Hersteller_Chandler_Ltd
Test
2
15.03.2016

Fazit
(5 / 5)

Nun, es sind nicht Namen, und es ist auch nicht Equipment, das Studios, Engineers und Musiker berühmt macht. Aber es sind die Namen EMI, Abbey Road und Beatles, deren Erfolg zumindest zu einem kleinen Stückchen auf einem charaktervollen Preamp fußt. Und somit ist der Chandler Limited Abbey Road Studios Mic Amplifier Type REDD.47 E.M.I. (so lautet schließlich der volle Name) ein herausragender Vorverstärker – nicht nur, was die illustren Begriffe angeht: Klanglich steht der REDD in einer Reihe mit API, Neve, Siemens und anderen Charaktermonstern. Und natürlich spielt das Hard-to-get-Spielchen auch eine entscheidende Rolle bei der Wiedererweckung seines Mythos, denn „echte“ REDD.47-Preamps gibt es so gut wie nicht zu kaufen. Es gibt DIY-Nachbauten und Anlehnungen. Bisher. Jetzt gibt es den Chandler.

Sicher: Für den EMI-Mic-Pre zahlt man einen der höchsten Beträge, die man pro Kanal überhaupt ausgeben kann. Das ist heftig. Mir fallen spontan sonst nur Siemens-V72-Nachbauten des verstorbenen TAB-Funkenwerk-Genies Oliver Archut und andere Ultra-Exoten ein, die als reine Preamps ebenso viel oder mehr kosten. Ich zittere ein wenig bei diesen Zeilen, doch muss ich sagen: Der REDD.47 ist den hohen Preis durchaus wert. Er klingt unnachahmlich, ist dabei aber erstaunlich flexibel. Der Chandler-REDD ist einerseits schlicht und einfach die einzige Möglichkeit, den Preamp-Sound der wichtigen mittleren Sechzigerjahre des wahrscheinlich wichtigsten Studios der Welt zu kaufen. Andererseits ist er bestimmt nicht auf Sechziger-, Abbey-Road- und Beatles-Sound festgenagelt, sondern einfach ein unfassbar genialer Preamp. Danke, Chandler. 

  • Pro
  • unfassbar reicher Charakter
  • Färbung weit regelbar
  • interessantes Hochpassfilter
  • sehr gut auch mit Line-Signalen nutzbar
  • sehr gutes DI-Signal
  • Contra
  • recht wenig maximales Gain
  • Features und Spezifikationen
  • einkanaliger Röhren-Mikrofonvorverstärker
  • von Abbey Road Studios lizensierter Nachbau des REDD.47 aus der REDD.51-Konsole
  • DI-Input
  • neunstufiges Hochpassfilter
  • Polaritätsinvertierung
  • 48 Volt Phantomspeisung
  • Pad
  • akzeptiert Line-Signale
  • bis zu 57 dB Gain
  • eingebautes Netzteil
  • 19"/2HE
  • Preis: € 3538,– (UVP)

Zugegeben: Es gehört nicht in einen Testbericht, doch hier möchte ich unbedingt ein paar Anspieltipps geben. Es gibt hervorragende Produktionen, die mit der REDD.51 gefahren wurden und in denen somit fast ausschließlich REDD.47-Preamps zu hören sind. Neben allen Beatles-Studioalben von „A Hard Day's Night“ bis „Yellow Submarine“ – ich würde jetzt spontan einmal „Beatles For Sale“ und „Revolver“ nennen – ist es nicht verkehrt, sich alleine aus klangästhetischer Sicht „The Piper At The Gates Of Dawn“ von Pink Floyd, „The Madcap Laughs“ ihres Ex-Frontmannes Syd Barrett, die unfassbare „Odessey And Oracle“ von The Zombies und das erste Konzeptalbum der Musikwelt auf die Ohren zu geben: „S.F. Sorrow“ von „The Pretty Things“.

3 / 3

Verwandte Artikel

User Kommentare