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Test
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03.02.2015

Epiphone 1984 Explorer EX Test

E-Gitarre

Schräge Säge

Immerhin 56 Jahre liegen zwischen unserer Epiphone 1984 Explorer EX und der originalen Gibson Explorer, einer E-Gitarre, die bereits 1958 das Licht der Welt erblickte. Damals war Epiphone seit einem Jahr kein selbständiges Unternehmen mehr, sondern gehörte zu CMI, dem Konzern, in dem auch Gibson zu Hause war. Dabei konnte das Unternehmen eine bis 1873 zurückreichende Firmengeschichte vorweisen, die ihre Anfänge in der Türkei hatte.

Der aus Griechenland stammende Instrumentenbauer Anastasios Stathopoulo baute dort in seinem kleinen Betrieb zuerst Violinen und griechische Lauten. Den Name Epiphone leitete er von seinem Sohn Epaminondas ab, der 1893 geboren wurde. 1903 wanderte die Familie schließlich in die USA aus und stellte in New York zunächst die zu dieser Zeit angesagten Mandolinen her, erst Ende der zwanziger Jahre begann man mit der Produktion von Gitarren. 1941 entwarf Les Paul in der Epiphone Factory mithilfe einer durchgesägten Epiphone Halbakustik den ersten Prototypen seiner Vision einer Solidbody-Gitarre. Das Ergebnis taufte er zunächst "The Log", später wurde daraus die Les Paul. Neben Les Paul, der in den 40ern hauptsächlich Epiphone Gitarren spielte, gehörten John Lennon, Georg Harrison und Paul McCartney zu den bekanntesten Usern. Harrison und Lennon spielten die Epiphone Casino bei den letzten offiziellen Konzerten der Beatles im Jahr 1966 und auf dem Album Revolver. 1957 wurde Epiphone für 20000 Dollar an den Konzern Chicago Musical Instruments verkauft, zu der auch die Firma Gibson gehörte.

Auch unsere Testkandidatin, die Epiphone 1984 Explorer EX, füllt eine der Rollen aus, die der Konzern der traditionsreichen Tochter zugedacht hat. Nämlich die klassischen Instrumente statt mit dem Gibson-Logo unter dem Namen Epiphone anzubieten, in guter Qualität und deutlich preisgünstiger als die Originale.

Details

Gibson brachte die Explorer gemeinsam mit der Flying V erstmals1958 auf den Markt. Die Menschheit entdeckte den Weltraum und zusammen mit der aufkommenden Science-Fiction-Welle wurden auch die Gitarren immer spaciger. Zielgruppe der Explorer waren übrigens Jazzgitarristen, die damals als besonders ausgeflippt und extravagant galten. Der Schuss ging aber gewaltig daneben, und nachdem der Kelch an der Jazzelite Ende der 50er vorbeigegangen war, gab es für die Explorer so gut wie keinen Absatzmarkt. Bis in die 70er Jahre verkaufte man nur minimale Stückzahlen, und erst im Zuge der Hardrock-Ära wurde die Gitarre populär und inspirierte zahllose Hersteller von Heavy-Äxten zu ähnlichen Formen. Die eishockeyschlägerförmige Kopfplatte ist ebenso wie ihre hervorragende Bespielbarkeit bis in die höchsten Lagen legendär.

Der Korpus

Der Body der Explorer erinnert an die parallelogrammartige Form der Firebird, wobei die Ecken hier wesentlich spitzer ausfallen. Ebenso wie beim Original von Gibson besteht der Korpus aus Mahagoni. Die Zargen sind relativ ausladend und spitz, sodass man sowohl einen speziellen Koffer als auch einen speziellen Gitarrenständer benötigt, wenn man mit dem Teil unterwegs ist und die Gitarre auf der Bühne griffbereit haben möchte. Im Gegensatz zur Flying V lässt sich die Gitarre übrigens auch im Sitzen hervorragend bespielen. Aber fast noch besser im Stehen, weil so alle Positionen des Halses noch bequemer erreichbar sind. Ich habe selten eine Gitarre gespielt, bei der sich die höchsten Lagen so komfortabel greifen lassen wie bei dieser abgefahrenen Konstruktion. Allerdings muss man ständig auf die obere rechte Zargen achten, um nicht ständig irgendwo hängenzubleiben und sich dabei fette Dellen einzufangen.

Die Gitarre ist deckend schwarz lackiert, passend dazu ist auch die gesamte Hardware inklusive der beiden aktiven EMG-Humbucker, dem Toggle-Switch und den Potiknöpfen in Schwarz gehalten - die Farbe heißt hier übrigens Ebony. Am Steg befindet sich eine LockTone Tune-O-Matic Bridge mit Stoptailpiece - alte Bekannte, die man auch von der Les Paul her kennt. Rückseitig erhält man Zugriff auf das Batteriefach und das ebenfalls mit einer schwarzen Kunststoffabdeckung verschlossene Elektrofach.

Der Hals

Im Gegensatz zum Korpus setzt sich der Hals aus zwei Materialien zusammen: Die Basis bildet hier ebenso wie beim Korpus Mahagoni. Die Halsform entspricht übrigens einem typisch D, nicht klobig, sondern dezent abgeflacht. Das aufgeleimte Griffbrett besteht aus Palisander und beherbergt 22 perfekt abgerichtete und polierte Medium-Bünde. Die Verarbeitungsqualität der Bünde ist im Großen und Ganzen ok, kann aber mit dem Gibson-Standard nicht mithalten. Aber ich will nicht meckern, denn für den Preis dieser Gitarre kaufen sich manche Gitarristen, so wie ich, schon mal ein Pärchen Tonabnehmer. Bei den Tunern handelt es sich um gekapselte Grover-Mechaniken, die ihren Job zuverlässig und präzise erledigen. An der Kopfplatte befindet sich auch der Zugang zum Halsstab.

Die Elektronik

Die Epiphone Explorer 1984 ist mit einer aktiven Elektronik ausgestattet, die von einem 9-Volt-Block mit Energie versorgt wird. EMG-Pickups liegen bekanntlich besonders bei Metallfacharbeitern weltweit hoch im Kurs und so kommen auch hier zwei Vertreter der EMG-Familie zum Einsatz, die auch von Zakk Wylde, Kirk Hammett und Steve Lukather gespielt werden. In der Stegposition arbeitet der EMG 81, während der EMG 85 am Hals die Stellung hält. Geregelt werden die beiden Kraftpakete von je einem Master-Volume- und einem Master-Tone-Poti, die Schaltvorgänge übernimmt ein klassischer Toggleswitch. Hier hat man es also im Grunde genommen mit einer abgespeckten Les-Paul-Schaltung zu tun.

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