Test
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24.05.2017

Praxis

Das ausschlaggebende Herstellerargument für den Cameo UVO ist dessen Vielfalt. Zumal Multifunktion im Gesamtzusammenhang nicht selten einen Kompromiss hinsichtlich der Einzelkomponenten bedeutet, schauen wir uns die verschiedenen Sektionen zunächst mal einzeln an. Die im Raum stehende Frage: Sind allesamt auch separat effektiv oder handelt es sich um abgespeckte Einzelkomponenten, die erst im Zusammenspiel wirklich punkten können? Zunächst mal nur eine der erfreulichen Nachrichten: Die Effekte können sowohl einzeln und unabhängig voneinander als auch individuell kombiniert oder im Gesamtverbund zum Einsatz kommen.

Washlight – RGB und UV Hand in Hand

Für die Lichtausbeute der Washlight-Sektion sorgen insgesamt 9x 4 Watt starke RGB UV LEDs, die auf drei Flächen jeweils zu dritt verteilt sind. Die Farben und Farbkombinationen zeigen sich im Test sehr abwechslungsreich und ergiebig. Interessant dabei ist die Wirkung: Dadurch dass die Basisflächen abgeschrägt sind, entsteht ein weitreichender Abstrahlwinkel – wie übrigens auch bei den Flower-Spots. Unter dem Strich steht angenehm raumfüllendes und breit abstrahlendes Licht – so denn der Raum nicht allzu groß ist. Die Washlight-Spots bieten ein großes Farbspektrum inklusive UV. Schon dieses Effektlicht allein erzielt treffsichere Illumination.

Flower-Effekte – harmonisches Farbspektrum

Ebenfalls bestens funktional präsentieren sich die Flower-Strahler. Bei satten 84 Strahlen entsteht ein harmonisches und gleichmäßiges Lichtbild. Und dabei lassen sich die Farben ideal miteinander mischen, sogar bei den Farben Gelb und Weiß. Es handelt sich um RGBA-LEDs, die also mit der Farbe „A“ (Amber) gute Farbmischung in den ansonsten etwas schwierigeren LED-Bereichen ermöglichen und gefühlt warmes Licht emittieren können.

Farbanwahl und Farbkombination sind wirklich nicht das geringste Problem. Speziell dann, wenn man das System per DMX fährt. Bei anderen Steuerungs-Modi ist die Ausbeute natürlich zunächst begrenzt, dennoch bereits beachtlich. Bereits bei den Statics, Auto- und Sound-to-Light-Mode können die Farben, Dimmer-Funktionen, Wechsel und mehr ganz simpel angewählt und editiert werden.

Strobe mit stufenlos einstellbarer Blitzrate

Im mittigen Strobe-Sektor sind in kreisrunder Anordnung die Strobe-LEDs verbaut. Interessant an dieser Stelle ist nicht nur, dass es sich um insgesamt 12 weiße LEDs mit einer Leistung von je 0,5 Watt handelt, die sich mühelos in ihren Strobe-Intervallen einstellen lassen. Die lichteffiziente Wirkung wird noch dadurch verstärkt, dass die LEDs je nach eingestelltem Programm einzeln, paarweise, alle gemeinsam oder wie auch immer gewünscht gefahren werden können.

Auch Lauflichteffekte sind damit jederzeit möglich. Die Strobes haben angesichts der Leistungsdaten natürlich nicht das Potenzial zum Blinder. Aber das ist auch nicht deren Sinn. Sie machen, was sie sollen und garnieren das Lichtmenü mit ergiebiger Leuchtstärke.

Gemusterte Laservielfalt

Beim Laser handelt es sich um einen DPSS-Laser der Kategorie 3R. Als duale Ausführung verfügt er über zwei verschiedene Leuchtdioden: eine rote und eine grüne. Dahinter verbergen sich – sorry für den Mode- bzw. IT-affinen Ausdruck – wunderschöne Grafikprogramme und sehenswerte Muster, die beispielsweise im Auto-Betrieb sehenswert und harmonisch ineinander übergehen.

Klar, damit können die unterschiedlichsten Songs musiksynchron inszeniert werden. Wirklich optimal kommen sie zur Geltung, wenn der Aufleger beispielsweise romantische Balladen fährt. Da bleiben keine Fragen mehr offen. Die Lightshow kann damit wirklich sehr emotional unterstützt werden. Im Zusammenspiel mit den anderen Effektkomponenten wird das Lichtbild beachtlich dicht und homogen. Gegen Fremdzugriff bzw. unabsichtliche Betätigung gesichert ist der DPSS-Laser mit einem Schloss auf der Anschlussseite. Erst wenn der Schlüssel gesteckt und entsprechend eingerastet ist, zeigt der Laser seine Qualitäten.  

Ab ins Menü und schauen, was geht

Ins Menü mitsamt sämtlichen Einstellmöglichkeiten von Dimmer bis Farbwahl, Intervallen, Autoprogrammen und mehr geht es über das Display, respektive die darunter verbauten Bedientaster. Die sich automatisch einschaltende Display-Sperre wird mit einem Dauerdruck über ein paar Sekunden aufgehoben. Geht relativ zügig und die „Warteschlange“ fällt auch bei der üblichen Ungeduld des Bedieners kaum negativ ins Gewicht. Im Gegensatz zu manch anderem Hersteller teilt Cameo die Funktionen der Bedientaster von rechts nach links in der Reihenfolge Mode, Enter, Up und Down auf.

