Gitarre Hersteller_Danelectro
Test
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02.09.2019

Danelectro 59X12 Test

12-saitige E-Gitarre

Vielsaitig vielseitig

Die Danelectro 59X12 ist eine der eher raren 12-saitigen E-Gitarren, auf die man bei der Suche in dieser Instrumentenkategorie trifft. Ohnehin besetzt der Name Danelectro in diesem Fall sehr häufig die ersten Ränge der Treffer, und das ist nicht wirklich verwunderlich. Denn der amerikanische Hersteller steht in einer langen 12-Saiter-Tradition und kann mit illustren Namen aufwarten, die mit seinen Instrumenten verbunden sind.

Musiker wie Jimmy Page, die Ramones, Jeff Beck, Aerosmith und viele andere greifen bevorzugt zu den eigenständigen Instrumenten mit dem erfrischend anderen Design, die zu einem vergleichsweise moderaten Preis zu haben sind und dazu auch klanglich nicht unbedingt mit dem Strom schwimmen. Eine Tradition, die auch die neue 59X12 fortführen möchte.

Details

Aufgrund ihrer ganz speziellen Konstruktion und der verwendeten Tonabnehmer klingen Danelectros schlicht und ergreifend anders als die üblichen Verdächtigen und lassen sich damit auch nur schwer in die bekannten Lager einordnen. Dazu gibt es im Praxisteil mehr, aber vorher schauen wir uns die schmucke 12-Saiter einmal etwas genauer an. Denn die 59X12 präsentiert sich in ihrem "Shorthorn Shape"-Korpusdesign eigenständig und interessant, wie von Danelectro nicht anders erwartet.

Korpus:

Der Korpus besteht aus einem Rahmen und einem Centerblock aus Pappel mit Boden und Decke aus Masonite. Dabei handelt es sich um eine bereits 1924 von William H. Mason entwickelte Holzfaserplatte, die auch im Türbau, für Wände etc. verwendet wird.
In unserem Fall ist der Korpus cremefarben lackiert und weist keinerlei Unebenheiten, Lacknasen oder ähnliches auf. Weitere Farben im Angebot sind Schwarz mit weißem Pickguard und Rot mit einem cremefarbenen Schlagbrett.

Das geschwungene Schlagbrett beherbergt ein Volume- und ein Push/Pull Tone-Poti, das den Steg-Pickup, einen Lipstick-Doppelspuler, splittet. Am Hals nimmt ein großer Singlecoil im P90-Format die Saitenschwingungen ab. Der Lipstick-Tonabnehmer wurde ursprünglich von Dan Armstrong für Danelectro konstruierte und ist recht simpel aufgebaut. Im Grund handelt es sich um einen mit Draht und anschließend mit Isolierband umwickelten Stabmagneten in einer Lippenstift-Hülse aus Metall. Mehr brauchte es nicht, um einen eigenständig klingenden Pickup zu entwickeln, der maßgeblich am Sound der Danelectros beteilig ist und aufgrund des eigenständigen Klangs auch gern in Gitarren anderer Hersteller zum Einsatz kommt.

In der Halsposition ist, wie bereits erwähnt, ein P90 Singlecoil schräg eingesetzt. Wie sein doppelspuliger Kollege am Steg steckt er ebenfalls in einem schwarzen Rähmchen und lässt sich in der Höhe justieren. Ein Dreiwegschalter wählt die Pickups an und ist für meinen Geschmack sehr gut positioniert, denn er ist leicht mit dem kleinen Finger erreichbar und hindert nicht beim Spielen.
Allerdings können mich die Potis nicht so recht überzeugen, denn sie wirken im Vergleich zum restlichen Instrument etwas minderwertig. Die Plastikknöpfe bieten nicht genügend Grip, sodass beispielsweise das Herausziehen des Tone-Potis zum Aktivieren des Coil-Splits nicht sicher von der Hand geht. Auch laufen beide Regler mit unterschiedlichem Widerstand über ihren Weg.
Eine feste Brücke nimmt die zwölf Saiten auf, wobei der "normale" Satz rückseitig durch den Korpus geführt, die Oktavsaiten hingegen durch die Brücke gefädelt werden. Alle Saiten lassen sich individuell justieren, wofür ein Werkzeug benötigt wird, das natürlich Teil des Lieferumfangs ist.

Ließ die Hardware bei älteren Danelectros in puncto Einstellungsmöglichkeiten noch zu wünschen übrig, kann man das von der 59x12 nicht behaupten. Die Stegkonstruktion macht einen hochwertigen Eindruck und erlaubt es, alle wichtigen Einstellungen der 12 Saiten individuell vorzunehmen, ohne dabei klobig auszufallen. Wie die restliche Hardware ist auch die Brücke verchromt.
Die Rückseite zeigt sich bis auf die sechs Hülsen zur Aufnahme der Saiten ohne Fräsungen, da sich die gesamte Elektronik unter dem Schlagbrett befindet. Apropos Ausfräsungen: Auch irgendwelche ergonomische Ausbuchtungen sucht man auf Vorder- und Rückseite vergebens.
Die Klinkenbuchse befindet sich in der unteren Zarge und die Gurtpins sind, wie man es von Danelectro gewohnt ist, am unteren Korpusende und im Halsfuß anzutreffen.

Hals:

Der Hals ist mit vier Schrauben bombenfest mit dem Korpus verbunden, besteht aus Ahorn und ist rückseitig in Korpusfarbe lackiert. Das Griffbrett aus Pau Ferro beherbergt 21 Bünde, die allesamt hochglanzpoliert und an den Kanten sauber bearbeitet wurden - sehr gut! Das ist in diesem Preissegment und auch in weitaus höheren nicht immer der Fall. Weiße Punkteinlagen im Griffbrett und kleine Punkte in der Halskante helfen bei der Orientierung. Die Saiten laufen über einen 44 mm breiten Metallsattel und passieren auf ihrem Weg zu den Mechaniken den Double Action Halsspannstab, dessen Ausfräsung mit einem Kunststoffdeckel verschlossen ist, der farblich zum Schlagbrett passt - das Werkzeug zum Einstellen des Halsstabs liegt der Gitarre bei. Die 12 geschlossenen, gleichmäßig auf beide Seiten der in Korpusfarbe lackierten Kopflatte verteilten Mechaniken erlauben einen exakten und gleichmäßigen Stimmvorgang. Die 59X12 besitzt eine Mensur von 635 mm und liegt damit ziemlich genau zwischen den traditionellen Fender- und Gibson-Abmessungen. Und mit einem Gewicht von 3582 Gramm bewegt sie sich auch in diesem Bereich im Mittelfeld.

Was die Verarbeitung anbelangt, gibt es bei der in Korea gefertigten Gitarre bis auf die Potis nichts Negatives zu entdecken, womit wir auch schon im Praxisteil angelangt wären.

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