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28.09.2018

DPA d:vote CORE 4099 Test

Universelles Clipmikrosystem für Instrumente

Clipmic Reloaded

Das DPA d:vote 4099 ist bereits seit längerem als hochwertiges und flexibles Miniatur-Kondensatormikrofon bekannt. Sehr gute klangliche Eigenschaften und ein durchdachtes Clip-Halterungssystem für verschiedenste Instrumente sorgen für eine hohe Beliebtheit bei Toningenieuren im Livebetrieb, im Tonstudio und im Broadcast.

Im DPA d:vote 4099 Test stellt sich das Miniatur-Mikrofon unter Beweis. Mit der neu entwickelten Core-Verstärkertechnologie wurde das d:vote 4099 entscheidend weiterentwickelt und soll laut DPA noch bessere Dynamik und Nebengeräuschfestigkeit bieten.

Details

DPA d:vote Core 4099: Miniaturkapsel in Richtcharakteristik Hyperniere

Das DPA d:vote 4099 basiert auf der gleichen hochwertigen Miniatur-Kondensatorkapsel wie die bekannten Lavalier- und Headsetmikrofone des dänischen Herstellers, die von den Theater-, Opern- und Musicalbühnen dieser Welt nicht mehr wegzudenken sind. Im d:vote 4099 ist die Kapsel samt Verstärkerelektronik in einem Gehäuse untergebracht, das komplett von einem 4,5 cm langen zylindrischen Schaumstoff umschlossen wird, der Wind- und Popgeräusche minimieren soll. Im Gegensatz zum Vorgänger 4099 wurde die Form des Schaumstoffes ein wenig verändert. Er ist nun etwas länger und verjüngt sich nach vorn, um laut Herstelleraussage die Supernierencharakteristik der Kapsel optisch deutlicher darzustellen. Zudem soll die neue Bauform einen weiter verbesserten Schutz gegen von hinten auftreffende Störgeräusche bieten.

DPA d:vote 4099: Filigraner Schwanenhals mit integrierter Kabelführung

Mittels einer elastischen Kunststoffaufhängung, die ein wenig an das Lyre-System von Rycote erinnert, ist die 4099-Kapsel auf einem 14 cm langen Schwanenhals montiert, an dessen Unterseite das mitgelieferte Kabel über eine MicroDot-Schraubverbindung angeschlossen wird. Die Kabelführung läuft also durch den Schwanenhals, wodurch sich die Platzierung des Mikrofons noch flexibler und unauffälliger gestaltet – sehr schön! Über einen optionalen Adapter lässt sich der Schwanenhals auf 22 cm verlängern.

Das mitgelieferte Kabel ist 1,8 Meter lang und bietet auf der anderen Seite ebenfalls einen MikroDot-Verbinder. Ein XLR-Adapter wir mitgeliefert, darüber hinaus bietet DPA Verbinder für alle gängigen Funkmikrostrecken an. Das Kabel ist sehr dünn und filigran, macht aber gleichwohl einen vergleichsweise robusten Eindruck. Dass man im täglichen Betrieb etwas sorgsamer damit umgehen sollte als mit einer robusten Bühnen-XLR-Strippe, dürfte dennoch klar sein. Im Hinblick auf eine flexible und unauffällige Anbringung des d:vote an diversen Instrumenten ist das sicherlich nicht anders zu lösen und stellt daher keinen Kritikpunkt dar.

Durchdachtes Clipsystem für das DPA d:vote Core 4099

DPA bietet für das d:vote 4099 diverse Clips für verschiedenste Instrumente an. Diese werden mit einem Weichplastik-Formteil über den Schwanenhals geschoben und dort mit einer Überwurfhülse aus Metall gesichert, sodass eine bühnentauglich feste Verbindung entsteht. Es gibt Halterungen für alle erdenklichen Instrumente wie Kontrabässe, Gitarren, Bläser, Streicher, Drums und Pianos – letztere sinnigerweise mit Magnetfüßen, mit denen sich die Mikrofone am Gussrahmen des Klaviers „festhalten“ können. Clever. Last but not least wurde natürlich auch an einen Adapter für normale Mikrofonstative gedacht. 

Das DPA d:vote Core 4099 kann man folgerichtig in verschiedenen Ausführungen für unterschiedliche Instrumente erwerben, zusätzlich sind diverse Sets erhältlich, die alle Instrumentenclips enthalten. Ich konnte das System an Violine, Akustikgitarre, Akustikbass und Piano ausprobieren und muss konstatieren, dass alle Clips einen hervorragenden Halt bieten, ohne dabei Instrumente zu beschädigen, sodass auch einem Einsatz an hochwertigen historischen Streichinstrumenten nichts im Wege steht. Die dänischen Pro-Audio-Spezialisten zeigen an dieser Stelle ihre jahrelange Erfahrung und haben auch in puncto Praxistauglichkeit ganze Arbeit geleistet: Besser kann man so ein System kaum konzeptionieren und umsetzen.

DPAs Core-Technologie

Frei nach dem Motto „Never change a winning team“ wurde die altbewährte Kapsel des DPA 4099 auch beim aktuellen d:vote 4099 nicht geändert. Dafür wurde die zugehörige Verstärkerelektronik einer grundsätzlichen Überarbeitung unterzogen. Das Ziel war dabei in erster Linie, einen noch größeren Dynamikumfang zu erreichen, um mit den aktuellen Neuentwicklungen bei professionellen Funksystemen Schritt halten zu können: Waren in der Vergangenheit stets die Sendestrecken der limitierende Faktor, was Dynamik angeht, so hat sich das mit aktuellen Produkten wie der Axient-Serie von Shure oder dem Digital-6000-System von Sennheiser deutlich geändert. Mit der neuen Core-Technologie erreichen DPA-Clipmikrofone nun einen Dynamikumfang von bis zu 109 dB und nutzen damit die Fähigkeiten modernster Funkstrecken deutlich besser aus. 

Zudem wird durch die verzerrungsärmere Schaltung der d:vote-Mikrofone eine weiter verbesserte Signalintegrität und eine noch sauberere Wiedergabe erreicht. Wir sind gespannt, ob sich das auch im Hörtest bemerkbar macht.

Da im heutigen Veranstaltungsbetrieb sehr viel mehr digitaler Funkverkehr stattfindet als früher, sei es durch WLAN-Netze, Handys oder auch die vielfach im 1,8GHz-Frequenzband arbeitenden Sendestrecken, wurde auch die Störanfälligkeit gegenüber HF-Einstreuungen bei der neuen d:vote-Serie noch weiter optimiert.

Technische Daten des DPA d:vote Core 4099

Das d:vote 4099 von DPA arbeitet mit einer Miniatur-Kondensatorkapsel in Supernierencharakteristik. Der Frequenzgang wird mit einer Abweichung von ±2 dB von 20 Hz bis 20 kHz angegeben, wobei zusätzlich eine leichte Höhenanhebung von 2 dB im Bereich zwischen 10 und 12 kHz implementiert ist. Im Hinblick auf den angestrebten Einsatzbereich der d:vote-4099-Mikrofone erscheint dies in zweierlei Hinsicht sinnvoll: Einerseits steht solch eine leichte Höhenanhebung vielen Instrumenten gut zu Gesicht, insbesondere bei Beschallungsaufgaben, bei denen größere Entfernungen überbrückt werden müssen, wobei eine Höhenbedämpfung durch die Luft stattfindet. Zum anderen ist es für den FoH-Ingenieur in der Regel angenehmer, eventuell zu viel vorhandene Höhen mit einem EQ abzusenken, denn schließlich würde im umgekehrten Fall immer das Rauschen des Mikrofons, der Sendestrecke und des Mikrofon-Vorverstärkers mit angehoben. Zudem – so viel sei schon verraten – klingt die leichte Präsenzbetonung der d:vote-Mikrofone in der Praxis stets unaufdringlich, edel und in keiner Weise scharf, wie man es von manch preisgünstigerem Mitbewerber kennt. 

