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Test
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08.04.2014

Crane Song Syren 500 Test

API 500 Röhren-Preamp

Typisch Dave Hill!

Crane Song Syren 500 im Test bei bonedo – Dem ungebrochenen Sog des 500-Formats kann sich auch der amerikanische Hersteller Crane Song nicht entziehen. Nachdem der Falcon-Kompressor im bonedo-Test für Begeisterung sorgte, folgt nun der nächste Streich in Form eines Preamps – welcher abermals auf Röhrenbasis arbeitet.

Silbrige, gebürstete Frontplatte, quietschgrünen Knöpfe: Ein Crane-Song-Gerät erkennt man auf Anhieb. Dieses eher ungewöhnliche Farbschema ist jedoch gut gewählt, stellt es doch eine optische Entsprechung der Technik dar, die in diesem Look verpackt wird: Crane-Song-Geräte sind sehr eigenständige Designs eines „Autoren-Ingenieurs“ mit Mut zu unkonventionellen Ideen abseits ausgetretener Pfade. Nun ist ein Mikrofonvorverstärker in technischer Hinsicht eine relativ einfach aufgebaute Gerätegattung. Dass hier das Rad noch einmal komplett neu erfunden wird, zumal auf dem engen Raum eines 500-Moduls, davon ist wohl eher nicht auszugehen. Aber dennoch darf man gespannt sein, denn oft sind es ja Nuancen, die einem Studiogerät dann doch noch einen ganz eigenen Dreh verpassen. Das müssen nicht immer plakative Spezialfunktionen sein, besonders, wenn es sich um ein Gerät aus der Feder von Dave Hill handelt. Der Crane-Song-Mastermind hat Erfahrung genug, um sozusagen vor lauter Kür nicht die Pflicht zu verpassen. Man darf hier also einen Prozessor erwarten, der sich als Studio-Arbeitspferd auf professionellem Niveau keine Blöße geben wird, und bei dem es an der einen oder anderen Ecke einen interessanten Kniff geben wird. Mal sehen, wie das im Detail so aussieht!

Details

65 Dezibel Gain – für einen Tube-Preamp ausreichend viel

Als API-500-Modul mit einer Slotbreite verfügt der Syren über nicht viel Raum, aber dieser wurde gut genutzt. Immerhin finden sich in der kleinen Kassette Ein- und Ausgangsübertrager sowie eine Verstärkerschaltung, die auf den beiden Triodenelementen einer 12AX7-Röhre basiert, welche hier in Form zweier Gain-Stufen in Reihe geschaltet sind. Aus diesem Arrangement zieht der Syren ein maximales Gain von +65 dB – nicht im Preamp-Spitzenfeld, aber für einen Röhrenpreamp sehr ordentlich und in der Praxis in den allermeisten Fällen mehr als ausreichend.

Am Aufbau mit Input- und Output-Potis ist schon zu erkennen, dass hier das Audiosignal nicht nur einfach durchgeschoben werden soll. Ein solches Layout lädt zu Gainstaging-Experimenten ein, und damit zu Klangvariationen, die sich dann aufgrund des speziellen Sättigungsverhaltens der Doppeltriode geradezu zwangsläufig ergeben.

Sehr steiles Hochpassfilter

Bei den funktionalen Basics gibt sich der Crane-Song-Preamp keine Blöße. Er verfügt über ein Pad mit 15- und 25-dB-Settings, das im Signalweg bereits vor dem Eingangsübertrager liegt und deswegen die gesamte Preampschaltung vor Übersteuerungen durch ein extrem heißes Eingangssignal schützt. Dazu kommt die unvermeidliche Phasendrehung sowie Phantomspeisung, letztere leider ohne Status-LED. Eingangsseitig kann zwischen dem Mikrofon-Input auf der Lunchbox-Rückseite und dem DI-Input auf der Frontplatte gewählt werden. Dazu bietet der Preamp auch noch ein Trittschallfilter, das bei 90 Hz mit einer relativ großen Flankensteilheit von 24 dB/Oktave greift. Ein zweistufiger Preamp erlaubt schon aufgrund seiner grundsätzlichen Struktur Klangvariationen. Diese werden aber beim Syren mit Hilfe des Color-Schalters über das normale Maß hinaus erweitert. Dieser deaktiviert die Gegenkopplung der zweiten Röhrenstufe und lässt damit deren klangfärbenden Eigenschaften erst recht von der Leine. Gegenkopplung (englisch „negative feedback“) bedeutet, dass ein Teil des Ausgangssignals einer Stufe mit invertierter Phase wieder auf deren Eingang gegeben wird. Das drosselt zwar den maximal erreichbaren Ausgangspegel, lässt den Klang aber sauberer werden, da sich die klanglichen Eigenheiten der fraglichen Baugruppe auf diese Weise zumindest bis zu einem bestimmten Grad auslöschen.

Zwei Lundahl-Transformer

In klanglicher Hinsicht verspricht der Syren also, ein recht weites Feld abzudecken. Die Ein- und Ausgangsübertrager des schwedischen Herstellers Lundahl, die hier zum Einsatz kommen, gehören zu den transparenter und offener klingenden Varianten ihres Faches. Dies gilt insbesondere für den Ausgangsübertrager des Typs LL1585: Es handelt sich hier um ein Wicklungsmonster mit extrem hohem Headroom. Diese Übersteuerungssicherheit sorgt dafür, dass das Teil auch heiß gefahren nicht in die Knie geht: Eher wird das nachfolgende Gerät in die Sättigung getrieben. Auf der anderen Seite stehen eben die beiden Triodenstufen, mit denen eine prinzipiell sehr saubere Schaltung aufgebaut werden kann, die aber ebenso ein sehr schönes Sättigungsspektrum mit großen Anteilen der zweiten Harmonischen zur Verfügung stellen – insbesondere, wenn dieses Klangverhalten durch Abschaltung der Gegenkopplung in der zweiten Gainstufe forciert wird. 

Guter Aufbau ist Ehrensache 

Kleine Details wie die Overdrive-LEDs an beiden Preamp-Stufen runden den professionellen Eindruck ab, auch innerhalb des Gehäuses spiegelt sich dieser ausgesprochen saubere Approach wieder. Hier gehen SMD- mit konventionellen Bauteilen einträchtig Hand in Hand, verschiedne Schaltfunktionen sind mit Relais realisiert, und Lochbleche an den Schmalseiten des Gehäuses sorgen für ausreichend passive Kühlung durch Luftzirkulation. Dazu vermitteln die Bedienelemente ein sehr wertiges Gefühl. Die beiden Potis drehen sich angenehm schwergängig, die Schalter fühlen sich ausgesprochen solide an. In der Hardware-Konzeption gibt sich Crane Song also keine Blöße. Das sollte in dieser Preisklasse selbstverständlich sein, aber die vielen kleinen makellosen Details verraten, dass der Hersteller viel Erfahrung im High-End-Segment besitzt. Solch ein Hardware-Aufbau scheint demnach für Dave Hill nicht nur eine Sebstverständlichkeit, sondern Ehrensache zu sein.

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