Test
2
31.07.2017

Praxis

Tiefen unaufgeregt

Durch seine Bauform lässt sich das Ear Trumpet Labs Mabel besonders gut ausrichten, in kleinen, beengten Setups ist das wirklich wertvoll. Bei extremen Neigungen des Kopfes arbeitet das Kabel zwischen Head und Body leider dagegen, aber es gibt genügend Achsen, um es auszurichten und zu fixieren. Schon der erste Check zeigt, dass man es beim Mabel nicht mit einem Bassmonster zu tun hat, die Tiefen zeigen sich aufgeräumt und unaufgeregt, mit ein wenig negativer Grundeinstellung würde man sagen: dünn. Allerdings hat das auch den entscheidenden Vorteil, dass selbst bei naher Besprechung keine übertriebene Verbassung stattfindet. Dafür gibt es im Nahbereich eine andere kleinere Einschränkung, auf die man achten muss, denn das Design zeigt sich nicht ganz unanfällig für Popps durch B- und P-Laute. Ein vernünftiger Poppfilter davor und man ist gefeit vor derartigen Problemen.  

Weich, aber trotzdem detailliert

Die Mitten und Höhen passen insofern sehr gut ins Gesamtbild, als dass sie eher weich statt eckig abgestimmt sind, wodurch sie vielen Stimmen schmeicheln. Für ein Großmembran-Kondensatormikrofon werden scharfe Konsonanten angenehm zart ausgegeben. Zwar kann das bei der Abnahme besonders von cleanen Gitarrenamps oder der Resonanzfellseite der Snare genau in die falsche Richtung gehen, aber eben auch in die richtige – man muss eben wissen, wofür man welches Mikrofon einsetzen will. Sehr positiv ist, dass das Ear Trumpet Labs Mabel die Weichheit nicht auf Kosten der Auflösung erkauft, denn das Klangbild ist dennoch sehr fein gezeichnet und detailliert. Grobdynamisch darf man zufrieden sein, wenngleich ein Pad durchaus wünschenswert für die Interessenten wäre, die ein Mikrofon suchen, das man gedankenlos dem lauten Trommler unter die Snare oder an die Hi-Hat hängen oder mit dem man im Nahbereich den voll aufgerissenen Fender Twin mikrofonieren kann. Unter meiner Snare hat das Mabel leider gekratzt. Ich bin aber auch ein notorischer „Hard Hitter“.

Niere besser als die anderen Patterns

Das etwas grob und „hausbacken“ wirkende ETL-Mikrofon hat seine Stärke im Nierenmodus – eine Eigenschaft, die es mit wohl 90 Prozent aller umschaltbaren Mikrofone teilt. Die Acht zeigt typische Eigenschaften kombinierter Achten, die Frequenzkapriolen der bei 90 und 270 Grad eintreffenden Signale sind zwar recht hoch, aber im Pegel gering genug, um dort auszublendende Signale unterbringen zu können. Im Achtermodus ist das Mabel ein wenig kerniger und direkter, was eine gelungene Soundalternative darstellt. Die Kugel wiederum leidet unter starker Klangfärbung seitlicher Signale, was bei hohem Raumanteil zu einem etwas hohlen Sound führen kann. Der genau rückseitige Schall klingt aber durchaus angenehm, wodurch das Mikro bei simultan gesungenen Duetten oder bei Backings eine gute Figur macht.  

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare