Test
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18.05.2019

Gretsch Renown Maple 14x5,5 Snare Test

Snare Drum

Das Arbeitspferd

Unser heutiges Testobjekt ist eine schwarze Snare Drum aus Holz, die auf den Namen Gretsch Renown 14x5,5 hört. So richtig hippe Features wie Hybridkessel, Fassbauweise oder spezielle Hardware-Lösungen gibt es an ihr nicht zu bewundern. Das muss allerdings auch gar nicht sein, denn dass die „Standardrezepte“ immer noch funktionieren, zeigt nicht zuletzt der anhaltende Vintage-Boom ziemlich eindrucksvoll. Außerdem gehört die Firma Gretsch nun einmal zu den Schwergewichten der Drum-Branche, worauf nicht zuletzt der Serienname unseres Testobjektes hinweisen soll.

Renown bedeutet übersetzt nämlich Ruhm oder auch Ansehen, und dieses speist sich natürlich aus der bewegten Geschichte der Firma Gretsch, welche nicht nur unter Jazzern einen geradezu legendären Ruf genießt. „That Great Gretsch Sound“  - so lautet der Unternehmens-Slogan - soll aber nicht nur bei den teuren, in den USA hergestellten Top-Serien USA Custom, Brooklyn und Broadkaster zu finden sein. Wer sich die Investition in diese Edeltrommeln nicht leisten kann oder will, soll mit unserem Testobjekt zumindest klanglich kaum schlechter bedient sein. Ob die in Taiwan hergestellte Test-Snaredrum eine echte Gretsch ist, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Innen ist der Kessel silber lackiert

Schlicht und schwarz liegt die Renown 14x5,5 Snare vor mir, und sie wirkt auf den ersten Blick ganz gewiss nicht wie ein Sparmodell, im Gegenteil. Das liegt nicht nur an den ansprechend wirkenden Proportionen aller Komponenten, sondern vor allem auch an der hochglänzenden Lackierung namens Piano Black (Farb-Code PB). Diese erreicht zwar nicht die Tiefe beispielsweise der – deutlich teureren - Yamaha Recording Custom Trommeln, ist aber rundum sehr sorgfältig und glatt ausgeführt worden. Im Inneren sehen die Renown Drums anders aus als die meisten Konkurrenzprodukte. Statt einer klaren Versiegelung kommt hier die von den Gretsch High End Trommeln bekannte silberne Beschichtung mit der Bezeichnung „Silver Sealer“ zum Einsatz. Um die klanglichen Eigenschaften dieser Beschichtung ranken sich etliche Legenden, es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass sich ihr Effekt vornehmlich auf optischer Ebene abspielt. Relevanter dürfte da der siebenlagige Ahornkessel sein, welcher eine 30 Grad-Abkantung besitzt und nach Gretsch-Vorgaben in Taiwan hergestellt wird. Auf der Resonanzseite besitzt er ein flaches, relativ breites Snarebed, welches die Form der Gratung beibehält. a

Die Spannreifen: „302“ statt dreifach geflanscht

Zehn doppelseitige Spannböckchen im klassischen Gretsch Design sind Gummi-unterlegt mit dem Kessel verschraubt, dasselbe gilt für das kleine, runde Renown Badge. Auf der anderen Kesselseite befindet sich das Luftloch, auch dieses besitzt eine Gummieinfassung. Bei der Abhebung kommt ein schörkelloses Design mit seitlichem Abwurfhebel zum Einsatz. Dieses Modell findet sich an unzähligen Snare Drums verschiedener Hersteller und kommt augenscheinlich aus dem taiwanesischen Hardware-Fundus. Wie auch auf dem einfachen Butt End-Klemmbock prangt darauf jedoch der Gretsch-Schriftzug. Zusammen mit dem Badge liefert die Abhebung den deutlichsten Hinweis darauf, dass wir es nicht mit einer Snaredrum aus dem USA-Fundus von Gretsch zu tun haben. Kommen wir nun zum wichtigsten Hardware-Merkmal der Renown Snare, nämlich den nach oben hin gerade auslaufenden, drei Millimeter starken „302“ Spannreifen. Dieses Konstruktionsmerkmal sorgt für einen etwas schmaleren Kontaktbereich zwischen Stock und Reifen, was der Trommel einen leichten Retro-Touch verleihen soll. 

Beim Auseinandernehmen der Snare fallen mir zwei Dinge auf. Erstens sind die 302 Reifen ziemlich schwer und massiv konstruiert, die Verchromung sieht sauber verarbeitet aus. Die zweite Beobachtung ist weniger positiv, und sie fällt mir bereits optisch auf. Der untere Reifen ist mit einer Durchmesserabweichung von sieben Millimetern nämlich alles andere als rund, er berührt den Kessel auf Höhe der Snareteppich-Durchführung sogar leicht. Um herauszufinden, ob es sich bei diesem Makel um eine Montagsproduktion handelt, wurde eine zweite Testtrommel angefordert. Auch diese weist den gleichen, leicht ovalen Resonanzfell-Spannreifen auf, mit „nur“ fünf Millimetern fällt die Abweichung jedoch weniger gravierend aus. Das sollte bei einer Trommel wie dieser nicht passieren. Mal hören, wie sich das Phänomen auf den Klang auswirkt.

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