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Test
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24.07.2013

DBX 160A Test

Analoger VCA-Monokompressor

Einfach und flexibel – geht das?

Der DBX 160A im bonedo-Test: Studiostandards gibt es nicht nur in der Premiumklasse. DBX hat seit vielen Jahren Geräte im Angebot, die sich in der Praxis in den verschiedensten Situationen bewähren. Ein solches Allzweckwerkzeug ist der 160A. Ist dieser Monokompressor Hans Dampf in allen Gassen oder Kompromiss?

Es gibt eine Welt für Dynamiktools jenseits von High-End-Kompressoren für Goldohren. Wo Musik gemacht wird, wird an irgendeinem Punkt auch Kompression nötig sein. Aber in vielen Fällen besteht gar nicht der Bedarf nach filigransten Spezialkompressoren, mit denen man im Mastering das letzte Quäntchen Qualität herausholen kann. Vielmehr gibt es auch ganz andere Kriterien: Das Teil soll robust sein, einfach zu bedienen, kaum „Fehler“ produzieren und bitteschön auch nicht zu teuer sein. Wenn das Ganze dann auch noch für einen riesigen Strauß möglicher Anwendungsfälle von Beschallung über Aufnahme- bis Rundfunkstudio taugen soll, hat eine mögliche Antwort einen Namen mit vier Zeichen: 160A.

Der DBX-Kompressor tritt an, um all das eben Beschriebene zu leisten. Die Interessante Frage dabei lautet: Liegt da irgendwo der Hund begraben? Kann es sein, dass ein Gerät – noch dazu zu diesem Preis – diese Aufgaben allesamt mit links erledigt? Wir werden sehen...

Details

Voltage Controlled Amplifier

Wie für DBX typisch handelt es sich auch beim 160A um einen VCA-Kompressor. Kaum ein andere Name im Pro-Audio-Segment ist so sehr mit diesem Bauteil als Kompressor-Element verbunden wie eben DBX. Allerdings findet man beim 160A nur drei Potenziometer, Einstellmöglichkeiten für Attack und Release sind – anders als normalerweise bei Kompressoren dieses Typs – nicht vorhanden. Die Idee dahinter: Ein möglichst einfaches und vor Fehlbedienungen sicheres Interface bereitstellen, damit das passende Setting nicht zur Fummelei ausartet.

 

 

„Negative“ Kompression

Neben Potis für Threshold (+20 bis -40 dBu) und Ausgangspegel (± 20 dB) dient ein weiterer Drehregler der Einstellung der Kompressionsrate. Möglich sind hier stufenlos durchstimmbar Kompressionsraten von 1:1 bis ∞:1, doch damit hat sich das Spektrum des Gerätes noch nicht erschöpft. Interessanterweise findet sich hier nämlich ein sehr seltenes Feature. Dreht man das Poti über die ∞:1-Position hinaus, so kann man sogenannte negative Kompressionsraten einstellen, und zwar zwischen -5:1 bis -1:1. Mit einer solchen Übertragungsfunktion kann man – zumindest in der Theorie – die Dynamik eines Signals gewissermaßen auf den Kopf stellen. Je lauter das Eingangssignal wird, desto leiser wird das Ausgangssignal (und umgekehrt). Damit sind allerlei abgefahrene Sounds bis hin zu „Rückwärtseffekten“ möglich. In der Praxis hängt das Endergebnis vom Charakter des VCA-Elementes ab, denn eine Audioschaltung ist ja keine reine Mathematik, sondern ein System mit einem gewissen Eigenleben. So drastisch wie am rechnerischen Reißbrett werden die Ergebnisse nicht ausfallen, aber es sind allenfalls sehr ungewöhnliche bis geradezu seltsame Effekte drin, die sich mit nur wenig anderen Geräten, wie etwa dem Mpressor von Elysia, in ähnlicher Form realisieren lassen.

„Over Easy“ = Softknee

Die Betriebsart des 160A lässt sich zwischen Hardknee- und Softknee-Kompression einstellen, wobei letztere Variante bei DBX traditionell „Overeasy“ genannt wird. Drei LEDs zeigen an, ob sich das Eingangssignal über oder unter dem Threshold oder im Bereich der Softknee-Kurve befindet. Damit kann man (zumindest fast…) die Kompression einstellen, ohne überhaupt hinzuhören; ein weiteres sehr schönes Feature, das DBX auch bei vielen anderen Modellen traditionell anbietet. Die Attack- und Release-Parameter können manuell nicht eingstellt werden. Sie arbeiten automatisch programmadaptiv, und zwar im Wertebereich 3-15 ms (Attack) und 8-400 ms (Release).

Umfangreiches Metering

Der 160A verfügt über einen Bypass-Schalter, und dazu können zwei Einheiten verkoppelt werden, wobei eine dann als Master und die andere als Slave fungiert. Eine Besonderheit des Gerätes sind die beiden üppig ausgestatteten Pegelanzeigen. Fein aufgelöst und mit einer schönen, sehr praxisnahen Ballistik, die von Peak– ein bisschen in Richtung VU-Anzeige tendiert, hat man den DBX 160A optisch stets voll im Griff. Während die untere LED-Kette die Pegelreduktion abbildet, kann die obere zwischen der Anzeige von Ein- und Ausgangspegel umgeschaltet werden.

Kein Netzschalter

Über einen Netzschalter verfügt das Gerät nicht: Wird das Kaltgerätekabel eingesteckt, steht der 160A unter Strom. Bei einer Leistungsaufnahme von schmalen 15 Watt ist das nicht übermäßig verwerflich, aber zeitgemäß wäre ein Betriebsschalter schon. Die Gehäuserückseite hingegen kann mit zahlreichen Features punkten: So verfügt der DBX 160A nicht nur gleichermaßen über symmetrische und unsymmetrische Anschlüsse samt Groundliftschalter, seine Sidechain lässt sich auch mit einem externen Signal füttern.

Fertigungstechnisch gibt es nichts zu meckern. Das Gerät präsentiert sich in gewohnter DBX-Qualität, und noch dazu sieht es bei aller Industrie-Schlichtheit einfach gut aus. Auf der konventionell bestückten Platine arbeiten Standard-OpAmps wie der 5532 ebenso wie DBX’ eigener RMS1-Baustein. Das ist keine luxuriöse Technik, aber doch allemal gehobener Industriestandard, zumal der Netztrafo recht großzügig dimensioniert scheint.

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