Dem Faktor „Dynamik“ möchte ich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, da gerade die d:vote-4099-Mikros hier einige Besonderheiten zu bieten haben. Der Dynamikbereich von Mikrofonen wird nach oben hin durch den Grenzschalldruckpegel und nach unten durch das Eigenrauschen bestimmt. In der Praxis muss zusätzlich die Empfindlichkeit mit in die Betrachtung einbezogen werden. Der limitierende Faktor beim Grenzschalldruckpegel ist dabei in der Regel weniger die Kapsel eines Kondensatormikrofons als vielmehr die Verstärkerelektronik. Ein Mikrofon zu konstruieren, das gleichzeitig eine hohe Empfindlichkeit, ein niedriges Eigenrauschen und einen hohen Grenzschalldruckpegel aufweist, entspricht daher ein wenig der Quadratur des Kreises: Man kann nicht alles haben.

Gerade universell konzipierte Clipmikrofone wie das d:vote 4099 kommen allerdings einerseits bei leisen Instrumenten wie klassischen Gitarren oder der leisen Laute (klingt lustig, ist aber so), andererseits aber auch vor dem Trichter einer Trompete oder am Schlagzeug zum Einsatz, wo extrem hohe Schallpegel auftreten können. DPA hat hierfür eine denkbar einfache Lösung in Petto und bietet das d:vote 4099 folgerichtig in zwei Versionen an, die sich in der Empfindlichkeit, dem Eigenrauschen und dem Grenzschalldruckpegel unterscheiden.

DPA d:vote Core 4099 for loud SPL

Die Variante für laute Schallpegel ist am kabelseitigen Ende des Schwanenhalses mit einem dezenten roten Ring gekennzeichnet und hat einen Grenzschalldruckpegel von 142 dB bei einem Eigenrauschen von 23 dBA (typisch). Die Empfindlichkeit beträgt 6 mV/PA.

DPA d:vote Core 4099 for extreme SPL

Diese mit einem gelben Ring markierte Variante des DPA-Clipmikrofons lässt sich mit einem Grenzschalldruckpegel von 152 dB wohl durch kaum ein noch so lautes Signal aus der Ruhe bringen. Dafür beträgt die Empfindlichkeit nur 2 mV/Pa und auch das Eigenrauschen ist mit 28 dBA um 5 dB schlechter als beim Schwestermodell.

Letztere Modellvariante sollte also bei sehr lauten Signalquellen eingesetzt werden, wo weder das höhere Eigenrauschen noch die geringe Empfindlichkeit ins Gewicht fallen. Insgesamt stellt die Aufteilung in zwei Modelle unterschiedlicher Empfindlichkeit eine durchdachte und praxisgerechte Lösung dar. Bei anderen Mikrofonen wird Ähnliches durch eine schaltbare Pad-Absenkung erreicht, ein derartiger Schalter wäre bei der extremen Miniaturisierung unserer Testmodelle aber kaum zu realisieren gewesen, denn schließlich spielt gerade beim Einsatz an filigranen Instrumenten wie einer Violine auch das Gewicht eines solchen Mikrofonsystems eine maßgebliche Rolle: Mit 28 Gramm sind die d:vote-Modelle rekordverdächtig leicht.

Ich möchte noch einige Worte zu Empfindlichkeit und Eigenrauschen unserer Testmodelle verlieren: Ein Topmikrofon wie das Microtech Gefell UM 930 twin ist mit einem Eigenrauschen von nur 7 dBA und einer Empfindlichkeit von 20 mV/Pa auf dem Papier um Lichtjahre besser als unser d:vote 4099 mit 23 dB A Eigenrauschen und 6 mV/Pa Empfindlichkeit. Doch hier vergleicht man die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen: Eine Großmembrankapsel, wie sie im Gefell-Mikrofon verbaut ist, hat einen um ein Vielfaches höheren Output als eine Miniaturkapsel, die bei unserem Testmikrofon zum Einsatz kommt. Von daher sind derart gute Werte hier technisch einfach nicht zu erreichen. Andererseits ist ein gutes Rauschverhalten vor allem dann essenziell, wenn leise Schallquellen in sehr großem Abstand aufgenommen werden. Ein Clipmikrofon wie das d:vote 4099 wird immer direkt an der Quelle montiert und bekommt so ungleich mehr Input in Form von Schalldruck an der Kapsel geliefert. Insofern gehen die Werte unserer Testmikrofone für den angestrebten Einsatzzweck bei Beschallungsanwendungen, aber auch für die meisten Studiosituationen, mehr als in Ordnung.

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