Gitarre Hersteller_Framus
Test
1
07.09.2019

Framus Legacy Series FJ 14 M NS CE Test

Jumbo-Westerngitarre

Jumbo mit Tradition

Die Framus Legacy Series FJ 14 M NS CE ist eine von insgesamt 18 Gitarren im Jumbo-Format innerhalb der Legacy-Serie, ausgestattet mit Cutaway und Tonabnehmersystem. Nicht nur die Größe besticht bei diesem Instrument, auch die Optik ist nicht alltäglich: Komplett aus Mahagoni gefertigt liefert sie einen schön gemaserten Kontrast zu den sonst häufig mit hellen Deckenhölzern versehenen Konkurrenzprodukten.

Wie sie sich klanglich im großen Jumbo-Umfeld schlägt, soll der folgende Test zeigen. Interessant auch deshalb, weil die Gitarre mit dem traditionsreichen Markennamen zwar in Deutschland konzipiert wurde, aber in China gefertigt wird. Das ist auch ein Grund für den geldbeutelfreundlichen Preis von nur wenig über 300 Euro, der im Handel für unsere Kandidatin aufgerufen wird.

Framus - ein Name mit Tradition

Die "Fränkische Musikinstrumentenerzeugung", kurz Framus, wurde 1946 ein paar Kilometer nördlich von Erlangen gegründet. Die neue Fabrik, die 1954 eingeweiht wurde, war hochmodern und produktiv und die Instrumente aus Bubenreuth nicht nur in Deutschland sehr gefragt. Elvis Presley, John Lennon (mit einer Framus Hootenanny 12-String von 1965), Keith Richards, David Bowie und viele andere Pop-Koryphäen schätzten nicht nur die Flattops oder Archtops, die damals noch unter der Bezeichnung "Schlaggitarren" firmierten. Bill Wyman zupfte lange einen Framus Star Bass. Der bekannteste deutsche Endorser war in den 70er Jahren der Jazzgitarrist Volker Kriegel (E-Gitarre).
Anfang der Achtzigerjahre wurde die Produktion eingestellt, weil der Konkurrenzdruck aus Japan die Firma in Schwierigkeiten brachte. 1995 gliederte der Warwick-Konzern die Konkursmasse der Firma in seine Markenfamilie ein und stellt seither wieder Framus-Instrumente her, vorzugsweise in Fernost. Auch prominente Musiker greifen wieder gerne zu den Instrumenten der Marke und die Liste der Endorser wächst kontinuierlich.

Details

Korpus Schon ihr Name erinnert an einen Elefanten und die Entstehungsgeschichte der Jumbo könnte auch aus dem Buch "Neues aus dem Kuriositätenkabinett" stammen. Ihr Prototyp stammt nämlich von Gibson und war eine Sonderanfertigung für den "singenden Cowboy aus Hollywood" Ray Whitley, der 1937 nach einer Gitarre suchte, die größer, schöner, lauter und auffälliger sein sollte als alles, was es damals auf dem Markt gab. Die rundliche, bauchige Korpusform der Gibson SJ-200 mit den überdimensionalen (elefantastischen) Abmessungen ist seitdem ein unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal geblieben.

Framus hat bei der FJ 14 M zwar die Proportionen der Gibson SJ-200 korrekt übernommen, allerdings fällt der Korpus in der Breite geringfügig schmaler und in der Länge kürzer aus. Am Unterbug (Oberbug) wurden nur noch 42,5 cm (30,5 cm) gemessen und auch in der Länge (50,4 cm) wurden der FJ 14 M gut zwei, drei Zentimeter geklaut. Trotzdem bleibt unterm Strich ein vergleichsweise "adipöses Ding" übrig, das mit einer Zargentiefe von 12,5 cm (11,0 cm) am Knopf (Halsfuß) einen üppigen Sound generieren sollte. Die Frage, ob sich ein typisches "Zupfinstrument" unbedingt einen Cutaway leisten sollte, möchte ich mal im Raum stehen lassen. Mehr Luftvolumen wäre mir in diesem Falle lieber gewesen.

