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30.03.2017

Crowdmanagement – der Mensch im Mittelpunkt

Workshop Ausbildung oder Quereinstieg in den Eventbereich – Teil 3

Menschenmassen auf Großveranstaltungen müssen permanent geleitet, begleitet und zu ihrer eigenen Sicherheit überwacht werden. Allerdings lässt sich das Verhalten von Menschen niemals vollständig vorhersagen geschweige denn planen. Wäre ja auch langweilig. Besonders kritisch wird es, wenn Adrenalin, Alkohol und sonstige Substanzen die Sinne vernebeln. Die Aufgabe des Crowdmanagements ist es, dennoch ein schlüssiges Sicherheitskonzept auszuarbeiten, das die Forderung nach körperliche Unversehrtheit ebenso berücksichtigt wie den berechtigten Wunsch des Publikums nach Unterhaltung.

Zurzeit ist das Crowdmanagement ein Zusammenspiel vieler kleiner, eigenverantwortlicher Dienstleister. Das zieht sich von der Security über die Sanitäter bis zur Feuerwehr. Das Problem: Die Ausarbeitung und Realisation vor Ort wird von Eventdienstleistern, Veranstaltern oder Projektbeauftragten quasi nebenher erledigt, häufig fehlen echte Profis. Und auch die behördliche Genehmigung dieser Konzepte erfolgt häufig nur schablonenhaft. Du siehst, dieses Berufsbild bietet einiges Zukunftspotenzial. Denn eine Ausbildung ist im ansonsten bürokratieverwöhnten Deutschland bislang nicht vorgeschrieben.

Folglich darf hierzulande tatsächlich jeder Sicherheitskonzepte schreiben. Veranstalter können zum Beispiel auch ohne entsprechenden Ausbildung oder Zertifizierung dieses so wichtige Papier vorlegen, selbst wenn auf der Veranstaltung 20000 Menschen erwartet werden. Das scheint wenigstens kurios, wenn man bedenkt, dass zum Wechseln einer Drehstromsicherung bereits eine anerkannte IHK-Ausbildung vorgeschrieben ist.

Dabei ist die Ausarbeitung eines schlüssigen Sicherheitskonzepts eine komplexe Angelegenheit: Welche Fluchtwege oder Separier-Zonen sind vorgesehen? Welche Gewerke vom Sicherheitsdienst über die Sanitäter bis zur Feuerwehr oder Polizei sind eingebunden? Welche Havarie-Voraussetzungen sind beispielsweise bei einem Unwetter und Worst Case-Szenarien gegeben? Wie kommuniziert man am effektivsten schon im Vorfeld mit den Besuchern? Wie lassen sich die sozialen Medien einbinden?

Deine Chance

Alle Beteiligten, vom Veranstalter bis zu den Behörden, arbeiten seit Jahren an einer grundlegenden Änderung. So bietet das Internationales Bildungs- & Trainingszentrum für Veranstaltungssicherheit (IBIT) Fortbildungskurse mit routinierten Dozenten an. Zudem ist unter Federführung der Bergischen Universität Wuppertal das Projekt BASIGO ins Leben gerufen worden, dessen Ergebnisse als Grundlagen für Schulungen und praktische Umsetzung dienen sollen.In Deutschland ist die Ausbildung zum Crowd-Manager dennoch nicht genormt. Fühlst du dich zu dieser Aufgabe berufen, kannst du beispielsweise als Fachkraft für Veranstaltungstechnik beginnen, deinen Meister draufsetzen und dich mit Zusatzschulungen qualifizieren. Denkbar ist auch ein Psychologie- oder Soziologiestudium mit Zusatzmodulen. In England wird beispielsweise das Studienfach "Crowd & Safety Management" angeboten. Dass in der Schweiz eine "Fachstelle Crowd Management" installiert wurde, ist ein weiteres Zeichen, dass hier bald mehr passieren wird. Und auch in Deutschland stehen die Signale deutlich auf Grün. Es lohnt sich also, diese Richtung bereits jetzt einzuschlagen und die Entwicklungen im Auge zu behalten.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass belastbare Durchschnittszahlen zum Verdienst kaum vorliegen. Als Crowdmanager wirst du im Normalfall in der oberen Ebene eines Eventdienstleisters, Großveranstalters oder einer Security-Firma tätig werden. Du kannst also höhere Gehälter einfordern als die technischen Meister, womit sich sehr ansehnlich leben lässt. Nicht zu vergessen, dass viele Aufträge projektbezogen vergeben und outgesourced werden. Du hast also gute Chancen, dich selbstständig zu machen oder auf freiberuflicher Basis zu arbeiten.

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