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04.06.2020

Früher war alles besser, oder?!

Kann Musik überhaupt bewertet werden?

Wahrscheinlich hat dich die doch recht provokative Headline dazu verleitet, auf diesen Artikel zu klicken. Doch bevor du mit deinen Fingern auf die Tasten deiner Tastatur einhämmerst, um uns mitzuteilen, wieso Musik früher besser war, lies erst einmal diesen Artikel.

Eines vorweg: Ich denke nicht, dass Musik früher schlechter war, als sie es heute ist, oder andersherum. In den folgenden Absätzen möchte ich dir zeigen, dass es auch heutzutage noch tolle Musik für jeden Geschmack zu entdecken gibt und dir Gründe nennen, weshalb ich denke, dass es nicht möglich ist, Musik zu bewerten. 

Ein Blick auf sich selbst

Eines möchte ich zu Beginn dieses Artikels klarstellen. Ich bin selbst Musiker und veröffentliche meine Songs über das Internet. Auch ich habe schon konstruktive Kritik wie „Hör auf mit dem Musikmachen“ in den Kommentarspalten meiner Veröffentlichungen entdeckt und auch ich habe mich schon über vermeintlich schlechte Musik aufgeregt. Doch wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, schwang in den meisten Fällen auch eine große Portion Verbitterung mit.

Du möchtest wissen, wie du im Internet bekannter werden kannst?

Seit ich denken kann, mache ich Musik, schreibe Songs, übe Gitarre und singe. Nach Liveauftritten heimste ich viel Lob ein, doch eine große Reichweite oder einen Plattenvertrag konnte ich auch nach dem vierzigsten Video auf YouTube nicht erreichen. Es fühlte sich für mich so an, als würde ich um eine Burg wandern, um einen Weg zu finden, den tiefen Graben, der sich um ebendiese erstreckte, zu überwinden. Doch niemand öffnete das Tor und lies mich hinein.

Musik ist mehr als ein Hobby

Damals kam es vor, dass ich Musik, die mir nicht gefiel oder bei der ich das Gefühl hatte, dass nur halb so viel Herzblut mitspielte, wie ich es aufbrachte, als „Dreck“ betitelte. Aber war diese Musik wirklich Dreck? Kann so eine Aussage über Musik getroffen werden? Mittlerweile denke ich, dass Musik mir persönlich nicht gefallen kann und trotzdem jedes Genre zu jeder Zeit seine Daseinsberechtigung hat. Auch, dass Musik, die ausschließlich im Rechner entsteht, weniger Wert hat, würde ich so nicht unterschreiben.

Du brauchst Mixing-Tipps für das Homestudio?

Am Ende geht es bei jedem Song um eine Vision, um Zeit und Arbeit, um etwas Handgemachtes. Mittlerweile freue ich mich über jeden Künstler, der es geschafft hat, den Zeitgeist zu treffen und mit Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen – auch wenn mir die Songs nicht gefallen. Über Inhalte lässt sich streiten, über Musik nicht – das ist zumindest meine Meinung. In den folgenden Absätzen möchte ich dir anhand aktuell bekannter Musiker zeigen, dass Musik von heute immer noch das Zeug dazu hat, Menschen zu bewegen, und welche Möglichkeiten sich durch die Demokratisierung der Musik ergeben.

Post Malone: Musik ohne Genregrenzen

Letztes Jahr bin ich auf den amerikanischen Musiker Post Malone gestoßen. Zugegeben, sein extravagantes Aussehen lässt zunächst darauf schließen, dass es bei seiner Musik mehr um die Show drumherum geht. Doch meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall. Egal ob urbane, basslastige Klänge oder Singer-Songwriter-Songs – Post Malone scheint keine Genregrenzen zu kennen. 

Meine Empfehlung ist der Song „Stay“, der meiner Meinung nach zeigt, um was für einen hervorragenden Songwriter es sich bei Post Malone handelt. In folgenden Video bekommt ihr einen Einblick in die Studioaufnahmen. Übrigens hat Posty unter anderem zusammen mit Blink-182-Drummer Travis Barker ein Nirvana-Tribute-Konzert gespielt. Reinhören lohnt sich. 

Billie Eilish: Grammy aus dem Kinderzimmer

Ich habe in letzter Zeit viel Negatives über die amerikanische Sängerin Billie Eilish gelesen. Sie sei langweilig, ihre Musik zu einfach und außerdem sei sie nicht mehr als ein depressiver Teenager, der am besten die Fresse halten solle. Böse Zungen behaupten, das läge an ihrem unfassbaren Erfolg, aber der Reihe nach.

Zusammen mit ihrem Bruder Finneas produzierte Billie ihren bisher größten Hit „Bad Guy“ praktisch aus dem Kinderzimmer. Mit Billie, Finneas, Mixing-Engineer Rob Kinelski und Mastering-Engineer John Greenham finden sich nur vier Personen in den Credits ihres Albums „When We Fall Asleep, Where Do We Go“. 

Dieses Jahr gewann Billie ganze fünf Grammy Awards. Das nenne ich mal erfolgreiches Arbeiten im Homeoffice. In folgendem Video bekommt ihr interessante Einblicke in die Produktion des Songs „Bad Guy“. Billies Fall zeigt, dass heutzutage gute Musik auch mit wenig Budget produziert werden kann.

