Bass
Test
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26.10.2015

Fodera Monarch Standard Classic Test

Viersaitiger E-Bass

Hi-class trifft Vintage!

Wer sich für einen noblen Boutique-Bass entscheidet, hat die Qual der Wahl, denn die Anzahl der Bassmanufakturen, die um die Gunst der Tieftöner werben, ist nicht nur hierzulande riesig. Nur bei einigen wenigen Edelbassmarken steigt die Herzfrequenz der meisten Bassisten allerdings derart drastisch an wie bei der New Yorker Bassschmiede Fodera. Das liegt zum einen daran, dass Vinnie Fodera mit seinem Team seit über 30 Jahren wundervolle Instrumente auf allerhöchstem Niveau fertigt. Ein nicht weniger ausschlaggebender Grund für die große Popularität von Fodera ist aber auch die immense Promi-Dichte der Fodera Spieler - in der Werkstatt in Brooklyn gibt sich mittlerweile das "Who is Who" der internationalen Fusion- und Jazzszene die Klinke in die Hand. Bassheroes wie Anthony Jackson, Victor Wooten, James Genus, Tom Kennedy, Matt Garrison oder Richard Bona (um nur einige zu nennen) schwören seit vielen Jahren auf die erlesenen Bässe von Fodera und bereichern mit ihrem immensen Erfahrungsschatz die Entwicklung der Modelle.

Jedem wird klar sein, dass ein derart aufwendig und mit Bedacht gefertigtes Instrument seinen Preis hat - für ein etwas spezielleres Custom-Modell aus der New Yorker Schmiede kann der geneigte Edelbassfan durchaus mit einen fünfstelligen Betrag rechnen! Deutlich erschwinglicher sind die Instrumente aus der Standard Serie, in der Fodera ihre populärsten Modelle in einer leicht vereinfachten Version ohne Custom-Optionen anbieten. Bei der Standard-Serie handelt es sich allerdings keinesfalls um Spar-Foderas: die Instrumente werden nämlich, genau wie die kostspieligen Custom-Kreationen, von der Fodera-Mannschaft in der New Yorker Werkstatt hergestellt.

Für die Freunde von klassischen Finishes schickt Fodera seit diesem Jahr zwei ihrer Standard-Modelle in der Classic-Serie mit schicken Lackierungen in Weiß, Rot, schlichtem Schwarz oder dem Dauerbrenner Vintage Sunburst ins Rennen. Wer einen Fünfsaiter will, muss sich für das Modell Emperor entscheiden und kann zwischen einem Erlekorpus mit Palisandergriffbrett oder einem Eschekorpus mit Ahorngriffbrett wählen. Das Modell Monarch hingegen wird mit den gleichen klassischen Holzkombinationen wie der Emperor ausgeliefert, allerdings nur als Viersaiter.

Ich freue mich auf eine ausgiebige Testfahrt mit einem weißen Erle-Monarchen aus der nagelneuen Fodera Standard Classic Series und bin wirklich gespannt, ob hinter der Vintage-Tapete des schicken New Yorkers denn tatsächlich auch klassische Sounds stecken.

Details

Der Monarch Viersaiter war das erste Modell von Fodera und ist auch heute noch ein Renner im Programm der New Yorker. Die Korpusform des Monarch fällt etwas kompakter aus als beim asymmetrischen und eher Jazz-Bass-mäßigen Emperor oder den Single-Cut-Modellen von Fodera und wirkt auf mich außerordentlich wohl proportioniert, schlicht und elegant. Sanfte Shapings finden wir an der Oberkante. Sie wurden leicht abgerundet, damit der rechte Unterarm bequem aufliegt, und die deutliche Abflachung auf der Rückseite sorgt dafür, dass der Korpus nicht in die Rippen drückt. Wie es sich für einen modernen Bass mit 24 Bünden gehört, wurde das untere Korpushorn beim Monarch so weit ausgeschnitten, dass auch der höchste Ton mühelos zu erreichen ist. 

Für diesen Test haben wir ein Modell mit einem Korpus aus mittelschwerer Erle gewählt, der mit einer wunderschönen Lackierung in gedecktem Weiß und mit einem Tortoise-Pickguard versehen wurde - eine ebenso klassische wie populäre Kombination mit toller Eleganz. Der aufgeschraubte Hals hat ein Jazz-Bass-ähnliches Profil und besteht aus einem soliden Streifen Ahorn. Darauf wurde ein Griffbrett aus Palisander geleimt und mit 24 Bünden bestückt. Der Radius des Griffbrettes nimmt im Verlauf zu, ist also in den tiefen Lagen runder als in den hohen Lagen.

Wer solistisch viel in den höheren Regionen unterwegs ist oder gerne Akkorde spielt, wird den sogenannten "Compound Radius" zu schätzen wissen, denn es spielt sich im oberen Bereich wirklich angenehmer mit einem flacheren Griffbrett! Der schmale Hals mündet schließlich in eine Fodera-typische große Kopfplatte, auf der ein Schmetterling in Form eines wunderschönen Abalone-Inlays Patz genommen hat. Im Unterschied zu den Fodera Custom-Modellen, die mit einer abgewinkelten Kopfplatte ausgestattet sind, verläuft der Headstock bei allen Standard-Modellen (mit Ausnahme des Matthew Garrison Standard) gerade. Das vereinfacht die Fertigung und spart letztlich Kosten, was aber in meinen Augen absolut legitim ist! Damit die Saiten dennoch genügend Druck auf den Messingsattel ausüben und die Schwingung effektiv übertragen, verbaut Fodera einen runden Saitenhalter für die A - und die D-Saite. Ein negativer Nebeneffekt ist also nicht zu erwarten, und schließlich hat sich die gerade Konstruktion über viele Jahre bei Fender-artigen Instrumenten bewährt. Auf der Kopflatte sitzen außer dem erwähnten Saitenniederhalter vier gekapselte Mechaniken mit Fodera-Logo, die den allseits bekannten Gotoh-Tuner zum Verwechseln ähnlich sehen und uns direkt zum Thema Hardware-Austattung meines Testkandidaten führen.

Fodera setzen bei all ihren Bässen auf außerordentlich massige Brücken und verbauen auf den Standard-Modellen ihre sogenannte "Non-Locking Bridge", die vom amerikanischen Traditionshersteller Hipshot gefertigt wird. Die soliden Saitenreiter lassen sich komfortabel für die bevorzugte Saitenlage und die korrekte Intonation justieren. Außerdem kann der werkseitig eingestellte Saitenabstand von 20mm verändert werden, indem man kleine Inbusschrauben auf der Oberseite der Reiter löst.

Für den richtigen Ton sorgen zwei Fodera Dual Coil-Tonabnehmer, die von Seymour Duncan speziell für die Company in Brooklyn angefertigt werden. Die Zusammenarbeit mit den Tonabnehmerspezialisten aus Santa Barbara währt schon sehr lange; die Dual Coils wurden stetig verfeinert und weiterentwickelt, bis sie schließlich den hohen Anforderungen der Fodera-Crew gerecht wurden. Die Elektronik der Standard-Serie stammt von Mike Pope, der schon seit Mitte der Neunziger Jahre die Fodera-Preamps konstruiert und "ganz nebenbei" auch als Weltklasse-Bassist Touren mit Jazzgrößen wie Chick Corea und Mike Stern absolviert - ein erstaunliches Talent, und vielseitig interessiert offensichtlich noch dazu! Der Fodera/Pope Standard Preamp stattet den Monarch mit einem Dreiband-EQ und den entsprechenden Reglern aus, selbstverständlich bietet das Cockpit auch einen Master-Lautstärkeregler und einen Balanceregler für das Mischverhältnis der beiden Tonabnehmer. Auch an eine passive Tonblende wurde bei dem vielseitigen Preamp gedacht, der Laustärkeregler kommt nämlich als Doppelpoti, welches im unteren Ring die Höhen absenkt. Großartigerweise funktioniert die passive Tonblende auch im aktiven Betrieb und kann zusätzlich zum herkömmlichen Höhenregler zur Klangformung eingesetzt werden, was weitere Klangfarben ermöglicht. Mit einem kleinen Schalter kann der Monarch aber auch einfach in den Passivbetrieb geschaltet werden und funktioniert dann ohne Batterien, ein weiterer Switch ermöglicht den Singlecoil-Betrieb, bei dem die äußeren Spulen der beiden Dual-Coil-Tonabnehmer aktiv sind. Zur Stromversorgung benötig der Preamp 18 Volt, die von zwei Batterien im verschraubten Elektronikfach geliefert werden.

Zum Abschluss der Beschreibung möchte ich noch ein Wort zur Qualitätsanmutung meines Testinstruments loswerden, denn bei einem Bass dieser Preisklasse sollte man schließlich in dieser Hinsicht keine Kompromisse eingehen! Und das muss man beim Monarch aus Standard Classic Serie auch nicht: Mein Testbass versprüht aus jeder Pore eine geradezu aberwitzige Qualität! Die erstklassige Verarbeitung kann man aber nicht nur sehen, sondern auch fühlen, denn jede verbaute Komponente macht einen außerordentlich soliden Eindruck. Der Bass vermittelt damit genau den hohen Qualitätsstandard, den man von einem handgefertigten Weltklasse-Instrument erwartet - und vielleicht im besonderen Maße von einem Fodera!

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