Bass
Test
7
04.06.2013

Praxis

Der Akustikbass lässt sich, zumindest im Sitzen, sehr angenehm spielen. Der Hals fasst sich wie ein mitteldickes E-Bass C-Profil an, und man fühlt sich schnell zuhause, zumal der Korpus nicht allzu groß ist und eine relativ komfortable Position der rechten Hand erlaubt. Umgehängt verhält sich der EBR3 etwas widerspenstiger, weil der Hals doch sehr nach unten zieht. Das ist bei akustischen Bässen leider die Regel, der leichte Korpus bringt einfach zu wenig Gegenwicht auf die Waage. Will man den Bass in eine ausbalancierte Position bringen, braucht es etwas Gegendruck des rechten Arms, aber damit hängt der Bass dann ganz passabel am Körper. Das Setup meines Testkandidaten ist ab Werk sehr gut, der Sattel ist optimal gefeilt und die tiefen Lagen damit mühelos zu greifen. Die Saitenlage am Steg ist zwar nicht ganz so tief wie bei einem gut eingestellten E-Bass, aber niedrig genug, um ein komfortables Spielen bis zum 18. oder 19. Bund zu ermöglichen. Die letzten beiden Töne sind dann aufgrund der Korpusform sowieso nur schwer zu erreichen.

Grünes Licht also für den Boulder Creek Bass aus ergonomischer Sicht. Auch in Sachen Sound kann ich nur Positives berichten. Wenn man den EBR3 zum ersten Mal akustisch spielt, fällt sofort auf, dass er lauter als die meisten akustischen Bassgitarren ist. Das liegt natürlich am Schallloch in der oberen Zarge, das direkt zum Spieler strahlt und für ein sehr direktes und griffiges Klangbild sorgt. Ein tolles Feature, wie ich finde, denn dieser knackige Sound macht wirklich extrem Spaß. Der Kalifornier kann aber nicht nur laut, sondern auch voluminös und fundamentstark. Darüber hinaus ist das Klangbild sehr ausgeglichen, und es gibt keinen Bereich, der über- oder unterrepräsentiert wäre. Alle Frequenzbereiche werden sehr plastisch und detailreich abgebildet, der Bass klingt deshalb sehr lebendig und setzt sich gut durch. Durch die herkömmliche 34 Zoll Long-Scale Mensur bleibt das beim EBR3 auch so, wenn man in die tiefen Lagen geht, und der Sound wird nicht leiser oder undifferenziert, wie es leider bei einigen Medium Scale Akustik-Bässen der Fall ist. Viele werden den Boulder Creek nicht nur zum Üben zu Hause, sondern auch im Studio oder in einem moderaten Bandkontext einsetzen wollen, und hier leistet der Piezo-Tonabnehmer in Verbindung mit dem Preamp gute Dienste. Er bildet den akustischen Sound relativ ungefärbt ab, und der Preamp liefert mit einem sehr gut abgestimmten EQ zahlreiche Soundmöglichkeiten von super-brillant bis zu vintageartigen Varianten mit gedämpften Höhen und warmen Mitten. Wahnsinnig hohe Lautstärken sind naturgemäß nicht drin und auch mit einem akustischen Instrument nicht nötig. Dennoch verhält sich der EBR3 verstärkt erstaunlich gutmütig bezüglich Rückkopplungen und kann auch problemlos in einer Band mit Drummer eingesetzt werden. Mein einziger Kritikpunkt am AB4-T Preamp bezieht sich auf das Stimmgerät. Es funktioniert tadellos und ist ein sehr sinnvolles Feature, eine Abschaltautomatik wäre aber sehr willkommen. Wenn der Bass am Amp hängt, schaltet der Ausgang beim Stimmvorgang stumm und man merkt natürlich, dass der Tuner an ist. Im Akustikbetrieb vergisst man aber schon mal, dieses Feature auszuschalten und saugt dann die Batterie ärgerlicherweise leer.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare