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30.06.2020

Fun Generation BP 112 A und BP 115 A

Batteriebetriebene aktive Zwei-Wege-Boxen

Netzunabhängige Mini-PA als robustes Handgepäck

Fun Generation, eine Marke aus dem Thomann-Universum, präsentiert mit den BP 112 A und BP 115 A zwei akkubetriebene Aktivboxen für reisefreudige Benutzer. Als „reisefreudig“ können die Fun Generations nicht nur aufgrund ihrer Akkus gelten, schließlich verfügen beide auch über einen herausziehbaren Tragegriff und Rollen auf der Unterseite, die in Kombination dem Hartschalenprodukt die Anmutung eines echten Reise-Trolleys verleihen.

Für 159 Euro wandert der kleine Bruder BP 112 A über die Ladentheke, BP 115 A wechselt für 189 Euro den Besitzer, was man getrost als ziemlich günstig bezeichnen kann. Sie unterscheiden sich bloß hinsichtlich der Größe des Chassis, des Bass-Speakers und der damit verbundenen Endstufenleistung, ansonsten sind sie absolut identisch ausgestattet. Anschlussseitig können die Geschwister mit diversen Optionen aufwarten, sodass manch einer geneigt sein könnte, sie als Multifunktionstool zu bezeichnen. Soweit würde ich an dieser Stelle aber noch nicht gehen wollen, schließlich sollen sie ja auch wirklich erst einen Multifunktionstest durchlaufen, den ihr im folgenden Artikel unter die Lupe nehmen könnt.

Details

Beide Mini-PAs kommen stehend im Karton samt Umkarton und Eckenschonern und somit sehr gut geschützt unbeschadet per Kurierdienst bei mir an. Der größere der beiden „Fun Bros“ erfordert doch erheblichen Kraftaufwand beim Wuchten der ausladenden Kartonage auf den Tisch und auch dessen Höhe treibt mir beim Gedanken an die Auspackbilder die ersten sichtbaren Sorgenfältchen auf die Stirn. Als dem Lieferumfang zugehörig gelten neben dem Produkt selbst ein Kaltgerätekabel, eine Fernbedienung, separate Handbücher in Deutsch und Englisch sowie Produkt- und Sicherheitshinweise. 

Aus beiden Welten

Die aktiven Lautsprecher, die sich wegen des ausziehbaren Tragegriffs und der unterseitigen Rollen des Eindrucks eines Reise-Trolleys nicht erwehren können, aber aufgrund der seitlich angebrachten Griffe auch wie ein PA-Produkt wirken, wissen zunächst genauso wenig wie ich, ob man sie gleich in ein dunkles Lager eines PA-Verleihers deportiert, wo sie dann für den Rest ihrer Existenz ein Schattendasein fristen müssen oder ob sie per Taxi flink zum Flughafen gebracht werden, um dort ein höchst attraktives Urlaubsziel auswählen zu dürfen. Wegen fehlender Lagerräumlichkeiten und der aktuellen weltweiten Corona-Problematik (2.5.2020) entscheide ich mich entgegen aller Befürchtungen und Erwartungen für meinen Fototisch, was allen Beteiligten wohl ganz recht zu sein scheint. 

Insgesamt machen die Fun Generation Lautsprechersysteme einen sehr robusten Eindruck auf mich. Das Hartschalen-Chassis wirkt stoßunempfindlich und auch ein Sturz von einer hohen Ladekante würden sie vermutlich von einigen Macken abgesehen schadlos überstehen. Einzig vorstehende Details wie die Lautsprecherabdeckung oder die Tragegriffe könnten in so einem Fall Schaden nehmen, was aber mutmaßlich nicht so tragisch enden müsste, weil beides mit dem Chassis (übrigens bombenfest) verschraubt ist und somit austauschbar wäre.

