Test
2
10.09.2019

Praxis

First World Problems

Hätte ich am Telefon nur besser zugehört. Hab ich aber nicht, und so erwischt mich der Speditionsfahrer sichtlich überrascht und verdutzt mit einer Europalette mit 115 kg an einem Montagmorgen in Boxershorts. Lieferung bis Bordsteinkante – und so heißt es erstmal schleppen, schleppen, schleppen. Kein Vergnügen allein und ohne Fahrstuhl, denn handlich ist die Verpackung der Franzosen wahrlich nicht. Ausgepellt werden die Focal Trio11 BE bei mir im 2-Meter-Stereodreieck im Studio aufgebaut, Filter alle auf „neutral“ und los …


Klang


Groß, weich und gefällig kommen mir sofort als Attribute in den Sinn, als ich die Speaker zum ersten Mal höre. Der Bass ist wirklich wuchtig und geht ordentlich tief, fast ein wenig subwoofermäßig. Die Höhen klingen ebenfalls sehr seidig und niemals harsch. „Saftig“, es klingt komisch, aber die Speaker klingen saftig. Es macht also Spass mit ihnen zu hören, keine Frage. Die Stereoauflösung und -breite ist auf einem hohen Niveau und der Klang löst sich schön vom Speaker, macht sich breit. Ist der Raum ordentlich behandelt, hat man einen großen Sweetspot. 

Allerdings finde ich die Trio11 BE auch etwas schönmalerisch, Transienten kommen für meinen Geschmack nicht schnell genug und auch holzige Bassimpulse werde leicht abgefangen. „Dr. Dre Snares“ smacken beispielsweise nicht doll genug und auch zu harsche, digitale Produktionen klingen mir etwas zu gut, auch weil die Mitten leicht zurückgefahren sind.

Ich drehe testhalber den Bass mit den eingebauten Filtern zurück und die Höhen minimal auf, um die Speaker etwas „stressiger“ zu gestalten – und siehe da, die Mitten kommen nun deutlicher nach vorn. Man muss also auch hier mit zu kräftigem Bass aufpassen, sonst werden die Mitten zu sehr kaschiert und überdröhnt. Was den Pegel anbelangt, muss man sich keine Sorgen machen. Die Box spielt wirklich laut und der Bass komprimiert auch nicht. Die Schutzschaltungen konnte ich nicht zum Auslösen bringen. Die Focusfunktion, die den Woofer umgeht, ist für mich ein nettes Gimmick, ob ich das im Alltag nutzen würde, mag ich zu bezweifeln.

Focal Trio6

Mein Test der Trio6 liegt schon eine ganze Weile zurück und ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr richtig an den Klang der Box erinnern – zu viele verschiede Modelle rutschen über meinen Prüfstand. Ich empfand sie laut meiner eigene Aussage aber als nüchterner und analytischer. Das muss aber gar kein Widerspruch sein, denn wie ich weiter oben feststellte, ist das Plus an Bass hier durchaus für die Zurückhaltung der anderen Frequenzbereiche verantwortlich. Es scheint auch so, dass bei beiden der Rest in etwa identisch ist, bis auf das größere Gehäuse für den Woofer und sein stärkerer Amp. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare