Hersteller_Focusrite
Test
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04.03.2016

Praxis

Erste Klasse

Auch aus nächster Nähe: Der Focusrite Red 1 500 Vorverstärker ist ein API-Modul, welches schlichtweg hervorragend designt und verarbeitet wurde. Optik und Haptik stechen zwischen den ganzen anderen Modulen auf dem Markt – und das sind viele! – deutlich hervor. Für unter tausend Euro gibt es die erste Klasse. 

Typisch Focusrite

Es sieht vergleichbar aus bei dem, was die rote Eins klanglich leistet. Mit Leichtigkeit werden Signale auf Line-Level bugsiert, ohne dass Transienten und Detailliertheit darunter leiden würden. Das ist durchaus erwähnenswert, wenn zwei Übertrager im Einsatz sind. Sonderlich viel Grobkörnigkeit und Griffigkeit, wie es etwa bei einem 1073 oder vergleichbaren Preamp der Fall wäre, fügt der Red dem Mikrofonsignal nicht hinzu. Außerdem klingt der Focusrite lang nicht so mittig-prägnant wie der Neve-Clone, den ihr in den Audiobeispielen hören könnt. Man erhält das, was einen Focusrite-Preamp ausmacht: Signale, die niemals boomy, sondern klar und deutlich sind, sich aber dennoch gut per EQ bearbeiten und im Mix unterbringen lassen. Sie sind, und ich kann diesen Begriff eigentlich wirklich nicht leiden, „musikalisch“.

Mit Signalen von Kondensatormikrofonen verträgt sich der ff-Preamp sehr gut, trotz hoher Transparenz und Linearität hat man das Gefühl, dass ihnen ein wenig die Schärfe genommen wird. Bei geringem Input, von Tauchspulen- oder Bändchenmikrofonen mit Übertragungsfaktor von 2 mV/Pa oder weniger, kann man, wenn man böswillig sein möchte, dem Signal eine gewisse Leblosigkeit unterstellen, hier performt der darauf spezialisierte True P-Solo Ribbon ein wenig besser.

Typisch für Focusrites ISA-Design ist, dass der Amp eigentlich bei allen Verstärkungen gleich klingt. Auch sehr hohes und höchstes Gain erzeugt ein störungsfreies Signal, ich habe bei sehr hohen Verstärkungen schwacher Mikrofone mit Focusrite-Preamps allerdings immer den leichten Eindruck, dass sie dann etwas prägnanter sind – aber nie im negativen Sinne.

Im umkämpften Marktsegment

Der Focusrite gefällt, wirklich beanstanden kann man an Sound und Verarbeitung eigentlich nichts. Bedenkt man aber, dass er preislich in einem Bereich rangiert, in dem er sehr viel Konkurrenz ausgesetzt ist… Und unter uns: Einen zweikanaligen Preamp mit typischen Focusrite-Eigenschaften, aber deutlich umfangreicher ausgestattet und vor allem zweikanalig, gibt es für nur minimal weniger Geld in Form des ISA Two. Es muss portabel sein? Da gibt es auch den ISA One. Aber das letzte Quäntchen kostet ja bekanntlich immer besonders viel.

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