Der eingefahrene Tragegriff verschwindet nahezu gänzlich in der Oberseite des Chassis, jedenfalls ausreichend tief, um bei einem möglichen Sturz so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Die Extension des Griffs besteht aus zwei Vierkantrohren aus Aluminium und die Griff-Extension-Konstruktion rastet in beiden Endpositionen fest ein. Mit ausgezogenem Tragegriff sind beide Lautsprecher gleich groß, sprich der kleine Bruder hat den 7 cm längeren Tragegriff.

Ist der Tragegriff eingefahren, ist aber klar, wer der „Erstgeborene“ von beiden zu sein scheint. Der große überragt mit 45 cm Höhe den kleinen (38 cm) um ganze 7 cm. Letzte Zweifel werden dann aber spätestens bei der Feststellung des Kampfgewichtes beseitigt. Hier notiere ich für den BP 115 A ganze 14,6 kg und für den BP 112 A eben nur 12,3 kg, was hinsichtlich der Mobilität aber vorteilhafter und für den Rücken des Besitzers bestimmt gesünder ist.

In die Unterseite ist bei beiden Exemplaren ein 35 mm Hochständerflansch samt Arretier-Rädchen eingelassen, was zugegebenermaßen ein echtes Goodie ist. Der flexiblen Einbindung in größere Setups steht somit maximal die für PA-Verhältnisse recht geringe Leistungsfähigkeit im Wege. Zwei mannshohe Stative können in einem Stereo-Setup die Durchsetzungsfähigkeit von den Lautsprechern (als Tops verwendet) erheblich steigern, insbesondere in leicht verwinkelten Locations mit viel Publikum.

Die Boliden stehen aber auch selbst fest auf eigenen Füßen, um genauer zu sein, auf zwei Gummifüßen und den beiden Rollen, die eben noch den Transport erheblich erleichtert haben. Die Gummifüße sind ebenfalls fest mit dem Schalengehäuse verschraubt und die Vollgummi-Rollen sind in Kantenmodulen aus Kunststoff integriert, die wiederum mit Schrauben am Gehäuse fixiert sind und somit ebenso austauschbar sein sollten.

Ein paar Techspecs

In beiden Mini-PAs zeigen sich baugleiche 1-Zoll-Kompressionstreiber für den Mittelhochtonbereich zuständig. Bei den Bässen hingegen kommen verschiedene Speaker zum Einsatz. Im Inneren der BP 112 A werkelt ein 12 Zoll im Durchmesser betragender Speaker beim BP 115 A selbstverständlich ein 15-Zöller. Das Leistungsvermögen der jeweiligen Endstufen findet hier seine Entsprechung, denn der große Bruder kann 50 Watt (RMS) vertragen und 140 Watt in der Spitze, die 12er hingegen 45 Watt RMS und 120 Watt Spitzenleistung.

Aufgrund des größeren Treibers reicht der Übertragungsbereich der BP 115 A bis 60 Hz hinunter. Bei der kleinen Variante nennt der Hersteller 68 Hz als untere Grenze. Beide Systeme sollen nach oben hin bis 19 kHz reichen. Hinsichtlich des Abstrahlwinkels werden beide mit 90° x 40° angegeben, der maximale Grenzschalldruck der 115 A soll 112 dB SPL und der von 112 A 109 dB SPL betragen ohne Angabe von Klirrgrad oder Messmethode.

Akkuleistung und mehr

Bei beiden Modellen findet ein 12-Volt-Bleiakku mit einer Kapazität von 7200 mAh Verwendung. Die maximale Leistungsaufnahme (im Ladevorgang) beträgt 72 Watt. Ist der Akku leergespielt, benötigt ein kompletter Ladevorgang 9 Stunden. Wie lange die Laufzeit des Akkus beträgt, hängt stark von der Art der Beanspruchung ab. Laut Herstellerangaben aus der Bedienungsanleitung beträgt diese bei Volllast, sprich 45 Watt RMS, beim kleinen System etwa 3 Stunden, laut Internet (Onlineshop Thomann) 5 Stunden. Ich kann hierzu ganz konkret leider nichts Verwertbares von mir geben, denn wenn ich zuhause 3 Stunden Volllast erprobe, dauert es keine Stunde bis zum Einsatz von Polizei oder Ordnungsamt. Allerdings kann man andere Disziplinen entwickeln, mehr dazu im Praxisteil.

