Gitarre
Test
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08.11.2018

Praxis

Die Moby Dick Production Line Gitarre pendelt sich im Sitzen und auch am Gurt perfekt in der Waagerechten ein und lässt sich dank der sehr guten Werkseinstellung mühelos über das gesamte Griffbrett bespielen. Es dauert einen kleinen Moment, sich an die gefächerten Bünde, die siebte Saite und die fehlende Kopfplatte zu gewöhnen. Lässt man sich aber darauf ein, zeigt sich das Instrument absolut stimmig in punkto Bespielbarkeit. Aufgrund der fehlenden Kopfplatte und des verkleinerten Korpusdesigns wirkt die Gitarre ausgesprochen handlich, fast schon zierlich, was dem Handling natürlich sehr entgegenkommt. Aber das hat leider auch einen kleinen Nachteil, denn die Gitarre lässt sich konstruktionsbedingt schlecht abstellen. Auch in einem Stativ muss der richtige Winkel getroffen werden, damit sie an Ort und Stelle bleibt. Vereinfacht wird dies mit einem Kabel mit geradem Klinkenstecker, das als Stütze dienen kann, das Ganze aber sicher nicht mit einem langen Kabelleben belohnt. Und für meinen Geschmack könnten die Tuner leichtgängiger arbeiten. Aber das soll es auch schon aus der Mecker-Abteilung gewesen sein, es wird Zeit für ein paar Audiobeispiele.

In den folgenden Audiofiles spiele ich die Claas-Gitarre über einen Marshall JVM 410 und nehme die angeschlossene 2x12" Box mit einem SM 57 ab. Zwei Vintage 30 Speaker verrichten in dem Cabinet ihr Werk. Weitere Klangverbiegungen habe ich natürlich nicht vorgenommen.

Trocken angespielt liefert die Moby Dick einen in den Frequenzen ausgeglichenen Klang mit lang anhaltendem Sustain. Dabei geht sie recht perkussiv ans Werk und kann aufgrund ihrer ausgezeichneten Werkseinstellung mit einer sehr guten Bespielbarkeit punkten.

Uns interessiert aber, wie sie am Amp agiert, daher geht es jetzt direkt mit dem cleanen Kanal des Marshalls und dem Hals-Pickup los, im zweiten Durchgang schalte ich dann auf den Kollegen am Steg. Im zweiten Beispiel spiele ich eine Picking-Figur auf den hohen Saiten.

Die Gitarre erzeugt den von Humbuckern bekannten mittig-punchigen Sound, wobei der Hals-Pickup mit feinen Höhen und viel Draht im Klang heraussticht. Der Steg-Pickup wirkt im Vergleich dazu etwas höhenärmer, auch das ist nicht ungewöhnlich.

Ich schalte nun in den Crunch-Kanal des Marshalls und spiele erst den Hals-, dann den Steg-Pickup an. Im zweiten Beispiel lege ich den Fokus auf die tiefen Saiten, wobei ich ebenfalls vom Hals- auf den Steg-Pickup schalte.

Auch hier fällt in beiden Beispielen das erweiterte Höhenbild des Hals-Humbuckers auf, das für einen drahtigen und perkussiven Klang sorgt. Der Kollege am Hals drückt mit seinem deutlich ausgeprägten Mittenbild einen trockenen Rocksound aus den Speakern, lässt dabei aber nicht die dringend benötigten Attacks vermissen.

Ich schalte nun einen Gang höher in den High-Gain-Kanal des Amps und anschließend in beiden Beispielen vom Hals- auf den Steg-Humbucker.

Dank der verlängerten Mensur der tiefen Saiten werden die gespielten Töne sauber und ohne hörbares Einschwingen wiedergegeben. Der Steg-Pickup fühlt sich hörbar wohl bei höheren Gain-Settings und liefert einen direkten und mit ordentlich "Growl" versehenen Sound. Der Hals-Pickup kann auch hier punkten, da er mit seiner Transparenz und dem ausgeprägten Höhenbild einen deutlichen Kontrast bildet.

Abschließend spiele ich noch ein kleines Lead-File ein, natürlich erst mit dem Hals-, dann mit dem Steg-Pickup.

Der High-Gain-Kanal des Marshalls ist definitiv ihre Spielwiese, denn die Moby Dick liefert mit beiden Pickups ausgesprochen authentische und dick klingende Rock/Metal-Sounds, die sich sich auffallend nebengeräuscharm zeigen. Dank der guten Werkseinstellung geht das Solieren locker von der Hand.

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