Workshop_Folge Workshop_Thema Gitarre
Workshop
1
05.11.2021

Die 10 coolsten "Neue Deutsche Welle“ Gitarren-Riffs in Noten und Tabs

Legendäre NDW Gitarren-Hit-Riffs zum Nachspielen

Die berühmtesten Neue Deutsche Welle Gitarren-Riffs in Noten und Tabs

Will man die deutsche Musiklandschaft der 80er-Jahre charakterisieren, bedarf es nicht vieler Worte: Die Stilrichtung, die den meisten als erstes in den Sinn kommt, ist die sogenannte "Neue Deutsche Welle", kurz "NDW". Ihre Ursprünge fand sie primär im Punk, der sich Mitte bis Ende der 70er-Jahre stärker mit anderen Genres wie Pop, Electro und auch Reggae vermischte und so die Stilrichtung "New Wave", also "Neue Welle" hervorbrachte.
Künstler wie Ultravox, Blondie, The Police oder Billy Idol gehörten zu den Protagonisten dieser Ära und feierten mit ihrer Interpretation des New Wave große Erfolge. In Westdeutschland, allen voran in Städten wie Berlin, Düsseldorf oder Hamburg, war man natürlich nicht ganz untätig, und so entstanden dort bald die ersten deutschsprachigen Formationen, die sich diese Sound-Fusion zu eigen machten. Einige von ihnen durften im Zuge dieser sehr lebendigen Entwicklung sogar international abräumen, wie dies z. B. bei Falco, Nena oder Peter Schilling der Fall war.
Da der geschätzte Kollege Thomas Meinlschmidt zehn der coolsten NDW-Basslines bereits in einem Workshop verarztet hat, möchte ich mich nun den coolsten Gitarrenriffs widmen, denn auch hier gab es einige sehr interessante und extrem abgecheckte Parts!

Get the Sound

Die meisten Stücke der NDW-Ära entstammen der ersten Hälfte der 80er-Jahre und sind natürlich auch stark von der Soundästhetik dieser Zeit geprägt. Auch wenn es von damaligen Gitarristen kaum "Rig Rundowns" oder ähnliche Gear-Dokumentationen gibt, kann man aufgrund des Höreindrucks doch ganz gute Rückschlüsse auf das verwendete Equipment ziehen.
An Gitarren hört man sowohl Humbucker- als auch Strat- oder Tele-mäßig klingende Modelle, wobei durchaus eine leichte Vorliebe für Singlecoil-Gitarren erkennbar ist. Der Ampsound kommt entweder vollkommen clean oder mit einer moderaten Gainstruktur, weshalb Fender und Marshall eine gute Wahl sind. Manche Zerrsounds klingen bisweilen auch fuzzig oder so, als wären die Gitarren direkt ins Pult gespielt worden. Der in Pop-Produktionen populärer werdende Rockman von Tom Scholz könnte ebenfalls auf manchen Produktionen zum Einsatz gekommen sein. In der Effektabteilung ist der Einsatz entweder eines Chorus-Effekts oder aber eines Flangers mit mildem Setting sehr charakteristisch für den NDW-Klang. Bei sehr vielen Stücken ist auch ein kurzes Slapback-Delay auszumachen, das ihr durch das Setzen der Delaytime auf einen Bereich zwischen 100 bis 140 ms erreichen könnt. Hier ein Soundvorschlag für einen Allround-Brot-und-Butter-NDW-Sound, den ihr durch leichtes Tweaken und durch den Wechsel des Gitarrentyps für viele Stücke verwenden könntet:

Zur Spielweise sei gesagt, dass in der NDW eine bunte Mischung aus diversen Styles gefragt ist. Zum einen gibt es Reggae-artige Offbeats, manchmal kommt es zu funky 16tel Gitarrenriffs, die entweder akkordisch oder mit Singlenotes umgesetzt werden, aber auch cleane Pickings und Melodielinien sind fester Bestandteil des NDW-Sounds. Eine große Besonderheit sind jedoch sicherlich die extrem schnell und präzise gespielten, abgedämpften Achtel-Powerchords, die für einen authentischen Sound auch ausschließlich mit Downstrokes gespielt werden sollten, was ordentlich Übung und Training abverlangt!

1. Deja Vu - Spliff

"Deja Vu" von Spliff wurde 1982 releast und kommt mit einem sehr prägnanten Rockriff, das mit einem Elektrobeat unterlegt wurde. Erschienen ist der Song auf dem Debütalbum "85555", das neben "Deja Vu" noch den NDW-Hit "Carbonara" beheimatet. Für die Gitarren zeigte sich Bernhard Potschka verantwortlich.

