Hersteller_FXpansion Software
Test
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15.01.2014

FXpansion BFD3 Test

Drum Software Workstation

Big F****** Drums

FXpansion BFD ist zweifelsohne einer der ganz dicken Fische, wenn es um Sample-Libraries für akustische bzw. „echt gespielte“ Drums geht. Das virtuelle Instrument übernahm schon bei Veröffentlichung der Erstversion eine Pionier-Rolle und bot erstmals hoch detaillierte Multichannel-Samples an, die es ermöglichten, die Drums aus der Dose über eine stattliche Anzahl von Einzelkanälen annähernd so flexibel zu bearbeiten, als hätte man sie selbst aufgenommen. Etwa zehn Jahre später präsentiert der britische Hersteller nun die dritte große Version des Schlagzeug-Schwergewichts, und es hat sich einiges getan, denn im Vergleich zum direkten Vorgänger wurde nicht nur die Core-Library vollständig ersetzt, sondern auch die Benutzeroberfläche wurde von Grund auf neugestaltet. 

Eines der Markenzeichen der BFD-Reihe war schon immer ein verhältnismäßig spektakulärer Speicherbedarf, der sich im Laufe der Jahre immer weiter an die wachsenden technischen Möglichkeiten anpasste. Das Datenvolumen der ersten Version erschien mit den damaligen neun Gigabyte so unerhört groß, dass sich dieser Punkt sogar in der Namensgebung der Software niederschlug. Um die Ausmaße noch einmal zu unterstreichen, taufte man das virtuelle Instrument nicht nur auf den Namen „BD“ (also „Big Drums“), sondern fügte den Initialen einen weiteren Buchstaben hinzu. Wofür das „F“ steht, überlässt FXpansion allerdings mit einem deutlichen Augenzwinkern der Interpretation der Anwender. 

Details

Umfang und Installation

Die Library von BFD3 ist tatsächlich wieder einmal größer denn je und brüstet sich mit einem stattlichen Umfang von über 160 Gigabyte. Die neu eingeführte BFDLAC-Technologie mit ihrer Lossless Audio Compression macht es aber möglich, das effektive Datenvolumen um etwa zwei Drittel zu reduzieren, sodass der letztendliche Speicherbedarf mit etwa 55 Gigabyte fast genau den Anforderungen des Vorgängers entspricht. Vergleichbare Strategien zur verlustfreien Datenkompression werden beispielsweise auch von Libraries für NI Kontakt angewendet und sind in den letzten Jahren immer häufiger zu finden. Dies kommt nicht nur der im Idealfall trotzdem möglichst schnellen Festplatte zugute, sondern spart natürlich auch Zeit bei der Installation.

FD3 ist als Boxed-Version oder als direkter Download verfügbar. Entscheidet man sich für die anfassbare Pappschachtel, so erhält man einen USB-Stick, auf dem der Content untergebracht ist. Der Installer für die Anwendung selbst ist dagegen nicht auf dem Stick vorhanden und muss nach dem Erstellen eines User-Accounts und Verknüpfen der Seriennummer von der Hersteller-Seite heruntergeladen werden. So ist sichergestellt, dass man immer die jüngste Version der Software installiert.

Das englische Handbuch ist ebenfalls nicht auf dem Stick enthalten, und ein Download ist offenbar auch nicht vorgesehen, da selbst die zugehörige Funktion im Menü der laufenden Anwendung auf einen Online-Link verweist. Das PDF-Dokument kann aber selbstverständlich von Hand heruntergeladen werden. Vor allem sollten also Anwender, die aus Gründen der Systemhygiene einen Studio-Rechner ohne Internetanbindung verwenden, diese Schritte vorab miteinbeziehen. Die Installation der Download-Version ist dagegen noch etwas komplizierter und setzt momentan noch voraus, dass die BFD3-Anwendung vor dem Herunterladen der Library (Download-File von ca. 38 GB) auf dem entsprechenden Rechner installiert wird, auch wenn dies gar nicht benötigt werden sollte.

Sobald alle Daten ihren Platz auf der Festplatte gefunden haben, muss die Installation über den FXpansion License Manager online (oder offline über einen anderen Rechner) aktiviert werden. Der Vorgang verlief im Test problemlos. Die Software wird gleichzeitig als 32-Bit und 64-Bit Version installiert und läuft entweder als Standalone-Anwendung oder als VST-, AU-, RTAS- und AAX-Plug-In. Gerade über die Unterstützung der letzteren Schnittstelle, die bekanntermaßen noch vergleichsweise jung ist, werden sich die Anwender von Pro Tools freuen.

Überblick und Konzept

BFD3 bietet entsprechend der zehnjährigen Tradition Multichannel-Samples von fünf neuen Drumsets an, die in Zusammenarbeit mit Platinum Samples entstanden. Im Gegensatz zum bisherigen Konzept, alle Instrumente im gleichen Aufnahmeraum über das gleiche grundlegende Equipment aufzunehmen, stammen die Samples diesmal aber aus zwei verschiedenen Studios. Vier der Kits wurden in den Ocean Way Studios in Los Angeles in Zusammenarbeit mit dem bärtigen Star-Engineer Andrew Scheps aufgenommen, das fünfte Set stand in den Omega Studios in Rockville und wurde neben handelsüblichen Drumsticks auch mit Besen und Mallets (Filzschlägel) bespielt. Der maximale Detailgrad der Velocity-Layers wurde, gemessen am Vorgänger, nicht erhöht und liegt bei bis zu 80 verschiedenen Samples für die unterschiedlichen Lautstärke-Abstufungen pro Instrument, auch wenn die Engine theoretisch nun 256 Layers erlaubt. Das höhere Datenvolumen der Library ergibt sich also hauptsächlich aus einigen hinzugekommenen Raum- und Effekt-Kanälen, neuen Spielweisen und dem ebenfalls etwas gewachsenen Klangarsenal. Die Engine basiert wie bisher auf Disk-Streaming und bietet wie gehabt ein vielfältiges Memory-Management zum Entlasten des Systems.

Genauso wie die vorhergehende Version hat BFD3 aber natürlich nicht nur den bloßen Sample-Content an Bord, sondern verfügt auch über einen hoch flexiblen internen Mixer mit 27 Effekt-Algorithmen und einen komplexen Drum-Sequencer. All dies wurde jedoch einer intensiven Neugestaltung unterzogen, die erhebliche Workflow-Verbesserungen verspricht. Ob es sich hier um eine Art Wahlversprechen handelt oder ob sich tatsächlich einiges getan hat, finden wir unter anderem im folgenden Praxis-Teil heraus. Zuvor gibt es zur ganz groben Orientierung aber noch einen Schnellvergleich mit dem Vorgänger BFD2 und der Konkurrenz von Toontrack.  

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