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30.01.2017

DIY Drum-Werkstatt - #1 Ludwig Supersensitive Snare Strainer

De-/Montage, Wartung und Einstellung des P70/71 Ludwig Supersensitive Strainers

Informationen und Tipps rund um die legendäre Snare

Ludwigs Supraphonic gehört wohl unbestritten zu den Lieblingstrommeln zahlreicher Schlagzeuger im Rock- und Pop-Bereich, ihr Sound darf guten Gewissens als legendär bezeichnet werden. Durchaus verständlich ist, dass auch Orchestertrommler nicht auf diese Klangqualität verzichten wollten. Für diesen Einsatzzweck hat Ludwig seit Jahrzehnten ein Modell mit Parallelabhebung im Programm, die Supersensitive. Der leicht justierbare, wartungsfreundliche und robuste Mechanismus der Abhebung hat auch dieses Modell zum Verkaufsschlager gemacht.

Vorgestellt wurde das Strainer-System bereits Mitte der 1920er Jahre mit der legendären Super-Ludwig, schon damals eines der „Top of the line“ Modelle und mit einem Preis von 45 Dollar die teuerste im Katalog. Gut erhaltene Exemplare werden heute nicht selten für mehr als das 40-fache gehandelt. Nach einer Pause in den 40ern und 50ern gab es 1962, zwei Jahre nach Einführung der Super 400 (dem Vorgänger der Supraphonic), ein Revival der Parallelabhebung. Mit einer gegenüber der Urversion nur leicht veränderten Konstruktion wurde die modernisierte Variante in den Ausführungen 5" und 6,5“ Tiefe und mit zahlreichen Teppichvarianten (Darm, Nylon oder auch mit einzeln justierbaren Saiten) wieder eingeführt. 1970 wurde die Abhebung nochmals überarbeitet und war als Modellnummer P70 (5“) bzw. P71 (6,5“) bis 2015 unverändert im Ludwig-Programm enthalten. 

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Eine solche P71 liegt heute auf meiner Werkbank und wartet auf eine Überholung. Gemäß der auf dem blue/olive Badge eingeschlagenen Seriennummer ist die Trommel auf die Produktionsjahre 1978/79 zu datieren. Insgesamt macht die Snaredrum für ihr Alter einen sehr ordentlichen Eindruck. Die Verchromung trägt nicht zu viele der berühmt berüchtigten Pickel, Kessel und Spannreifen können mit einer Abweichung von einem bis zwei Millimeter als rund bezeichnet werden, und alle Spannschrauben lassen sich wunderbar drehen. Einzig der Strainer-Mechanismus ist, im Vergleich zu anderen Trommeln, die schon über meinen Tisch gewandert sind, etwas schwergängig. Dies kann durch Schmutz und/oder nicht geeignetes Öl, das mit der Zeit etwas verharzte, hervorgerufen worden sein. Da ich für diese Supersensitive eh eine komplette Aufarbeitung vorgesehen hatte, zerlege ich die Trommel in Ihre Einzelteile.

Zölliges Werkzeug wird benötigt

Da der deutsche Ottonormalhaushalt meist nicht mit den für die amerikanischen Trommeln benötigten Zollwerkzeugen ausgestattet ist, müssen die größeren Schlüsselweiten mit metrischen Werkzeugen ersetzt werden. Jedoch sollte bei der Verwendung – die metrischen Schlüssel sind umrechnungsbedingt etwas größer – mit Vorsicht gearbeitet werden, um einer Beschädigung der Schrauben und Muttern vorzubeugen. Für den Innensechskant mit der Schlüsselweite 1/16“ gibt es leider keine Alternative.

Zuerst wird der Teppich abgebaut. Dafür werden die beiden Rändelmuttern zur Einstellung der Teppichspannung an den Schlitten im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag eingedreht. Die Enden des Teppichs sind frei und lassen sich durch die Aussparungen im Spannreifen ausziehen. Danach können die Felle abgenommen werden. Die Befestigungsschrauben des Schutzbügels sind jetzt frei zugänglich und können mit Hilfe des 1/16“ Inbusschlüssels gelockert werden. Anschließend muss der Bügel nur noch abgezogen werden. Diese Schräubchen sitzen, wenn überhaupt noch vorhanden, oft fest, deswegen sprühe ich sie vorab schon mit WD40 o.ä. ein. Der Bügel musste wohl schon einen oder mehrere Schläge wegstecken, da die Verformung aber nicht allzu stark ist, biege ich ihn per Hand wieder zurecht.

Nach der vollständigen Demontage von Schlitten und Mutter baue ich auf beiden Seiten die Hebelgestänge, die mit je zwei Schlitzschrauben angeschlagen sind, ab. Im Loch der unteren Schraube befindet sich eine Lagerhülse, die den Kunststoffmitnehmer vom Gestänge trennt. Danach können die Überwurfmuttern im Inneren des Kessels geöffnet und die beiden Hebelgestänge samt Lagerbuchse nach außen abgezogen werden. Jetzt sind nur noch die Befestigungsschrauben der Strainer zu lösen, und der Mechanismus ist komplett abgebaut.