2. 99 Luftballons – Nena

Nur ein Jahr später, 1983, erschien Nenas selbstbetiteltes Debutalbum, das neben „Nur geträumt“, „Leuchtturm“ den internationalen Hit „99 Luftballons“ enthält, das mit einem sehr schnellen Achtelriffing daherkommt. Der Gitarrenposten wird von Carlo Karges übernommen.

3. Katharine, Katharine - Steinwolke

Auch wenn die Band Steinwolke in den 70er-Jahren als Folkrockband antrat, wurde ihnen 1983 mit "Katharine, Katharine" der größte Hit beschert, der ebenfalls zu einer NDW-Hymne wurde. Interessant sind hier vor allem die tollen Leersaitenakkorde des Intros und Strophenparts.

4. Major Tom - Tom Schilling

Obwohl der Titel und die Thematik des Songs starke Parallelen zu David Bowies "Space Oddity" aus dem Jahre 1969 besitzen, weht in der Tom-Schilling-Version, die 1982 erschien und die Charts anführte, musikalisch ein deutlich anderer Wind. Ganz prägnant ist für das Stück natürlich die schnelle Achtelgitarre von Armin Sabol und die Basslinie, die in den Strophen erst auf die Zählzeit 2 einsteigt und in Sachen Timing für Verwirrung sorgen kann.

5. Der Kommissar- Falco

Erschienen 1981 war "Der Kommissar" die erste Singleauskopplung von Falcos Debutalbum Einzelhaft. Das Stück war ein internationaler Nummer 1 Hit und gilt als der erste kommerziell erfolgreiche Rapsong eines weißen Musikers. Gitarristisch ist hier auch einiges geboten und so überrascht die Strophe mit einem funkigen, verzerrten Gitarrenriff.

6. Sexy - Marius Müller Westernhagen

Zugegebenermaßen gehört "Sexy" nicht mehr so ganz zur NDW-Ära, aber Marius Müller-Westernhagen hat dieser Stilrichtung gehörig seinen Stempel aufgedrückt und ist fester Bestandteil der deutschen Musikszene der Achtziger. 1989 erschien der Song auf seinem Erfolgsalbum "Halleluja", das darüber hinaus noch Hits wie "Fertig" und "Weil ich Dich liebe" verbuchen konnte. Die Gitarren übernahm Jay Stapley.

7. König von Deutschland - Rio Reiser

Rio Reiser darf mit Fug und Recht zu den großen Lyrikern und Musikern der deutschen Popszene gezählt werden. Nach dem Ausstieg bei der Kultband "Ton Steine Scherben" verfolgte Rio seine Solokarriere und veröffentlichte 1983 sein Debutalbum Rio der I., das neben "König von Deutschland" auch den Hit "Junimond" beherbergte. Musikalisch wurde er dabei von den deutschen Studiogrößen Ken Taylor am Bass, Curt Cress an den Drums und Peter Weihe an der Gitarre unterstützt.

8. 1000 und 1 Nacht - Klaus Lage Band

1000 und 1 Nacht hat für mich die abgefahrenste und cleverste Bass- und Gitarrenfigur der ganzen NDW-Zeit. Der im Sommer 1984 als erste Singleauskopplung des Albums "Schweißperlen" erschienene Song landete auf Platz 5 der Singlecharts. Rocco Klein und Klaus Lage übernehmen hier den Gitarrenposten.

9. Sternenhimmel - Hubert Kah

Ebenfalls eine Hymne der NDW-Ära ist der Hubert Kah-Hit "Sternenhimmel" aus dem Jahre 1983. Erschienen ist das Stück auf Kahs zweitem Album "Ich komme" und erzielte Goldstatus. Charakteristisch für das Stück ist zum einen das Gitarrenintro sowie die rasante Achtelfigur der Strophe.

10. Ein Jahr (Es geht voran) - Fehlfarben

Dem einen oder anderen von euch wird der Song noch aus der Comedyserie "Comedy Street" mit Simon Gosejohann in Erinnerung sein, vielleicht ohne zu wissen, dass es sich dabei um einen ganz frühen Klassiker der NDW-Zeit handelt. Die Band Fehlfarben wurde im Jahr 1979 gegründet und releaste ein Jahr später ihr Debutalbum "Monarchie und Alltag", das den oben genannten Hit beinhaltet. Thomas Schwebel übernimmt hier den Gitarrenposten.

Und nun viel Spaß mit den NDW-Klassikern!

Verwandte Artikel

User Kommentare