Test
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30.10.2015

Praxis

Die Verarbeitung des Sets fällt insgesamt ansprechend aus

Bevor ich die Mikrofone aufbaue, schaue ich mir das kleine Set nochmal genauer im Hinblick auf Verarbeitungsqualität und Funktionalität an. Die Verchromung aller Metallteile hinterlässt einen sehr guten Eindruck, ebenso die ebenmäßigen Kesselgratungen, an denen ich keinerlei Macken entdecken kann. Vorbildlich in dieser Preisklasse ist auch die saubere Verklebung der Folie, wobei die Nahtstelle stets unter den Böckchen verborgen ist. Abgesehen von den oben erwähnten Mängeln an der Snaredrum gibt es an der Trommel sonst nichts zu beanstanden. Die Abhebung läuft gut, und die Einstellschraube bietet ausreichend Widerstand, um einem selbsttätigen Lösen der Teppichspannung entgegen zu wirken. Lob verdient auch der Klemmechanismus der Tom-Halteböckchen, der die Trommeln ohne großen Kraftaufwand beim Festziehen der Flügelmuttern sicher in Position hält. Und nun ab in den Aufnahmeraum...

Das New Yorker Kit im hohen Tuning...

Los geht‘s mit einer hohen Stimmung, in der sich ein so klein dimensioniertes Kit eigentlich am wohlsten fühlen sollte. Die Bass Drum ist hierbei ungedämpft und wird mit einem Mikro direkt vor dem geschlossenen Resonanzfell abgenommen. Auch die Toms sind ungedämpft, lediglich auf der Snare platziere ich ein Stück Moongel. 

 

Zunächst fällt auf, dass die Bass Drum trotz fehlender Dämpfung nicht so offen klingt wie man erwarten würde, was aber aufgrund der vorgedämpften Felle nicht verwunderlich ist. Durch die Mikrofonierung vor dem Resonanzfell ist der Punch nicht sehr stark ausgeprägt. Zum Erzielen eines offenen, jazzigen Sounds sollte man hier entweder ungedämpfte Felle verwenden oder, falls man sich die Mehrkosten sparen will, die Dämpfungsringe aus den vorhandenen Fellen vorsichtig herausschneiden. Das 13 Zoll Floortom entwickelt im hohen Tuning einen vollen, weichen Sound mit genügend Sustain, während das Racktom im Ausklang deutlich kürzer ist. Der Grund dafür dürfte die Art der Aufhängung sein, die sich vor allem bei kleinen Toms häufig als „Resonanzkiller“ erweist. Trotz des unsauber gefrästen Snarebeds und der verzogenen Spiralen bietet die Snare eine saubere Ansprache auch bei leise gespielten Noten. Der Sound ist kurz, prägnant und dank des Pappelholzkessels nicht zu scharf. 

… und in tiefer Stimmung

Nun schraube ich die Toms in der Stimmung so weit herunter wie es geht und verpasse dem Schlagfell des Floor Toms mittels Gaffa Tape eine leichte Dämpfung. Snare und Bass Drum werden ebenfalls deutlich tiefer gestimmt, und in das Bassdrum Frontfell schneide ich ein kleines Loch, so dass gerade ein Mikrofon zur Innenabnahme hinein passt. Zudem platziere ich das mitgelieferte Dämpfungskissen im Inneren der Trommel so, dass es leicht das Schlagfell berührt. 

Ich staune nicht schlecht, wie „erwachsen“ die kleinen Toms in tiefer Stimmung klingen. Der Sound ist fett und rockig und überzeugt mich stärker als in der hohen Stimmung. Allerdings hört man, dass die dünnen Felle trotz meiner Bemühungen um ein gleichmäßiges Tuning in diesem Stimmbereich schon leicht „flattern“. Mit etwas kräftigeren Vertretern wie beispielsweise weiß-aufgerauten, einlagigen Markenfellen ist hier auf jeden Fall noch Luft nach oben, denn die Trommeln haben das nötige Potential. Auch die Bass Drum hat im tiefen Tuning einen guten Punch und erzeugt deutlich mehr Druck als man einem Modell in dieser Größe normalerweise zutraut. Bei der Snare zeigen sich, trotz eines durchaus fetten Sounds, in dieser Stimmlage die Folgen der Verarbeitungsfehler. Die Teppichansprache büßt an Klarheit ein, und insgesamt klingt die Trommel etwas unsauber.

Sehr hoch gestimmt und ohne Dämpfung zeigt die Snare ihre wahren Qualitäten

Zum Schluss gibt es die Snare noch einmal in sehr strammer Stimmung und ohne Dämpfung zu hören. Hier macht der Sound richtig Spaß. Lebendig, musikalisch, sensibel und druckvoll fällt mir an Attributen dazu ein, und damit kann sie locker sogar mit wesentlich teureren Modellen mithalten. 

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