Vor der Instandsetzung lege ich alle Teile des Mechanismus in warmes Spülwasser und befreie sie mit einer Bürste vom Schmutz. Nach dem Abtrocknen entferne ich anhaftenden Flugrost mit feiner Stahlwolle, blase noch die Gelenke und beweglichen Teile mit Pressluft aus und sprühe sie großzügig mit Caramba (oder alternativ WD40 o.ä.) ein. Das Trennmittel befreit die unzugänglichen Stellen vom Wasser, löst noch bestehenden Schmutz und Rost und hat gleichzeitig auch noch eine Pflege- bzw. Schmierwirkung. 

Jetzt geht es an den Zusammenbau

Alles sauber? Dann kann montiert werden. Das passiert natürlich in umgekehrter Reihenfolge. Die Befestigungsschrauben haben etwas Spiel, daher ist es, um einen exakten Einbau zu gewährleisten, ratsam, die Position des Strainers an beiden Enden mit einem Lineal oder Tiefenmaß zu überprüfen. Beim Zusammenstecken der Hebelgestänge muss nur darauf geachtet werden, dass beim Einstecken der Welle beide Seiten in eine Richtung zeigen. Der Mitnehmer, an den der untere Teil der senkrechten Verbindungsstange angeschraubt wird, ist aus Kunststoff gefertigt. Hier bitte nur vorsichtig anziehen. Am exzentrisch gelagerten Schraubenkopf wird eingestellt, wie fest der Teppich am Fell anliegen soll. Das funktioniert natürlich nur mit Fell, deshalb fixiere ich zunächst auf beiden Seiten in der maximalen Länge. 

Bevor der Strainer zusammengebaut und der Teppich aufgezogen wird, bestreiche ich die Gleitfächer des Schlittens und die Gewindebolzen noch mit etwas Fett. Alle beweglichen Metallteile erhalten einen Tropfen Öl. Sofern der Teppich in Ordnung ist, gestaltet sich das Justieren der Teppichhöhe und -spannung mit den Exzenter- und Rändelschrauben relativ unproblematisch. Danach ist die „Suse“ wieder fit für viele weitere Jahre auf der Bühne.

Augen auf bei der Wahl des Resonanzfells

Ein Wort zu den Fellen: Für die Resonanzseite der Trommel empfehle ich Felle der Firma Remo. Evans Felle besitzen scheinbar einen höheren Fellkragen, wodurch sich das Material am Kragen beim ersten Aufspannen des Fells weiter zu dehnen scheint, als das bei den Remos der Fall ist. Dies hat zur Folge, dass der Spannreifen beim Anziehen der Stimmschrauben relativ weit über den Trommelrand rutscht und die Aussparungen, durch die der Teppich geführt wird, sehr eng werden. Dadurch liegen bei abgespanntem Teppich die Drähte des Teppichs links und rechts auf den Spannreifen auf, während die Teppichmitte gegen das Fell gedrückt wird und ein unerwünschtes Rascheln beim Anschlagen der Trommel verursacht.

Eine Supersensitive gebraucht erstehen?

Wer diesen Artikel bis hier her gelesen hat, selbst aber gar keine Ludwig Supersensitive mit P70/71 besitzt, kann sich freuen, denn auf dem Gebrauchtmarkt ist die Trommel recht leicht zu finden. Die Preisspanne beginnt bei abgerockten und evtl. verbastelten Trommeln bei ca. 300,-  und reicht für makellose Snares im Originalzustand bis zu 650,- Euro und höher (Stand 01/2017). Außerdem sind noch alle Ersatzteile auf dem Markt erhältlich.

Hier folgt noch eine Auflistung der im Workshop verwendeten Dinge:

  • Werkzeuge
  • Ring-/Gabelschlüssel 1/4“, 5/16“ und 5/8“ (alternativ metrisch 6,5 mm, 8 mm und 16 mm)
  • Schlitzschraubendreher
  • Innensechskantschlüssel 1/16“
  • Pinsel, Zahnbürste, Bürste
  • Verbrauchsmaterial
  • Maschinenöl und -fett, Trennmittel (WD40, Caramba o.ä. )
  • Spülmittel, Chrompolitur (Elsterglanz, Autosol o.ä.)
  • Stahlwolle, Baumwoll-Putzlappen
  • Aufwand
  • Komplettaufbereitung ca. 8 Std.
  • nur De-/Montage und Wartung der Parallelabhebung ca. 3 Std.
  • Teile und Kosten
  • Satz Remo Ambassador Felle: 35 €
  • original Ludwig Snareteppich L-1224, 2x 10 Strands: 55 €
  • alternativ Puresound PS1416, 16 Strands: 45 €
  • alternativ Scott (Taiwan), baugleich mit L-1224: 16 €

Wenn ihr Anregungen und Wünsche für weitere Trommel-Aufarbeitungen habt, dann schreibt sie einfach in die Kommentare. Bis zum nächsten Mal.

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