Test
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17.09.2019

Praxis

Auf dem Snare-Stativ fällt die Dry Maple Snare Drum mit problemlosem Handling auf, was nicht zuletzt an der hervorragenden MAG Abhebung liegt. Sie lässt sich präzise justieren, läuft leichtgängig und verstellt sich beim Spielen nicht. Auch die „nur“ sechs Stimmschrauben pro Seite sind in der Praxis durchaus eine Erleichterung, muss man doch einfach weniger schrauben. Apropos Schrauben: Die Feingewindeschrauben erfordern naturgemäß ein längeres Kurbeln, hier sind sie zudem extrem lang. Das hilft bei der Stimmstabilität, erfordert beim Fellwechsel jedoch etwas Geduld. Beim Maß der Trommel ist zu beachten, dass der schmale Durchmesser in Kombination mit der beträchtlichen Tiefe bei normalen Snare-Ständern dazu führen kann, dass der untere Spannreifen nicht auf der Gummierung, sondern auf dem blanken Metall aufliegt. Auch, wenn ihr eure Snare Drum gerne sehr tief positioniert, könnte es nötig sein, einen entsprechenden, für 12er Snares ausgelegten Snare-Ständer zu verwenden. 

Kommen wir nun zum Sound. Als „The first-ever Dry Snare Drum“ (die erste trockene Snare Drum) beschreibt PDP unser Testobjekt. Und das stimmt – zumindest mit dem aufgezogenen Werksfell. Hier geht es wirklich staubtrocken zu. Schon ab mittleren Stimmungen ist kaum noch zu hören, welcher Ton an den Stimmschrauben anliegt, stattdessen ertönt nur ein mattes „Pock“. Das ist natürlich gewollt, denn der breite Dämpfring agiert bei diesem kleinen Kesseldurchmesser im Grunde wie ein aufgelegtes Portemonnaie. Hören wir uns mal die verschiedenen Stimmungen an, weiter unten finden wir dann heraus, was ein reguläres Remo Ambassador coated so aus der Trommel herausholt. 

Hohe Stimmungen 

Zieht man die Stimmschrauben in hohe und sehr hohe Bereiche, erzeugt die Dry Maple Snare einen tendenziell leisen, weichen und sehr kurzen Sound. Trotzdem bleibt etwas Kesselton übrig und verleiht der Trommel damit einen gewissen Bauch. Gut gefällt mir auch die Präsenz des Teppichs, welcher dank der kontrollierten Fellschwingung keinerlei störendes Nachschwingen erzeugt. Rimshots klingen fokussiert und geschlossen, Rimclicks fallen, aufgrund des Durchmessers, eher matt und unkonkret aus.

Mittlere und tiefe Stimmung 

Dreht man die Spannschrauben etwas herunter und lässt dem Fell mehr Raum, wird deutlich, wo die Trommel – mit dieser Fellbestückung – ihre Stärken hat. Nämlich bei den aktuell angesagten, platschigen und leicht elektronisch angehauchten Sounds, welche viele Drummer und Produzenten so mögen. Dank des extrem obertonarmen Schlagfells bekommt der Klang einen fast schon komprimierten, „wet“ Charakter, der tiefe Kessel addiert einen sehr dosierten Ton hinzu. Wer hier noch Dämpfung benötigt, sollte sich überlegen, ob nicht ein nasser Waschlappen das geeignetere Instrument wäre. So hören sich die mittlere und die sehr tiefe Stimmung an. 

Mit ungedämpftem Ambassador Schlagfell geht es deutlich vielseitiger zu

Ganz klar, mit dem Werksfell wird die DW PDP Dry Maple Snare Drum zum Spezialisten für einen ganz bestimmten, Recording-freundlichen, trockenen Klangcharakter. Aber was passiert, wenn man ein ganz normales Remo Ambassador coated aufzieht? Die Antwort lautet: Die Trommel wird zu einer bauchigen, lebendigen 12er Snaredrum, mit der sich deutlich mehr anstellen lässt, als das Werksfell vermuten ließ. Zunächst einmal wird das gute Stück deutlich lauter und durchsetzungsstärker. Die Obertöne sorgen für eine schöne Präsenz, und auch der tiefe Kessel spielt jetzt seine Stärken aus, denn für eine 12er besitzt die Snare wirklich bemerkenswert viel Druck. Bei der Ansprache geht es natürlich nicht so präzise zu wie bei einer flachen Trommel, stumpf klingt sie aber trotzdem nicht. Mir persönlich gefällt die Snare mit dem ungedämpften Fell deutlich besser, denn so kommt auch das spezielle Maß wesentlich besser zum Vorschein. Soll es dann doch sehr trocken und platschig zugehen, legt oder klebt man einfach was drauf. 

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