Gitarren, die mit einer Mahagonidecke bestückt werden, erhalten vorzugsweise auch Böden und Zargen aus dem gleichen Holz. Zwar gehört Mahagoni zur Gruppe der Harthölzer, erfüllt aber sämtliche Bedingungen, die ein anspruchsvoller Luthier an das Deckenholz stellt: Es ist leicht, nicht zu hart, und leicht zu bearbeiten. Jedenfalls besteht die massive Mahagonidecke aus zwei gleich großen Teilstücken, die in der Mitte miteinander verleimt wurden. Die beiden Stücke sind allerdings nicht gerade symmetrisch strukturiert und die Nahtstelle ist sehr deutlich zu sehen.
Schmuckwerk benötigt die FJ 14 M nicht, denn das ausgewählte Holz mit lebhaft-getigerter Maserung zeigt auch alleine Wirkung. Eine schmale, gestreifte (black-ivory-black) Randeinlage rund um die Korpuskante bleibt dezent im Hintergrund. Am Ende fällt lediglich eine schmale, aber auffällige Schalllochverzierung aus Abalone auf, die das runde Schallloch mit Normaldurchmesser (10 cm) umgibt. Bei genauer Betrachtung fallen aber noch zwei unscheinbare konzentrische Ringe (Holzeinlagen) auf der inneren "Umlaufbahn" ins Auge. Ein Schlagschutz befindet sich im Lieferumfang und kann aufgeklebt werden.

Der dunkelbraune, konturierte Unterbauch-Saitenhalter (Bottom Belly) wurde stabil mit der Decke verleimt. Das ausgewählte Holz (ostindisches Palisander) besteht üblicherweise aus dem gleichen Material wie das Griffbrett. Schon in den 30er Jahren kamen mit größer werdenden Bodys auch auffällig robuste Formen mit größeren Verleimflächen auf den Decken der großen Stahlsaitengitarren zum Zuge. Diese ausladenden Saitenhalter können sich kaum lösen und übertragen die Saitenschwingungen großflächig auf die Decke. Auf dem sanft geschwungen Bottom Belly haben sechs Bridge-Pins aus Ebenholz Platz genommen, die mit Punkten aus Perlmutt aufgehübscht wurden. Zusätzliche Bridge-Pins sind im Lieferumfang enthalten. Eine kompensierte einteilige Knochen-Stegeinlage liegt wackelfrei in der Ausfräsung - Stegeinlagen aus echtem Knochenmaterial zeigen auch nach Jahren kaum Gebrauchsspuren. Die B-Saite wurde mit einer Nase befeilt, um die Intonation zu optimieren.
Boden und Zargen bestehen, wie schon erwähnt, aus Mahagoni. Allerdings wurde hier laminiertes Mahagoni verbaut, wobei Boden und Zargen den Klang einer Gitarre nicht so sehr beeinflussen, weil die Resonanzen ohnehin durch die gängige Spielhaltung gedämpft werden.
Einen Zierspan an der Rückseite gibt es nicht. Ein cremefarbenes Binding verbindet rundherum die Boden- und Deckenhälften mit den beiden Zargen und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen. Der gesamte Body wurde perfekt transparent und seidenmatt versiegelt, sodass die attraktiven Maserungen durchschimmern.
Mithilfe der beiden Gurthalterungen kann die große Gitarre auch im Stehen gespielt werden.

Innenraum

Ein prüfender Blick ins Innere der Gitarre bestätigt den guten äußeren Eindruck. Ein Halsblock aus Mahagoni hält die Decke, den Boden und die Zargen zusammen. Die Decke ist mit einem X-Bracing versteift, und um sie noch stärker zu stabilisieren, hat man den Kreuzpunkt in gebührendem Abstand vom Schallloch positioniert. Die Leisten sind außerdem nicht scalloped ausgeführt, was dafür spricht, dass unsere Probandin eher eine Vertreterin der leisen Töne ist. Da die Leisten einen ziemlich robusten Eindruck machen, darf man der Gitarre getrost eine günstige Prognose hinsichtlich ihrer Lebensdauer bescheinigen. Der fragile Bereich rund um das Schallloch ist jedenfalls mit zusätzlichen schmalen Holzstreifen verstärkt.
Zur Vergrößerung der Aufleimstellen ist am Boden- und Deckenrand eine Verstärkung aus keilförmig gesägtem Holz eingesetzt. Vier schmale Querstreben am Boden sorgen dafür, dass sich die Bodenhälften nicht voneinander ablösen. Weitere Stabilisierungsmaßnahmen wurden nicht getroffen und auch ein Bodenmittelstreifen wird nicht benötigt. Man kann im Inneren, soweit das Auge reicht, keine Leimreste entdecken. Eine vorbildliche Arbeit!

