Bass Hersteller_Bugera
Test
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20.04.2012

Bugera BVP5500 Test

Hybrid-Bass-Topteil

Röhre meets Transistor

Hinter dem wohlklingenden Namen „Bugera“ verbirgt sich nicht etwa ein italienisches Designerlabel oder der brandneue Sportflitzer von Lamborghini,  sondern eine Tochterfirma des Equipmentriesen Behringer, der unter diesem diesem Label ambitionierte Amateure und Profimusiker mit leistungsstarken Verstärkern und Boxen versorgen will. Auch in der stark umkämpften Basstop-Mittelklasse im 500 Watt Leistungsbereich überlässt Bugera das Feld nicht der Konkurrenz und hat mit dem Hybrid-Verstärker BVP5500 ein passendes Modell für den interessierten Bassisten im Portfolio.

Der Aufbau und die Features des BVP5500 sind zwar nicht innovativ, die Ausstattungliste aber dafür stattlich und der äußerst attraktive Straßenpreis von deutlich unter 300€ schont zusätzlich das Budget. Ob der Bugera seine vielversprechenden Werte effektiv auf die Straße bringen kann oder eher dem fragwürdigen Konzept „Viel bringt viel“ folgt, erfahrt ihr in diesem bonedo-Test. 

DETAILS

Der BVP5500 ist ein klassischer Hybrid-Amp mit vier 12AX7-Röhren in der Vorstufe und einer kräftigen Transistorendstufe, der Bugera eine Spitzenleistung von 550 Watt attestiert. In einem 19-Zoll-Rack nimmt der fast 13 kg schwere Verstärker zwei Höheneinheiten in Anspruch, auf der Frontplatte sind bereits vier Bohrungen, der Einbau geht also schnell von der Hand. Wer den Boliden ohne Rack transportieren möchte, findet, ebenfalls an der Front zwei große Bügel zum „Anpacken“. Vier Gummifüße auf der Rückseite schützen die Anschlüsse und Regler beim Abstellen. Und natürlich hat der BVP auch auf der Unterseite Gummis, damit er nicht auf den Boxen hin und her rutscht, was bei dem satten Gewicht des Tops aber eher unwahrscheinlich sein dürfte. Transportfreundlichkeit ist nicht unbedingt die Stärke des relativ großen und schwergewichtigen BVP5500, dafür ist er aber sehr solide konstruiert, und die Verarbeitung ist absolut in Ordnung - gerade im Bezug auf den doch recht günstigen Preis. 

Die Frontplatte aus gebürstetem Aluminium mit dem schwarzen, eingelassenen Bedienpanel hat eine geradlinige, aber auch durchaus edle Anmutung, und den Soundtüftlern unter euch wird es beim Blick auf die zahlreichen Klangwerkzeuge Tränen der Entzückung in die Augen treiben. Die ersten EQ-Presets warten direkt in der Preamp-Sektion in Form von beleuchteten Tastern auf ihren Einsatz. Neben der Eingangsklinke und über dem Pad-Switch, mit dem das Eingangssignal für aktive Bässe um 15 dB abgesenkt werden kann, sitzt das „Bright“-Preset. Damit kann der Sound direkt im unteren Höhenbereich, nämlich bei 2 kHz, um 6 dB angehoben werden. Die nächsten beiden  Sound-Switches parken neben dem Gain-Regler: ein Ultra-High+-Preset für den 6dB-Boost bei 5kHz und der Ultra-Low-Taster zum Anfetten des Tons. Hier werden aber nicht nur die Bässe bei 50 Hz gefeatured, zusätzlich nimmt der Switch die Mitten bei 560 Hz um deutliche 12 dB zurück und boostet nochmals dezent die hohen Frequenzen bei 5 kHz. Dahinter verbirgt sich also ein mittenarmes Preset, ähnlich den „Contour“- oder „Enhance“-Features anderer Verstärker, das sich für donnernde Slap- oder attackstarke Pick-Sounds empfiehlt.

Zum schnellen Anpassen des Tons an die Umgebung oder das verwendete Instrument steht ein Bass/Mid/Treble-EQ mit vier Reglern zur Verfügung. Vier Regler deshalb, weil die Mittensektion mit einem Raster-Poti zur Anwahl von fünf verschiedenen Mittenfrequenzen  (220Hz bis 3kHz) ausgestattet ist. Die anderen drei Potis heben oder senken die betreffende Frequenz, der Bassregler greift bei 50 Hz, der Mittenregler abhängig vom Frequenzwahlschalter und die Höhen können bei 5 kHz beeinflusst werden.

Die Output-Abteilung wurde auf dem Frontpanel des BVP5500 relativ mittig platziert. Hier findet sich neben dem Masterregler zum Einstellen der Endlautstärke noch ein Poti mit der Bezeichnung „Valve Drive“. Klar, hiermit wird das Röhren-Gain stufenlos angehoben, der Sound sollte also während des Aufdrehens zunehmend „schmutziger“ werden. Bei der üppigen Ausstattung des Bugera-Tops fehlt natürlich auch der „Mute“-Schalter nicht. Der Ausgang kann per mitgeliefertem Fußschalter oder dem beleuchteten Switch stummgeschaltet werden, was die Nerven der Bandmitglieder beim Stimmvorgang schont. Ebenfalls per Fußchalter lässt sich die EQ-Taste unterhalb des Mute-Schalters bedienen. Sie aktiviert den 9-Band Grafik-EQ, mit dem der Sound, zusätzlich zu den EQ-Presets und der herkömmlichen Klangregelung, geformt werden kann. Starke EQ-Einstellungen führen oft zu drastischen Lautstärkeveränderungen, und auch daran hat Bugera gedacht und dem Grafik-EQ einen Level-Regler spendiert, mit dem sich solche Differenzen schnell ausgleichen lassen. Alles in allem ganz schön pfiffig, mit diesem EQ kann man sich einen zweiten, komplett anderen Sound schrauben und mit dem Fußtaster blitzschnell abrufen.

Die Rückseite

Der BVP5500 ist aber nicht nur mit EQ-Tools reich gesegnet. Auch in puncto Verbindungsmöglichkeiten bietet er alles, was man von einem modernen Amp erwartet. Auf der Rückseite kann der Amp per Klinken-Insert-Chanel mit einem anderen Preamp oder einer Endstufe erweitert werden, zum Einschleifen von Effekten steht ein Loop mit Return- und Send-Klinken-Buchsen zu Diensten, und das Stimmgerät wird in die „Tuner Output“-Klinkenbuchse gesteckt. Ein Fußschalter wird, wie oben bereits erwähnt, lobenswerterweise mitgeliefert, der Klinkenanschluss dafür ist natürlich auch auf der Rückseite zu finden. Die Line-Output Sektion besteht aus einem symmetrischen XLR-Ausgang inklusive Groundlift-Schalter gegen Brummschleifen und einem Pre/Post EQ-Switch. Zusätzlich kann die Signalstärke mit einem kleinen Regler justiert werden. An eine zeitgemäße Speakonbuchse kann die Lausprecherbox angeschlossen werden, parallel stehen aber auch noch zwei Klinkenausgänge zur Verfügung. Für ausreichend Kühlung hat Bugera ebenfalls gesorgt, auf der Rückseite sitzt ein großer Lüfter, der eine Überhitzung des Amps verhindert.

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