Mit den Tastern geht’s ganz simpel durch den Menü-Baum, der sich in üblicher Manier wie ein Fächer vom Hauptmenü bis zu den Sub-Menüs immer weiter ausbreitet und verästelt. Eingestellt wird hier – so es denn benutzt wird – der DMX-Modus, dann geht es einfach fröhlich weiter. Damit man nicht in einer Menüsuppe rumrührt, ohne zu wissen, in welchen Topf man gerade greift, wird mit den kleinen LEDs links und rechts vom Display signalisiert, welcher Modus aktuell aktiviert ist. Das macht Sinn.

DMX & Co.

Der UVO von Cameo kann per Musiksteuerung mit den integrierten Autoprogrammen, als Master oder Slave gefahren werden. Optimaler Weise wird die funktionale Ausbeute selbstverständlich eingebunden in das DMX512-System. Dafür stellt er den 3-, 5-, 12-, 27 und 32-Kanal-Modus zur Verfügung. Hier lassen sich mit jeder handelsüblichen DMX-Software die gesamten Unterfunktionen inklusive der Farbparameter, Effektkombinationen, Scene-Wechsel, Chases etc. konfigurieren.

Die Mode-Taste wird einfach so oft gedrückt, bis DMX erscheint, schon stehen die notwendigen Attribute wie DMX-Adresse, DMX-Kanal-Modus und so weiter parat. Auf der Anschlussseite sind DMX-In für den Anschluss am Controller und DMX-Out für die Weiterleitung mit anderen Geräten vorhanden.

Simpler als die Fernbedienung am Fernseher

Wer es besonders simpel und pragmatisch mag, verwendet für die Steuerung ganz einfach die im Lieferumfang enthaltene IR-Remote. Winzig klein, handlich und zugleich effektiv. Zumal die Funktionen auf der IR-Fernbedienung schon nahezu alles beinhalten, was bei der Show wirklich zum Einsatz kommen wird, wollen wir den im Visitenkartenform gehaltenen Kameraden ein wenig genauer betrachten. Der Grund für den Blick auf die IR-Remote: Sie zeigt so angenehm pragmatisch auf, welche Funktionalitäten man im Live-Betrieb realistisch und ohne Schickschnack auch verwenden wird. Kurz damit beschäftigen, welche Taster mit welchen Funktionen belegt sind, dann geht die Bedienung wirklich zügig und intuitiv von der Hand.

Am Anfang steht die „On/Off-Taste mit Blackout-Funktion“. Auf selber Höhe der Taster-Reihe werden die Auto-Programme angewählt, was in diesem Fall ein Mix-Ablauf aus sämtlichen Effekten ist. Ebenso simpel die Aktivierung der Musiksteuerung. Lediglich ein Knopfdruck und schon geht’s los.

Es folgt die Zeile mit der Farbauswahl für die PAR-Strahler, der Pausentaste und der Farbwahl für die Flower-Effekte. Gut festhalten – nicht euch selbst, sondern die Fernbedienung – es geht weiter: Separat aktivieren über die Tasten A, B, C lassen sich nun die PAR-Strahler, die Flower-LEDs und der Laser. Allesamt immer mit Zugriffsmöglichkeit auf das Untermenü. Fehlen noch die Zifferntasten, mit denen die Laufgeschwindigkeit eingestellt wird, eine weitere Taste für die Musiksteuerung und die Aktivitätstaste für die Strobe-Programme. Das war’s. Mehr braucht ihr bei üblichen Lichtkonzepten nicht.

Gewünscht hätte ich mir, dass man die Auto-Programme hier direkt anwählen kann. Aber kein Problem, das wäre vermutlich zu viel verlangt und muss eben – bei Bedarf – per DMX umgesetzt werden. Ob DMX-Konfiguration oder IR-Remote ist damit allenfalls noch eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Umfangs des Setups. Wer einfach nur als DJ, Entertainer oder Alleinunterhalter kleine bis mittelgroße Veranstaltung beschallen und beleuchten will, wird möglicherweise auf die IR-Variante setzen. Es ist so schön simpel. Problematisch könnte allenfalls die Distanz zum Gerät sein. Mehr als etwa 4,5 Meter sollten es nicht sein, ansonsten droht der Kamerad mit Nichtbeachtung und nimmt die Steuerungssignale einfach nicht wahr.

Facettenreiche Autoprogramme

Auffällig ist, dass die Autoprogramme über sämtliche Effekte hinweg sehr einsatztauglich und Gig-freundlich sind. Was da werksseitig zur Verfügung gestellt wird, hat nichts mit marketingoptimiertem Blendwerk zu tun. Die Scenes und Auto-Programme machen Spaß und können bestens genutzt werden. Als ebenfalls angenehm empfinde ich, dass zueinander passende Programme eine geradezu durchkomponierte Abfolge zu haben scheinen. Das baut sich alles dynamisch steigernd auf, ohne in den unnützen Bereich abzudriften. Ein Licht kommt eben nur dann beim Zuschauer an, wenn es die Emotionen trifft und die Effekte sich Stück für Stück verdichten. Das passt einfach. Gefällt mir sehr gut.

Geräuschentwicklung

Der Hersteller bewirbt dieses Gerät mit „geräuscharmen Lüftern“. Das stimmt nur zum Teil, entscheidet sich nämlich daran, was man als leise empfindet. Fakt ist, dass der UVO von Cameo auch im Blackout ein permanentes Hintergrundgeräusch entwickelt. Im üblichen Road-Betrieb wird das DJs und Bands kaum stören, stattdessen zwischen Musik und Stimmen der Gäste unbemerkt verschwinden. Soll der Lichtkamerad allerdings bei der Warenpräsentation oder bei der sensiblen Vorführung im Kleinkunsttheater etc. zum Einsatz kommen, könnte das Geräusch durchaus leicht störend wirken.

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