Hersteller_Fender
Test
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21.04.2010

Praxis

Die Gitarre kommt ab Werk mit einem Gigbag und dem nötigen Zubehör, Inbus-Schlüssel, Tremolohebel und Kabel. Sogar ein Poliertuch ist mit an Bord. Zum Praxistest habe ich das Instrument erst einmal an den clean eingestellten Amp (Fender Twin) angeschlossen und die Klangregelung neutral (alles mittig auf 5) eingestellt. So bekommen wir vorab einen Höreindruck über den Grundsound und Klangcharakter der Gitarre. Ihr hört alle Pickup-Kombinationen im Vergleich. Zuerst der Hals-Tonabnehmer.

Dieser Pickup hat einen recht gut ausgeprägten Bass-Bereich und in der Kombination mit dem mittleren Tonabnehmer bekommen wir einen perligen Zwischenpositions-Ton mit dem entsprechenden Bassfundament des Hals-Pickups.

Der mittlere Tonabnehmer klingt schon wesentlich heller, der Sound ist aber frequenzmäßig noch sehr ausgewogen.

Die Kombination von Mitte und Steg gibt den typischen crispen Sound wieder, den man von Knopfler, Clapton & Co kennt.

Am Steg wird der Klang dann entsprechend brillanter, der Bassbereich nimmt ab und es kommt eine ordentliche Portion Höhen dazu, die aber das berühmte Klingeln in den Ohren noch nicht erzeugt. Das ist auch gut so.

Die Gitarre hat mit den fünf Kombinationen, vom warmen Halspickup bis zum leicht bissigen Steg-Tonabnehmer, ein gutes Spektrum an Sounds parat. Die Kombination von Hals & Mitte kann z.B. hervorragend für West Coast Funk eingesetzt werden, wofür ich am Amp die Mitten und Bässe etwas zurückgedreht habe. Die Gitarre klingt schlank und höhenbetont, hat aber immer noch eine gewisse Wärme.

Mit dem warmen Sound des Hals-Pickups lassen sich natürlich gute Jazz-Begleitungs-Sounds erzeugen, aber er kann auch anders. Die Strat ist jetzt an einen leicht angezerrten Marshall Plexi angeschlossen. Hier gibt es einen etwas präsenteren Ton mit dem Hals-Pickup. Vor allem die gute Übertragung der einzelnen Klangnuancen fällt hier positiv auf. Wenn man am Hals anschlägt, erhält man einen weichen Ton, am Steg wird es brillanter.

Jetzt noch etwas mehr Gain und mit der Kombination von Mitte- und Steg-Pickup erhalten wir einen sehr guten Crunchy Country Rock Sound. Hierbei fällt die sehr schnelle Ansprache des Instruments auf. Der Ton ist wirklich direkt da und die Pickups übertragen selbstverständlich auch jeden Lautstärkeunterschied im Anschlag. Hier wird nichts platt gemacht, die typischen spielerischen Feinheiten und der persönliche Ausdruck des Gitarristen wird 1:1 an den Amp weitergeleitet.

Mit dem Steg-Pickup lassen sich bei höherem Verzerrungsgrad sehr präsente Riffs auf den tiefen Saite erzeugen. Der Ton spricht sofort an, die Saiten knallen und die Bässe kommen sehr knackig brillant. Der Klang hat dadurch selbstverständlich ein gutes Durchsetzungsvermögen in der Band.

Wie bereits am Anfang erwähnt, gibt es einige minimale Veränderungen im Vergleich zu den „Original“-Strats. Hals- und Steg-Pickup (anstatt Mitte-Pickup) können getrennt mit je einem Ton-Poti im Klang geregelt werden. Das ist eine gelungene Veränderung, denn jetzt kann man, besonders mit heruntergeregeltem Klangpoti mit dem Steg-Pickup einen muffigen Zerrsound erzeugen. Ihr hört als nächstes ein kleines Lick, zuerst mit dem Hals-Pickup (Tone 1 dann Tone 10) und dann das Ganze mit dem Steg-Tonabnehmer. Der Regler arbeitet ab 2 kHz und senkt die darüber liegenden Frequenzen nicht extrem ab, sondern lässt noch Höhen durch. Hier ist das Ergebnis.

Jetzt wird die maximale Zerrstufe erzeugt, der Gain-Regler am Amp ist am Anschlag und auch hier bemerkt man die hohe Ausgangsleistung im Vergleich zu anderen Single-Coil-Tonabnehmern. Einer mit aktiven EMG-Pickups bestückten Strat steht die American Special beim Pegel in nichts nach. Sie klingt etwas aggressiver als die „normalen“ Strats, aber für Metal oder Hi-Gain Leadsounds erweisen sich die Pickups doch als etwas zu schwach. Allerdings ist das nicht unbedingt ein Problem, denn man muss ja nicht alles können. Das, was man von einer Strat erwartet, erfüllt sie bestens. Außerdem überzeugt das Instrument mit einem guten Sustain, wie man beim ausklingenden Akkord hören kann.

Vom Tremolo sollte man nicht allzu viel erwarten, denn es ist nicht sehr verstimmungsfrei. Am meisten fällt die G-Saite aus dem Rahmen, die klemmt im Sattel und der Ton wird nach einem Down-Vibrato extrem hoch. Aber auch die anderen Saiten bleiben nicht hundertprozentig in Stimmung. Für leichte Vibratoeffekte ist das System noch in Ordnung, für Akrobatik à la Jeff Beck sollte man einen Fachmann aufsuchen, der das Ganze mal richtig einstellt. Auch die Federn sind nicht unbedingt von bester Qualität.

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