Elektronik

Die FJ 14 M kann sich mit einem Tonabnehmersystem von Fishman auch auf der Bühne Gehör verschaffen. Unter der Stegeinlage befindet sich ein Fishman Sonicore, ein piezokeramischer Untersatteltonabnehmer, der seine elektroakustischen Informationen an einen Presys II Preamp sendet. Ob beide Komponenten in einer harmonischen Symbiose koexistieren können, werden wir noch prüfen. Im Online-Katalogwerk der Firma wurde allerdings ein Fishman Isys+ Preamp angekündigt, der sich aber nicht signifikant vom Presys unterscheidet.
Beide Preamps sind aber vergleichsweise spartanisch ausgelegt. Die quadratische Einheit (51 mm x 51 mm) bietet mit einem Display, zwei Tastern und drei Potis die wichtigsten Grundfunktionen. Für die optimale Stimmung sorgt das integrierte Stimmgerät, das mit einem Taster aktiviert wird. Prompt meldet sich ein kleines rundes, bunt flackerndes Display. Leider kann der Kammerton nicht kalibriert werden. Das Gitarrensignal wird aber am Ausgang abgeschaltet, wenn das Stimmgerät in Betrieb genommen wird.
Mit den Bass- und Treble-Potis lässt sich der Sound einstellen, während mit dem Phase-Taster die Phase gedreht wird, sollte es zu Rückkopplungen kommen. Batteriefach und Klinkenbuchse befinden sich in der unteren Zarge. Der Batterieblock (9 Volt) ist hinter einer Klappe versteckt und kann im Handumdrehen ausgewechselt werden. Und mit einer Laufleistung von 111 Stunden sollte die Batterie auch eine ausgedehnte Tour überleben.

Hals und Halsfuß

Auf dem Hals lastet eine hohe Zugspannung. Das ausgewählte Material sollte deshalb verwindungssteif, aber auch leicht genug sein, damit die Gitarre nicht kopflastig reagiert, zumal die Kopfplatte der FJ 14 M doch ziemlich groß und entsprechend schwer ist. Mahagoni erfüllt alle diese Kriterien bedingungslos.
Der dünne Hals (Umfang: 11,5 cm, Dicke: 2,1 cm) wird außerdem mit einem eingelegten Stahlstab versteift. Mit einem Sechskantschlüssel, der im Lieferumfang enthalten ist, kann dann auch die Halskrümmung graduell justiert werden. Die Justierschraube erreicht man bei etwas gelockerten Saiten bequem durch das Schallloch. Das Griffbrett überlappt am 14. Bund die Decke. Der spitze Halsfuß, der sich farblich und strukturell abhebt, ist separat angesetzt und stabil mit dem Korpus verleimt.
Die sechs Saiten laufen über einen sorgfältig gearbeiteten Knochensattel, der mit einer Breite von 45 mm innerhalb der Norm bei Stahlsaitengitarren liegt. Die Saiten bleiben auch bei harten Anschlägen mit dem Plektrum sicher in den Kerben.

Griffbrett

Fingerschweiß und Reibung können dem Griffbrett im Laufe der Zeit arg zusetzen und deshalb sollte es aus sehr dichtem und hartem Material bestehen. Hier fiel die Wahl auf feinporiges ostindisches Palisander, das jedem Hammer-On die Stirn bieten sollte. Auf dem Griffbrett nehmen 21 Medium-Bundstäbchen aus Neusilber Platz. Die halbrunden Kronen sind sauber abgerichtet und poliert und treten an den Seiten nicht aus, sodass auch ausladende Glissandi schmerzlos gelingen sollten. Punkteinlagen auf dem Griffbrett und an der Sichtkante geben dem Spieler die nötige Orientierung beim Lagenwechsel. Das Griffbrett ist von einer cremefarbenen, einfachen Einfassung umgeben, auf der sich die schwarzen Punkte kontrastreich abheben.
Mit einem Kreisausschnitt von 16" ist das Griffbrett vergleichsweise moderat gewölbt, die Wölbung ist jedenfalls nicht so stark ausgeprägt wie bei Griffbrettern einer E-Gitarre.

Kopfplatte

Sichtbare Strukturunterschiede beweisen, dass die geschlossene Kopfplatte am Hals angesetzt wurde, und zwar angewinkelt. Deshalb liegen die Saiten mit mehr Druck in den Sattelkerben und man darf mit einem klaren Ton und einer langen Ausklingzeit rechnen. Auf jeder Seite der Kopfplatte sind jeweils drei geschlossene verchromte Mechaniken (Grover ähnlich) mit griffigen Stimmflügeln verschraubt. 15 Umdrehungen eines Flügels entsprechen einer Umdrehung auf der Winkelachse. Die Oberfläche wurde mit einem hauchdünnen Furnier aus Palisander verblendet. Den Angaben des Herstellers müssen wir erst einmal Glauben schenken, da das Holz rotbraun lackiert wurde. Die große geschlossene Kopfplatte bietet natürlich auch Raum für das Framus-Logo an der Oberseite und die traditionelle Framus-Einlage aus echtem Perlmutt.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare