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17.09.2019

Focusrite Scarlett 18i20 3rd Gen. Test

Multichannel-Audiointerface

Die große Charlotte in der dritten Generation!

Mit der Scarlett-Serie hat der britische Hersteller Focusrite eine Reihe hochwertiger und gleichzeitig erfreulich preiswerter USB Audio-Interfaces für Mac und PC im Angebot. Das Focusrite Scarlett 18i20 ist mit seinen 18 Ein- und 20 Ausgängen die größte Ausbaustufe der populären Produktfamilie, und genauso wie seine kleineren Geschwisterchen ist es seit Juni 2019 in der generalüberholten dritten Generation erhältlich.

Eine wesentliche Neuerung sind die verbesserten internen Vorverstärker, die nun unter anderem auch die Air-Schaltung bieten, welche bereits aus den größeren Clarett- und Red-Serien bekannt ist. Ebenfalls sehr zu begrüßen ist eine umfangreiche Monitor-Controller-Sektion inklusive Talkback und Speaker-Toggling, die auch in größeren Produktionsumgebungen kaum Wünsche offen lässt. Der direkte Vorgänger konnte in unserem zugehörigen Review bereits die Höchstwertung einfahren, und an dieser Stelle wollen wir herausfinden, ob die „große Charlotte“ auch in der dritten Generation noch rockt.

Details

USB 2.0 über USB Typ C

Das Focusrite Scarlett 18i20 arbeitet, so wie die gesamte dritte Generation der Scarlett-Familie, bei Abtastraten von bis zu 24 Bit/192 kHz und nutzt mit seiner verbauten USB-C-Buchse das USB-2.0-Protokoll. Auch im Jahr 2019 und zu Zeiten von schnellem USB 3.1 oder Thunderbolt 3 ist die vergleichsweise kostengünstige Schnittstelle mehr als ausreichend für das gleichzeitige Streaming aller I/Os, und zudem wird dabei die maximale Kompatibilität zu unterschiedlichen Systemen gewährleistet. Im Lieferumfang sind ein USB-C zu USB-A Adapterkabel sowie ein paar Rackohren inklusive Schrauben und der obligatorische Kaltgerätestecker enthalten.

Überblick zu den Ein- und Ausgängen

Auf der analogen Seite bietet das Scarlett 18i20 acht kombinierte Mic/Line-Eingänge, von denen die ersten beiden auf der Frontseite untergebracht sind und zusätzlich als hochohmige Instrumenteneingänge zum Direktanschluss von Gitarren, Bässen oder allgemein von Instrumenten mit magnetischen Tonabnehmern genutzt werden können. Alle Eingänge verfügen über ein Pad zum Absenken des Eingangspegels um 10 dB und zudem über die analoge Air-Schaltung, die an den legendären Focusrite ISA Preamp angelehnt ist. Die Phantomspeisung für Mikrofone lässt sich genau so wie beim Vorgänger in zwei Gruppen von jeweils vier Kanälen aktivieren. Ausgangsseitig finden sich 10 symmetrische Line-Outs und zwei Kopfhörerverstärker. Letztere sind zwar über entsprechende Potis getrennt regelbar, teilen sich aber mit den Line-Outs 7/8 und 9/10 die Wandler und sind folglich nicht separat adressierbar. Genauso wie beim Vorgänger ist das ein Punkt, denn man in Anbetracht des günstigen Preises sicherlich akzeptieren kann.

Bei den digitalen Anschlussmöglichkeiten stehen ein- und ausgangsseitig jeweils zwei Kanäle über koaxiales S/PDIF und weitere acht Kanäle über optisches ADAT bereit. Sehr zu begrüßen ist, dass die ADAT-Schnittstelle im Vergleich zum Vorgänger nun in einer zweifachen Variante verbaut wird und Sample-Multiplexing (S/MUX) unterstützt. Somit ist es nun auch bei einer Sample-Rate von 96 kHz noch möglich, die vollen acht Kanäle zu streamen, wobei man in diesem konkreten Fall auf den S/PDIF-Eingang verzichten muss. Beim Scarlett 18i20 in der zweiten Generation waren oberhalb von 48 kHz nur noch vier Kanäle über den einzelnen ADAT-Port machbar. Eine Word-Clock-Schnittstelle zur Synchronisation mit externen Wandlern und ein klassisches MIDI-Interface mit 5-poligen DIN-Buchsen sind ebenfalls an Bord.

Inklusive umfangreichem Monitor-Controller

Das Scarlett 18i20 der dritten Generation bietet eine erfreulich umfangreiche Monitor-Controller-Sektion. Selbst bei Audio-Interfaces aus höheren Preisklassen beschränken sich die Möglichkeiten in vielen Fällen auf einen Lautstärkeregler und eine Dim- und Mute-Funktion für die angeschlossenen Lautsprecher. Die „große Charlotte“ bietet zusätzlich ein internes Talkback-Mikrofon, das unterhalb der beiden Eingangsbuchsen an der Front sitzt und über einen dedizierten Button am Interface aktiviert wird, wobei gleichzeitig die Lautstärke des Playbacks in den Zielkanälen gedimmt wird. Das Signal aus dem Mikrofon geht standardmäßig an die Kopfhörerausgänge (bzw. Line-Out 7/8 und 9/10), kann aber problemlos über die enthaltene Focusrite Control Software auf alle anderen Ausgänge geroutet werden.

Vor allem in größeren Heim- oder Projektstudios ist zudem die Umschaltfunktion für zwei Monitor-Paare sehr zu begrüßen. Die Line-Outs 3/4 sind dazu vorgesehen, mit einer zusätzlichen Abhöre verbunden zu werden. Wenn man dies tut und die zugehörige Funktion in Focusrite Control aktiviert, dann kann man ganz entspannt über einen Druck auf den Alt-Knopf zwischen den beiden Systemen umschalten. Um eventuelle Knackser zu vermeiden, wurde den ersten vier Ausgängen eine Einschaltverzögerung spendiert, das direkte Umschalten zwischen den Ausgängen läuft aber mit einer nur minimalen Unterbrechung, die vollkommen akzeptabel ist.

Dritte Generation mit kräftigeren Preamps

Die acht internen Vorverstärker des neuen Scarlett 18i20 wurden im Vergleich zum Vorgänger nicht nur um die Air-Schaltung bereichert, sondern auch in ihrer allgemeinen Performance verbessert. In der dritten Scarlett-Generation liegt der Verstärkungsbereich mit bis zu 56 dB immerhin um 6 dB höher als früher. Auch wenn Interfaces aus höheren Preisklassen in dieser Hinsicht noch größere Reserven bieten, kann dieser Schritt nach oben für eindeutige Verbesserungen bei der Klangqualität sorgen – zum Beispiel bei der Aufnahme leiser Quellen mit Gain-hungrigen Mikrofonen. Der maximale Eingangspegel von +9 dBu und das Eigenrauschen (EIN) von -128 dBA haben sich ebenfalls etwas verbessert und liegen für die Preisklasse eindeutig über dem Durchschnitt.

Die gummierten Gain-Potis auf der Frontseite fassen sich sehr gut an, und genauso wie für die allgemeine Verarbeitung des Scarlett 18i20 gibt es nichts auszusetzen. Das LED-Meter mit seinen jeweils fünf Segmenten für die acht analogen Eingänge ist beim Pegeln ausgesprochen hilfreich.

Umfangreiches Software-Paket

Die Focusrite Control Software ist als virtuelle Schaltzentrale des Scarlett 18i20 natürlich der zentralste Bestandteil des mitgelieferten Software-Pakets. Der Air-Modus der Vorverstärker lässt sich beispielsweise ausschließlich über die Software aktivieren, und natürlich bleiben auch die komplexen Angelegenheiten des Routings dem virtuellen Mischer vorbehalten. Allgemein ist die Software übersichtlich gestaltet und mit ein wenig Erfahrung kinderleicht zu bedienen. Ein erwähnenswerter Zusatz ist eine Loopback-Funktion, über die man die Ausgänge des Scarlett 18i20 einem virtuellen Eingang zuweisen kann, um diesen wiederum aufzunehmen. Unter anderem kann dies bei der Aufnahme oder dem Live-Streaming von Screen-Videos sehr hilfreich sein.

Mit der weiteren enthaltenen Software bietet Focusrite ein außergewöhnlich dickes Extra. Man erhält nicht nur zwei kleine Ausbaustufen beliebter DAWs (Ableton Live Lite und Pro Tools First), sondern auch eine ausgesprochen ansehnliche Auswahl kommerzieller Plug-Ins. Dazu gehören die XLN Addictive Keys mit einem Instrument nach Wahl, die Focusrite Red Plug-In Suite mit einem EQ und einem Kompressor und das Softube Time and Tone Bundle, das einen hochwertigen Hall, ein Röhren-Delay und einen Mastering-Prozessor enthält. Dazu kommen etwa 2 GB an Drum-Samples, eine drei Monate lange Mitgliedschaft bei der umfangreichen Online Sample-Library Splice und wiederkehrende Deals und teils kostenlose Plug-Ins über Plug-In Collective. Beeindruckend!

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