche. Die mittig verlaufende Nahtstelle wird dadurch natürlich besonders betont.

Optisch aufgewertet wird die Decke mit einer Schalllochverzierung, die aus drei konzentrischen schwarz-weißen Streifen besteht, die auf der Höhe des zweitletzten Bundstäbchens ihren Ausgang nehmen. Ein aufgeklebter Schlagschutz mit Schildpatt-Optik hat die Form des Originals mit dem spitzen "Zapfen" an der Unterseite. Die dekorative Einfassung, die den Deckenrand umläuft, fällt dagegen kaum auf. 

Der dunkelbraune Saitenhalter (von Harley Benton), der aus einem Stück Ovangkol geschnitzt wurde, überträgt großflächig die Saitenschwingungen auf die Decke. Der typische „Moustache"-Saitenhalter, das Alleinstellungsmerkmal der alten SJ-200, kommt hier nicht zum Zug. Befestigt werden die Saiten mit 12 weißen Pins und den Ball-Ends stabil am dreifach geschwungenen Unterbauch und werden über eine einteilige Stegeinlage aus echtem Knochen geführt. Die beiden B-Saiten und die umwickelte E-Oktavsaite wurden mit einer Nase befeilt. 

Die beiden Bodenhälften und die Zargen bestehen aus verwindungssteifem Mahagoni. Ein eingelegter Zierspan bildet das Rückgrat der Gitarre. Die tief ausgeschnittenen Zargen vergrößern das Volumen des Klangkörpers und bieten die Basis für einen satten Naturton. Die Ausgangsbuchse für das Tonabnehmersystem dient auch gleichzeitig als Gurthalterung, eine zweite ist am Halsfuß verschraubt. Die Hardware in Goldoptik steht der CLJ besonders gut.
Der gesamte Korpus ist perfekt klar hochglänzend versiegelt, sodass die Holzstrukturen überall durchschimmern. Weißes Binding umläuft die Boden- und Deckenhälften und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen – insgesamt eine ansehnliche Arbeit.

Innenansichten

Das Schallloch mit einem Durchmesser von 10 cm (Normalmaß) gibt mir die Gelegenheit, der CLJ einmal unter die Haube zu schauen. Das Holz im Innenraum wurde nicht lackiert, sodass man die rötlich-braunen Maserungen sehen kann. Ein massiver Halsblock hält Decke, Boden, Zargen und Halsfuß zusammen. Dass die Decke einer 12-saitigen Gitarre vergleichsweise größeren Zugkräften widerstehen muss, versteht sich von selbst. Zur Stabilisierung wurde sie mit einem obligatorischen X-Bracing unterbaut. Ein querliegender Tonbalken im Oberbug ergänzt das Gefüge. Der fragile Bereich rund um das Schallloch wurde mit zwei flachen Holzstreifen verstärkt, weitere kleinere Hilfsleisten sind unter der Decke verleimt. Vier Querbalken sorgen dafür, das sich die beiden Bodenhälften nicht ablösen. Einen zusätzlichen Bodenmittelstreifen hat man der CLJ nicht spendiert. Die Reifchen, die zur Vergrößerung der Verleimflächen von Decke und Boden am Rand eingesetzt werden, sind sauber, gleich- und regelmäßig eingesetzt.

Elektronik

Der Preamp, ein Presys II, stammt vom renommierten Hersteller Fishman. Die quadratische Einheit (51 x 51 mm) in der Zarge ist mit den wichtigsten Funktionen ausgestattet. Für die optimale Stimmung sorgt das integrierte Stimmgerät, das mit einem separaten Taster ein- oder abgeschaltet wird. Ein kleines Display liefert die nötigen Informationen. Der Ton wird am Ausgang stummgeschaltet, wenn das Stimmgerät in Betrieb genommen wird, bei dem der Kammerton leider nicht kalibriert werden kann. Mit den beiden Reglern für Bass- und Treble wird der Sound eingestellt, während der Phase-Taster bei Bedarf die Phase dreht. Eine rote LED zeigt den Zustand der 9-Volt-Batterie an, die im Lieferumfang enthalten ist. Mit einer Laufleistung von 111 Stunden sollte die Batterie, die sich in einem separaten Batteriefach in der Zarge befindet, auch eine ausgedehnte Tour überleben.

Hals und Griffbrett

Der schlanke runde Hals mit C-Profil besteht aus Mahagoni und ein eingelegter Double Action-Halsstab verleiht der Konstruktion die nötige Stabilität, die eine 12-saitige Gitarre mit hoher Saitenspannung dringend benötigt. Die Halskrümmung (im unteren Drittel) lässt sich mit einem Inbus justieren. Der Zugang befindet sich unter einer schwarzen, glockenförmigen Abdeckung am Kopf-Hals-Übergang, der flache Halsfuß aus Mahagoni ist angesetzt. Das aufgeleimte Griffbrett aus solidem Ovangkol wird von einem weißen Binding eingefasst. 20 Bünde sind ordentlich abgerichtet und poliert und eine sanfte Wölbung soll das Spiel mit großen Barrégriffen erleichtern. Zur Orientierung dienen große quadratische Pearloid-Einlagen, die man nicht übersehen kann, kleine schwarze Punkte auf der Sichtkante bilden eine sinnvolle Ergänzung.

Die 12 Saiten laufen über einen sorgfältig gearbeiteten Sattel aus Knochen. Der ist mit 48 mm natürlich etwas breiter, denn 12 Saiten benötigen etwas mehr Abstand voneinander. Der Hals-Korpusübergang befindet sich standardgerecht am 14. Bund.

Kopfplatte

Die Kopfplatte besteht ebenfalls aus massivem Mahagoni. Sechs geschlossene vergoldete DLX DieCast-Mechaniken, bei denen die Zahnräder und Gewindeachsen vor Verunreinigungen geschützt sind, sitzen an jeder Seite. Die Stimmflügel, hier ebenfalls ins Gold, sind bei einer 12-saitigen Gitarre vergleichsweise zierlicher und man sollte einen sensibleren Zugriff einüben, damit bei einer Drehung nicht der benachbarte Stimmflügel verstellt wird. Einige von ihnen arbeiten bei diesem Testmodell auch nicht gerade leichtgängig. Obwohl die Kopfplatte ziemlich lang und entsprechend schwer ist, ist die Gitarre nicht kopflastig. Im Zentrum prangt eine sehr schöne Split-Rhombus-Einlage und an der Oberkante gut sichtbar das Harley-Benton-Logo.

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