Die Rückseiten

Diese unterscheiden sich aufgrund der verschiedenen Endstufenmodule hinsichtlich des Layouts ein wenig. Das Backpanel der 115 A ist länglicher und schmaler als das der 112 A. Hinsichtlich der Anschlüsse und Features herrscht absoluter Gleichstand.

Anschlussmodul

Die Inputs 1 und 2 in Form zweier Kombibuchsen für XLR oder 6,35 mm Klinke nehmen dynamische Mikrofone oder wahlweise symmetrische Signale von Line-Quellen auf, wie zum Beispiel Keyboards, professionelle Sampler oder Kleinmixer. Input 3 dient zum Anschluss eines unsymmetrischen Abspielgeräts per Cinch oder 3,5 mm Miniklinke. Für alle Eingänge stellt Fun Generation je einen Drehregler bereit, quasi Vorverstärkung und Summen-Pegelsteller in Personalunion. Rechts daneben schließt ein Drehpotentiometer an, das für die Justierung der Gesamtlautstärke zuständig ist. Ein XLR-Out (mono), um die Summe abzugreifen und in eine zweite Box zu führen, ist hier auch angesiedelt.

Eine rote LED zeigt kurze Übersteuerungen (Peaks) des Masters an, die sich daneben befindliche grüne LED signalisiert die Grundbereitschaft der Spaßbrüder. Für die Signale der beiden Kombi-Eingänge gibt es einen internen Echo-Effekt, der mit dem gleichnamigen Regler der Summe hinzugemischt wird. Ein grafischer 5-Band-EQ für die Summe komplettiert den analogen Reigen. Jedes der 5 Bänder kann mit +/-12 dB zuschlagen, die Festfrequenzen liegen bei 100 Hz, 330 Hz, 1 kHz, 3,3 kHz und 10 kHz.

Media-Player

Der digitale interne Media-Player kann mit Files von einem USB-Datenträger oder einer SD-Karte gefüttert werden. Eine kleine Transportsektion stellt Play/Pause und Stopp-Taster sowie Buttons für die Funktionen „Previous Track“ oder „Next Track“ bereit. Von welchem Datenträger die Audiodaten ausgelesen werden, entscheidet man mit dem USB/SD-Knopf. Als weitere mit jenem Taster wählbare digitale Quelle kommt auch das Streaming von externen Geräten über Funk in Frage. Per Bluetooth können sich externe Mobilgeräte mit den beiden Empfängereinheiten verbinden, somit können die Mini-PAs als reine MP3-Boxen verwendet werden.

Der virtuelle Ausgang des Media-Players erfährt dann endlich greifbare Realität durch den Drehregler namentlich MP3 VOL, dessen Lebensaufgabe es ist, über die Lautstärke allen digitalen Ursprungs zu bestimmen, egal ob per Funk oder interner Wiedergabe. Zudem kann über die Tipptasten in der Transportsektion eine Art Vorverstärkung eingestellt werden. Ein digitaler EQ, dessen Presets mit dem EQ-Taster durchgesteppt werden, dient zur subjektiven klanglichen Abstimmung.

Ein Wort zum Benutzerhandbuch

Zunächst einmal möchte ich grundsätzlich die Bereitstellung eines professionell hergestellten Exemplars hier lobend erwähnt wissen. Dennoch fehlen viele durchaus relevante Informationen. Der Hersteller verliert kein Wort über kompatible Datenträger oder Flash-Medien und deren mögliche Formatierung. Welche Mediendateien unterstützt werden, muss ebenfalls ausprobiert werden. Welcher Bluetooth-Standard Verwendung findet und wie das Bluetooth-Device heißt, sollte man auch einem Benutzerhandbuch entnehmen können. Man findet zudem zwei Angaben über die Länge der Akkulaufzeit bei Volllast (3 bzw. 5 Stunden). Da wäre also noch ein wenig Luft nach oben.

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