Gitarre Hersteller_Danelectro
Test
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08.06.2011

PRAXIS

Schon beim Auspacken fällt das geringe Gewicht der Dead On 67 auf. Mit nur etwa 2,75 kg ist sie eigentlich ein Fliegengewicht. Trotzdem hängt sie ausgewogen am Gurt und neigt zum Glück nicht zu Kopflastigkeit. Schon trocken offenbart sich der klassische Danelectro-Sound, nur eben wesentlich tiefer. Üblicherweise ist das Gros der auf dem Markt erhältlichen Baritongitarren mit Humbuckern bestückt. Warum trotzdem sehr häufig zu Danelectros gegriffen wird, offenbart sich spätestens am Amp.

Der sonore Klang der Lipsticks ist eine echte Offenbarung! Die zwei Pickups liefern absolut charakteristische Sounds, und besonders in der Mittelposition, die übrigens fast brummfrei ist, da beide Tonabnehmer unterschiedlich gepolt sind. Mich erinnert der Danelectro-Sound irgendwie immer an die Sechziger Jahre, als Gitarren noch knochig-mittig klangen, was heute gemeinhin als „vintage“ bezeichnet wird. Man darf nur nicht den Fehler machen, ihn in diese Ecke zu stellen: Er kann weit mehr, wie wir später noch hören werden.

Beginnen wir mit einem clean eingestellten Deluxe, den ich mit einem SM57 abgenommen und mithilfe eines Neve Preamps in den Rechner geleitet habe. Ich habe mit dem Hals-PU beginnend alle drei Positionen hintereinander aufgenommen, um sie besser vergleichen zu können.

Trotz der tiefen Frequenzen bleiben die Lipsticks klar definiert und neigen nicht zum Mulmen. In der Halsposition sind so warme Sounds möglich, die trotzdem ihren knochigen Anteil behalten. In der Mittelposition, die ja eine Kombination aus Steg- und Hals-Single-Coil ist, blüht sie richtig auf. Es kommt genau die richtige Dosis beider Abnehmer, quasi “best of both worlds“ zum Vorschein, nämlich die Wärme und das Bassige aus der Halsposition und die Höhen vom Steg. Zudem wird der Sound kehliger. Ich bin sehr gespannt, wie sich das am verzerrten Amp macht.

Im nächsten Beispiel kommt ein AC30 zum Einsatz, den ich schon ordentlich angepustet habe, sprich, er zerrt schon recht ordentlich. Auch hier werden alle drei Positionen durchgeschaltet, beginnend mit dem Hals-PU.

Da bleibt kein Auge trocken! Jeder Anschlag ist klar definiert und zieht einen mächtigen fetten Ton hinter sich her. Auch hier begeistert mich die Zwischenposition, da sie sich so richtig schön breitbeinig positioniert. Der Steg-Lipstick wird erwartungsgemäß schriller und mag sich nicht so richtig mit dieser Ampeinstellung anfreunden. Hier wird auch klar, warum viele tieftönende Metal-, Hard Core- und was-weiß-ich-Core-Bands häufig zu Baritongitarren greifen, und darunter auch gerne zur Danelectro. Trotz der enormen Tiefe der Töne bleiben diese klar definiert und dank der Single Coils schön schlank im Bass. Es ist ein typischer Fehler vieler Gitarristen, mit ihren Humbucker-Baritons den Gain voll aufzudrehen, um sich dann zu wundern, dass nur noch ein undefinierbarer Soundbrei erzeugt wird.

Zu guter Letzt habe ich noch einmal die mittlere Position angewählt und spiele eine cleane Figur, die ich allerdings mit ein wenig Modulation Delay angereichert habe, um eine andere Soundwelt vorzustellen. Auch hierfür habe ich den Deluxe Amp verwendet.

Toll, welche sprichwörtliche Tiefe hier zustandekommt! Ich finde es immer sehr inspirierend, mit einer Baritongitarre eine vorhandene “normale“ anzudicken oder durch Akkordumschichtungen neue Wege zu beschreiten.

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