Hersteller_Engl Gitarre
Test
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30.08.2013

Praxis

Mann, ist das Ding laut! Der kleine Amp hat es faustdick hinter den Röhren, obwohl er „nur“ mit 20 Watt aufwarten kann. Von wegen Schuhkarton! Aber woher kommt diese Leistung? Die Erklärung ist relativ einfach. Damit die Endstufe ihre Energie nicht mit dem Erzeugen von Bässen verschwendet, hat man beim Ironball den Bereich unterhalb von 90 Hz entschärft. Das sind nicht nur die Frequenzen, die man als Gitarrist ohnehin nicht wirklich braucht, sondern es ist auch genau der Bereich, den jeder Tontechniker live und im Studio bei den Gitarrenspuren ausfiltert, um den Platz für den Bass und die Bassdrum freizuhalten. Diese Maßnahme verleiht dem Amp nicht nur einen angenehm straffen Sound, sondern auch Klarheit und Kraft. Viele Verzerrer machen übrigens das Gleiche und beschneiden den Bassbereich, jedoch weitaus massiver, als es hier der Fall ist. Damit wir uns richtig verstehen, der Amp klingt durchaus fett und ohne Analyzer-Einsatz wären mir diese Anpassungen überhaupt nicht aufgefallen. So braucht sich die Endstufe nicht mit Subbässen abzukämpfen und kann diese Ressourcen auf die restlichen Frequenzen verteilen.

Kommen wir zu den cleanen Sounds des Ironball. Dieser Kanal bietet weitaus mehr als „nur“ einen unverzerrten und klaren Ton. Hier kann man von wirklich clean bis zu einer AC/DC-Zerre eine Vielzahl von Sounds einstellen, die allesamt einen marshalligen Charakter aufweisen. Es klingt also nie chemisch gereinigt, sondern immer fett und röhrig.

Eines vorweg zu den Soundbeispielen: Alle Audios sind zweifach vorhanden, einmal mit dem Mikro (SM 58) vor der Box und einmal über den frequenzkorrigierten DI-Output aufgenommen. Die eingebaute Speakersimulation des Ironball liefert einen wirklich tollen Sound, der mir teilweise sogar besser gefällt als die mikrofonierte Box. Aber hört selbst.

Dreht man den Gainregler des cleanen Kanals auf Halbgas, kommt man in leicht angezerrte Klangregionen, die man dank des Masterreglers auch bei relativ geringen Lautstarken genießen kann. So lassen sich knarzige Gitarrenriffs im Stil von Keith Richards sehr gut realisieren. Das Klangergebnis ist auch hier eher herb marshallig und weniger süß klingelnd, wie man es vom guten alten Vox AC 30 gewohnt ist.

Wenn man den Gainregler voll aufreißt, geht es auch jetzt schon beherzt zur Sache. Das hätte ich von einem cleanen Kanal erst einmal nicht erwartet. Der eine oder andere Purist wird sich schon in dieser Phase sehr wohlfühlen, denn Dynamik und Griffigkeit sind wegen des gemäßigten Verzerrungsgrades sehr hoch. Hier ist den Jungs von Engl ein wirklich gut klingender und vielseitiger Cleankanal gelungen, der Unmengen von Soundnuancen bereithält.

Besonders im Medium- und High-Gain-Bereich macht sich die Direktheit des Engl Ironball angenehm bemerkbar. Nichts mulmt oder komprimiert, selbst mit maximalem Gain klingt es nie fuzzig oder plastikmäßig überbraten. Man hört die verwendete Gitarre immer gut durch, eine Eigenschaft, die bei High Gain Einstellungen nicht immer gegeben ist. Der Lead-Channel macht da weiter, wo der cleane Kanal aufhört. Naturgemäß wird der Sound undynamischer, je mehr Gain man hereindreht, was sich hier jedoch in Grenzen hält.

Selbst mit maximaler Gainsättigung klingt nichts mulmig. Der Amp beginnt auch nicht zu spucken, sondern bleibt klar und transparent. Mit gefällt besonders, dass man trotz der massiven Verzerrung keinen Gleichmachersound erhält und die Saitentrennung erhalten bleibt.

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