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Test
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28.09.2016

Focusrite Scarlett 6i6 2nd Gen Test

USB2-Audiointerface

Fokuszeremonie Teil 2

Focusrite hat die knallrote Scarlett-Serie renoviert und bringt mit der 2nd Generation die günstigen Interfaces auf den neuesten Stand. Unter ihnen auch das Scarlett 6i6, das sich – wie alle Serienkollegen – optisch kaum von seinem Vorgänger unterscheidet. Wichtige Verbesserungen sind aber in den Details zu finden!

Das Repertoire der Serie bleibt unverändert und spannt sich vom überschaubaren Scarlett Solo bis hin zum recht großen Scarlett 18i20 auf. Dazwischen reihen sich das 2i2, das 2i4 und das 4i4 sowie unser 6i6 und das 18i8 ein. Die Benennung lässt vermuten, dass es sich bei den Zahlen um die konkrete Anzahl an Ein- und Ausgänge handelt. Für jede Studiogröße – von Bedroom-Producer bis Produzent im Profi-Studio – wäre also etwas dabei.

Allgemeines

Das Focusrite Scarlett 6i6 ist ein USB2-Audiointerface, welches mit bis zu 24-Bit und sogar 192 kHz auflösen kann. Es verfügt über sechs Ein- und Ausgänge, von denen jeweils zwei auf dem digitalem Wege verkehren (S/PDIF). Zwei der analogen Eingänge verfügen außerdem über umfangreiche Vorverstärker.

Ob man das kompakte Interface an einem Mac mit Yosemite OS oder an Windows-Rechner ab Win 7 nutzt spielt keine Rolle, denn die Scarletts sind cross-kompatibel und setzen auf eine konventionelle USB-Verbindung. Sogar iOS-Geräte werden unterstützt, obwohl Focusrite das eigentlich verneint. Ferner gesellt sich für beide Betriebssysteme ein recht umfangreiches Softwarepaket dazu.

An der Front: zwei linear geregelte Preamps

Vorderseitig begegnen wir den ersten beiden Eingängen von vier analogen Eingängen, welche mit je mit einem Preamp und Combo-Buchse versehen sind. Combo-Buchse heißt, dass hier sowohl Klinke (TRS/TS) als auch XLR-Kabel angeschlossen werden können. Beide Vorverstärker kommen in Begleitung eines Gain-Reglers, der bis zu 50 dB Hub beisteuern kann.

Um die Gain-Potis schmiegt sich außerdem ein LED-Ring, welcher bei einer optimalen Signalaussteuerung grün flackert, aber bei Übersteuerung orange oder sogar rot leuchtet. Neu ist dabei, dass die Gain-Regler – im Gegensatz zu der alten Scarlett Generation ­­– jetzt linear anstatt exponentiell regeln, wodurch sich vor allem im oberen Gain-Bereich viel feinere Einstellungen treffen lassen.  

Unter dem Regler sitzen außerdem zwei Status-LEDs, wobei die INST-LED visualisiert, ob wir den entsprechenden Eingang in der Control Software für ein hochohmiges Instrument (z.B. eine E-Gitarre) eingerichtet haben. Dieser bringt neuerdings ganze acht dB mehr Headroom mit, was selbst für „heißeste“ Eingangssignale – wie beispielsweise aktive Pick-Ups – genügend sollte. Die PAD-LED hingegen informiert über die Aktivität der ebenfalls softwaregesteuerte Vordämpfungs-Schaltung, die das Signal in Falle um 10 dB absenkt. Mit einem hinterleuchteten 48V-Knopf kann man außerdem für beide Eingänge gleichzeitig die obligatorische Phantomspeisung einschalten.

Geteilte Wandler für Monitoring

Außer den Inputs finden wir auf der Front noch zwei Kopfhörerausgänge mit individueller Lautstärkereglung. Kopfhörer 1 erhält dabei das gleiche Signal wie Line-Out 1/2 – teilt sich also dessen Wandler. Kopfhörer 2 wird logischerweise wie der Line-Out 3/4 versorgt. Das große Monitor-Volumen-Poti regelt die Ausgangslautstärke des Line-Out 1/2, wodurch sich hier direkt Monitor-Boxen anschließen lassen. Ein Umschalten zwischen zwei paar Monitor-Paaren ist indes (noch) nicht vorgesehen. Eine MIDI- und eine USB-Status-LED runden die Vorderseite ab.

Gleich der Pad-Funktion und Instrumentenanpassung wurde auch die Steuerung des „Direct Monitorings“ in die Focusrite Control Software verlagert. Am Gerät selbst findet man dazu keine Schalter mehr. Aktiviert ermöglicht das „Direct Monitoring“, das Eingangssignale auch direkt – und damit ohne laufzeitkritische Umwege durch die DAW – an die Line-Ausgänge oder Kopfhörer geroutet bzw. gemischt werden können, sodass keinerlei Latenzen entstehen können, die beim Einspielen durchaus massiv stören könnten.

Rückseite

Die Rückseite des Scarlett 6i6 legt nochmal richtig los: Auf analoger Seite haben wir es hier zunächst mit vier symmetrischen 6,35 mm TRS-Line-Outputs zu tun, was auch 2-Deck bzw. In-The-Box-DJs freuen sollte. 

Rechts finden sich außerdem noch – ebenfalls mit symmetrischen TRS Anschluss gesegnet – zwei Line-Ins, wodurch auch das Einschleifen von Outboard möglich wird. Zusätzlich werden die analogen Ein- und Ausgänge durch einen koaxialen S/PDIF I/O ergänzt. Und so bleiben mir nur noch ein MIDI Ein-und Ausgang sowie der USB 2.0 Anschluss, die Kensington-Lock-Buchse und der Anschluss für das externe Universal-Netzteil (100-240 V) zu nennen. Den MIDI-I/O besitzen die günstigen Scarlett Interfaces 2i2 und Solo übrigens nicht.

Robust und mobil

Äußerlich hat sich bei den Scarletts nicht viel verändert: Die Anschlüsse und Regler auf Vorder- und Rückseite sind in solidem Kunststoff eingefasst, das Gehäuse selbst ist hingegen weiterhin aus dem charakteristischen und rot-eloxierten Metall gefertigt, was den alltäglichen Belastungen mit Leichtigkeit stand halten sollte. Trotzdem wurde die Verarbeitungsqualität im Direktvergleich subjektiv noch etwas verbessert. Eine weitere Neuerung der zweiten Scarlett Generation sind außerdem die internen elektrischen Schutzschaltungen, welche Schäden durch eine falsche Verkabelung ausschließen sollen.  

Mit Maßen von 5 cm x 21,2 cm x 19,5 cm (HxBxT) und einem Gewicht von 1,22 kg bleibt das 6i6 der zweiten Generation weiterhin ziemlich mobil und auch „Rucksackfähig“. Es gibt zwar durchaus kompaktere und schmalere Interfaces, welche aber in den seltensten Fällen eine entsprechende Fülle an Anschlüssen in dieser Preisklasse bieten.

Viel, viel Software

Außer dem optisch passenden, 2 m langen USB-Kabel liegen dem Focusrite Scarlett 6i6 lediglich Sicherheitshinweis-Zettel und das Netzteil mit Adaptern bei. Der „Rest“ ist nur als Download zur Verfügung. Das Manual kann man sich hier, ein Quickstart-Guide hier als PDFs herunterladen.

Die Innenseite der Verpackung beherbergt einen Bundle-Code, der zusammen mit der Seriennummer nach einer obligatorischen Registrierung dennoch ein saftiges Softwarepaket frei gibt. Dazu zählen u.a. eine Light-Version von Ableton Live und Pro Tools First, was zwei durchaus unterschiedliche DAWs sind. 

Aber auch Plug-Ins sind dabei, wie zum Beispiel das Softube Time and Tone Bundle (Drawmer S73 Master Compressor, Saturation Knob, TSAR-1R Reverb sowie Tube Delay) und die Focusrite Red Plug-In Suite – bestehend aus EQ und Kompressor – sowie eine virtuelle Version der Novation Bass Station. Eine Reihe von Loops und One-Shot-Samples gibt es von Loopmasters ebenfalls oben drauf. Wie man sieht, liefert Focusrite mehr als genug Grundlagen, um direkt aus dem Karton loslegen zu können.

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