Radiohead: Neue Vertriebswege

Ok, zugegeben, Radiohead ist eine meiner Lieblingsbands. Lustigerweise bin ich auf die Idee zu diesem Artikel gekommen, weil jemand auf einer Party sagte, die Band sei überbewertet. Die Frage, die ich mir nach einer hitzigen Diskussion stellte, war: Wie kann Musik überbewertet sein? Weiter im Text.

Radioheads musikalische Entwicklung ist konträr zu Bands, die sich im Laufe der Jahre am Massenmarkt orientiert haben. Die Alben wurden im Laufe der Jahre immer experimenteller und auch in Bezug auf die Vertriebswege ihrer Longplayer, waren die Musiker sehr kreativ. Da die Band im Jahr 2007 keinen Plattenvertrag unterzeichnet hatte, boten sie das Album „In Rainbows“ zum Download auf der bandeigenen Website an – im Selbstvertrieb. Das Besondere in diesem Fall war, dass Käufer selbst entschieden, wie viel Geld sie dafür bezahlen.

Natürlich ist solch eine Idee eher etwas für bekanntere Bands mit einer großen Fanbase. Mittlerweile ist es jedoch gang und gäbe, dass Musiker ihre Musik selbst vertreiben. Radiohead kann somit als Vorreiter in Bezug auf Veröffentlichungen ohne Plattenvertrag gesehen werden. In folgendem Video könnt ihr eine hervorragende Live-Performance des Songs „All I Need“ sehen.

Foo Fighters: Das Garagenalbum

Eines meiner Lieblingsalben der letzten Jahre ist „Wasting Lights“ von den Foo Fighters. Nicht nur der Fakt, dass mit Dave Grohl einer meiner Lieblingsmusiker ein neues Album aufnahm und dazu keinen geringeren als Garbage-Drummer und Nevermind-Produzent Butch Vig ins Studio holte, ließ mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Auch der Umstand, dass die Musik komplett in Daves Garage per Bandmaschine recorded und gemixt wurde, trieben meine Erwartungen in die Höhe.

Herausgekommen ist meiner Meinung nach eines der am besten klingenden Rockalben der letzten Jahre. Diese Platte zeigt, dass es auch heutzutage noch möglich ist, Platten wie früher zu produzieren – solange genügend Budget vorhanden ist, versteht sich. Mittlerweile kosten Produktionen in digitalen Studios jedoch nur noch einen Bruchteil von dem, was Aufnahmen beispielsweise in den 80ern verschlangen. Somit können auch weniger bekannte Musiker Alben von hoher Qualität auf den Markt bringen. Zu „Wasting Lights“ wurde übrigens eine sehenswerte Dokumentation gedreht. 

Kendrick Lamar: mit Rap zum Pulitzerpreis

Der amerikanische Rapper Kendrick Lamar wuchs in einfachen Verhältnissen in Compton, Kalifornien, auf. Bereits mit neun Jahren entdeckte er seine Liebe für Rap. Doch wer hätte damals gedacht, dass der kleine Junge aus einem Gang-Viertel einmal der erste Rapper sein würde, der den Pulitzerpreis gewinnt?

Obwohl sich Hip-Hop bereits seit Jahrzehnten auf den Abspielgeräten unzähliger Musikbegeisterter findet, wird dieses Genre von vielen Musikern nicht ernstgenommen. So war es auch eine große Sensation, als Rapper Kendrick Lamar 2018 den Pulitzerpreis für sein 2017 veröffentlichtes Album „DAMN“ erhielt.

Preisverwaltungschefin Dane Canedy sagte über das Album, dass es sich dabei um eine virtuose Liedersammlung handle, die seine umgangssprachliche Authentizität und seine rhythmische Dynamik vereine. Es biete eine eindringliche Momentaufnahme, die die Komplexität des modernen afroamerikanischen Lebens einfange. Hervorzuheben sei auch, dass Kendrick der erste Musiker ist, dem dieser Preis verliehen wurde, der nicht aus dem Jazz- oder Klassikbereich kommt. Reinhören lohnt sich. Folgendes Video zeigt den Song „DNA".

Zu guter Letzt …

Für mich gibt jedes Jahrzehnt Musik her, die mir gefällt, mich beeinflusst und bewegt. Ich denke, anstatt das Schlechte zu suchen, sollte ein Blick auf das große Ganze geworfen werden. Musik ist nicht gut, weil sie in den Bestenlisten ganz oben steht oder nur wenigen bekannt ist. Sie ist nicht deshalb gut, weil die Künstler ihr Instrument gut beherrschen oder Themen ansprechen, die sonst niemand behandelt. 

Ob Musik gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters und auch das hat nichts mit gutem oder schlechtem Geschmack zu tun. Aber ich denke, bei einem sind sich viele Menschen einig: Musik ist mit das Schönste, was das Leben zu bieten hat. Welche Tracks haben dich beeinflusst und geprägt und dich zu dem Musiker gemacht, der du jetzt bist? Zeig uns deine Musik in den Kommentaren. In diesem Sinne – Salut und bis zum nächsten Mal.

 

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