Bass Hersteller_Cort
Test
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12.12.2018

Cort B4FL MHPZ Test

Viersaitiger bundloser E-Bass

Bundlos glücklich!

Die Firma Cort zählt zu den größten Instrumentenherstellern auf der Welt. Zahlreiche Firmen legen die Produktion gerade ihrer günstigen und mittelpreisigen Modelle in die Hände der indonesischen Company. So hat jeder von uns sicher schon mehrere von Cort gebaute Bässe in der Hand gehabt, ohne es zu wissen. Natürlich bietet Cort auch unter eigenem Namen eine Vielzahl an Instrumenten und verlässt sich dabei nicht wie viele andere Hersteller auf das Kopieren erfolgreicher Klassiker. Mit den Artisan- und Action-Modellen hat Cort ganz eigenständige Designs am Start. Ein ganz besonderes und mutiges Exemplar aus der Artisan-Serie liegt mir heute vor: der B4FL MPHZ. Das Modell ist ein halbakustischer Fretless mit 26 "virtuellen" Bünden und F-Loch in der Decke. Schon auf den ersten Blick weiß man, dass es sich hier nicht um einen alltäglichen Bass handelt, sondern um ein Instrument für einen kleinen aber feinen Kundenkreis. Daher ist es umso mutiger von Cort, einen Exoten zu bauen.

Details

Ein etwas emotionalerer Name als "B4FL MPHZ" wäre für einen derart außergewöhnlichen Bass zwar schon angebracht, aber egal ‑ schauen wir auf die Zutaten dieses Schmuckstücks. Der Korpus besteht aus Mahagoni und wurde mit Hohlkammern versehen ("gechambered"). Dies dient nicht nur zur Reduzierung des Gewichts, sondern soll das Instrument einerseits schwingfreudiger machen sowie andererseits eine akustische Komponente in den verstärkten Ton bringen.

Zur Farbe des Finish gibt es leider keinerlei Angaben (zumindest zur Zeit dieses Tests), der Verlauf von Braun nach Schwarz deutet aber auf ein Brown-Burst oder Ähnliches hin. Die Decke aus Blackwood besitzt ein F-Loch, durch welches der Schall entweichen kann. Dadurch soll der B4FL MHPZ auch ohne Verstärker etwas lauter sein als eine herkömmliche Konstruktion mit massivem Korpus.

Auf dem vierfach verschraubten Ahorn-Hals bietet ein Griffbrett aus Jatoba dem Spieler ganze 26 "Bünde" zum Austoben an. Da hier kein Pickup den Weg versperrt, kann der Hals deutlich weiter in den Korpus hineinragen und das Griffbrett ist somit länger. Um die Intonation zu erleichtern, gibt es statt Bundstäbchen dezente schwarze Linien.

Auf der Cort-typischen Kopfplatte, die übrigens passend zum Korpus auch mit Blackwood furniert ist (matching Headstock), sind die Hipshot-Ultralite-Stimmmechaniken im Verhältnis 2:2 montiert. Auf der Kopfplatte befindet sich unter einem kleinen Deckel aus Kunststoff auch der Zugang zum Halsspannstab.

Neben dem F-Loch gibt es noch ein weiteres interessantes Detail auf dem Korpus. Ein Thumb-Rest bietet dem Daumen der Anschlagshand eine komfortable Auflagefläche. Inklusive Pickup hat man somit sehr viel Platz, seine Anschlagshand zu positionieren. Je nach Position ändert sich ja bekanntlich auch der Klang - mehr Auflagefläche bedeutet also auch mehr Möglichkeiten an Sounds!

Apropos Sounds: der Cort besitzt zwei unterschiedliche Tonabnehmersysteme, einen "normalen" magnetischen Bartolini MK-1 und zusätzlich pro Saite einen Piezo-Pickup. Diese sind in die Saitenreiter der Brücke integriert. Für jedes System steht jeweils ein Volume-Regler und eine Tonblende zur Verfügung, die Elektronik scheint also passiv zu sein. Allerdings wird dennoch eine Batterie benötigt, denn das Piezo-System benötigt Strom, sonst geht nix.

Ein Aspekt erschließt sich mir dabei allerdings nicht: Ohne Batterie herrscht komplette Stille, auch der magnetische Bartolini-Pickup mit passiver Tonblende liefert dann kein Signal. Das hätte man sicherlich eleganter lösen können, so dass beim Versagen der Batterie ein Weiterspielen mit einem Tonabnehmer trotzdem möglich ist.

Über die Verarbeitung braucht man bei Cort-Bässen eigentlich nicht zu reden. Die Company verfügt über ausreichend Erfahrung und weiß bei jedem Schritt in der Fertigung, was sie tut. Alles ist auf hohem Niveau und es gibt rein gar nichts zu beanstanden. Wer sich auf den Fotos über das etwas größere Spaltmaß am Übergang von Hals zu Korpus wundert ‑ dieses ist notwendig, damit die Decke bei klimatischen Veränderungen etwas arbeiten kann. Auch daran wurde also gedacht!

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