Test
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22.05.2010

Details

Der Germanium Compressor ist Bestandteil einer kleinen Serie. Unter des Kompressors Geschwistern finden sich ein Mikrofon-Preamp mit D.I. sowie der “Tone Control”, also ein EQ. Allen Geräten ist neben der Verwendung von Germanium-Transistoren gemein, dass sie eine Höhe von 1HE bei 19” Breite besitzen. Einen Chandler Germanium Compressor bestellen und ins Rack schrauben kann man natürlich gerne, doch hat man damit erst einmal eine recht teure Rackblende erstanden. Warum das so ist? Nun, zum Betrieb ist ein externes Netzteil vonnöten, welches bis zu zwei unterschiedliche Chandler-Geräte mit Lebenssaft versorgen kann. Die PSU-1 MKII muss separat erworben werden. Natürlich ist das kein fieser Verkaufstrick des Herstellers, wie wir ihn zum Teil aus anderen Branchen kennen, sondern im High-End-Sektor verbreitete Praxis. Auch wenn es sich bei dem EUR 200 teuren Gerät “nur” um ein Netzteil handelt: Eine stabile und saubere Stromversorgung ist extrem wichtig, die Auslagerung der durch ihre möglichen Einstreuungen für die Audioqualität gefährlichen Einheit ist absolut sinnvoll. Das unscheinbare Netzteil verfügt über einen Netzschalter, eine Wechselsicherung und eine LED auf der Vorderseite, die Spannungsversorgung der 19”-Geräte erfolgt über die beiden rückseitigen, vierpoligen XLR-Buchsen, deren spannungsführende Pins im Handbuch mit +28V, -28V und 48V angegeben werden. Auf der Rückseite findet man weiterhin zwei Bananenstecker-Buchsen, die im Auslieferungszustand mit einem 10-Ohm-Widerstand “kurzgeschlossen” sind. Hier kann der Nutzer bei Bedarf mit zwei separaten Massen arbeiten.

Da sich der Netzschalter aufgrund des externen Netzteils nicht am Kompressor befinden kann, wird der Schalter “In/Out” eine andere Aufgabe haben. Richtig: Der Chandler verfügt über einen Hard-Bypass, der sich ganz links an das Meter anschmiegt. Dieses Instrument mit dem großkopfigen Zeiger informiert immer und ausschliesslich über das Input Level – eine Umschaltung auf Gain Reduction oder Output gibt es nicht. Unter den Bedienelementen finden sich selbstredend solche, die man an einem Kompressor erwartet, darunter Attack, Release und Ratio. Letztgenannter Parameter ist nicht frei einstellbar, sondern wird in 10 Schritten (also bis 11) geschaltet. “We don´t know what the ratios are, so don´t ask!!!” gibt der Hersteller auf seiner Webseite zu Protokoll. Zahlen sind nur Schall und Rauch und haben für einen Soundmacher wie diesen Verdichter keine große Aussagekraft, daher kann man Chandler Ltd. deswegen nicht wirklich böse sein. Dennoch: Meinen Beobachtungen zufolge beginnt der Spass aber bei etwas mehr als 1:1 und endet mit Limiting jenseits der 15:1. Was zu Beginn der Serie noch mit “Threshold” auf der Frontplatte verzeichnet war, nennt sich heute technisch richtiger “Input”. Hier wird deutlich, dass das Rotationspunkt-Prinzip zur Anwendung kommt. Wo wir gerade bei Levels sind: Im Produktionsalltag ist Parallel Compression mittlerweile angekommen, was sich bei Chandlers Dynamikgerät in einem Dry-/Wet-Regler manifestiert. Auch ein Make-Up-Gain findet man an dieser Einheit übrigens nicht, an dessen Stelle steht die Verstärkung (und damit Verzerrung) über den Germanium-Amp mit den Parametern Drive und Feedback. Feedback ist keine Umschreibung, sondern bezeichnet, was dieses Poti tatsächlich tut, nämlich ganz simpel den Output dieser Stufe wieder dem Eingang zuführen.

Das Umlegen eines kleinen Schalters kann ja bekanntlich viel bewegen. Einer dieser Vertreter wird sicherlich der “Dirty Comp / Clean Comp” sein. Wie zu erwarten, erhöht sich bei “Dirty” der Anteil der THD zweiter und dritter Ordnung um den Faktor zehn auf bis zu 5%. Chandler bezeichnen dies als “eimerweise” Hinzufügung von Zerrung. Das klingt verheissungsvoll! Ein äusserst wichtiges Bedienelement des FET-Kompressors ist der “Comp Curve”-Schalter, mit dem sich auswählen lässt, welche Schaltung die Ratio regelt. Der User hat die Wahl von der sanften Widerstand-Schaltung über eine oder fünf Germanium-Dioden, eine einzelne oder doppelte Siliziumdioden-Schaltung bis hin zum Einsatz der aus einem anderen Chandler-Gerät beliebten Spezialversion von Silizium-Dioden, der Zener-Diode mit ihrem äusserst hartem Compression Knee. Der kleine Schalter “Link” ermöglicht über die unbeschriftete Klinkenbuchse auf der Rückseite die gemeinsame Bearbeitung der Parameter Threshold (“Input”), Attack und Release in Stereo- und Mehrkanal-Setups bis 5.1. Bei einem solch flexiblen Gerät wäre es ja auch wirklich schade, wenn man nicht auch zwei davon im Stereo-Betrieb nutzen könnte, zumal ein Netzteil zwei Einheiten versorgen kann. Der Sidechain ist nicht einfach schaltbar, sondern verfügt zudem über ein Highpass-Filter, das von 30 bis 300 Hz in fünf Stufen eingestellt werden kann.

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