Gitarre Hersteller_Boss
Test
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15.02.2021

Boss Nextone Special Test

E-Gitarren Combo-Verstärker

Vollwertkost

Die Boss Nextone Serie an E-Gitarrenverstärkern, die der japanische Hersteller neben Katana- und Waza in seinem Portfolio aufführt, beinhaltet drei Ampmodelle in unterschiedlichen Ausführungen. Laut Hersteller bieten sich die Nextone-Combos, die in einer Stage, Artist und Special Ausführung erhältlich sind, einerseits als Übeverstärker, allerdings auch durchaus als professionelle Bühnenbegleiter an. Allen gemeinsam ist dabei die hauseigene "Tube Logic"-Technologie, ein zweikanaliger Aufbau, On-Board-Effekte, schaltbare Endstufen-Charakteristika und einiges mehr.
Das Flaggschiff der Nextone-Reihe ist aktuell das "Special"-Modell mit 80 Watt Leistung, einem Waza B12W 12''-Custom-Lautsprecher und drei Speicherplätzen für Soundsettings. Die kleinste Variante, der Nextone Stage, war bereits Gegenstand eines Tests, weshalb es für uns um so interessanter ist, heute mit dem Nextone Special dem großen Bruder auf den Zahn zu fühlen.

Details

Der Nextone Special kommt in einem klassischen und optisch sehr ansprechenden Combogehäuse mit den Maßen 62 x 25 x 52 cm (B x T x H), das mit schwarzem Tolex verkleidet ist. Die Front garniert eine grau-schwarze Bespannung, hinter der sich der Speaker befindet. Unmittelbar darüber zeigt sich leicht nach innen versetzt das Bedienfeld. Im Gegensatz zur Stage- und Artist-Ausführung, die hinsichtlich der Potiplatzierung als "Toploader" konzipiert sind, entschied man sich hier für die frontale Bedienung. Diese besteht aus 24 Potis und drei Chickenhead-Wahlknöpfen, die allesamt in einem hellen Grauton gehalten und deren Reglerstellungen auch mit etwas Abstand sehr gut ablesbar sind. 16 kleine Taster und ein rechtsseitig angeordneter Power-Schalter sind ebenfalls anzutreffen und lassen in der Summe erkennen, dass wir es hier mit einem Amp zu tun haben, der mit üppigen Einstellungsoptionen aufwartet. An Anschlüssen weist die Front lediglich einen 6,3 mm Klinkeneingang auf, weitere Buchsen finden sich an der Rückseite.

Dort finden wir den Anschluss für das im Lieferumfang enthaltene Kaltgerätekabel, den Effektloop, den USB-Eingang und die Boxenanschlüsse. Der eingebaute Speaker ist mit einem Klinkenkabel am 8-Ohm-Ausgang eingestöpselt, wobei noch zwei 16-Ohm-Anschlüsse bereitstehen.

Zusätzliche Ausgänge findet man in Form eines XLR- und eines Klinken-Line-Outs, bei denen die Soundcharakteristik mit dem Air Feel-Schalter zwischen drei Mikrofonierungen eingestellt werden kann, dazu später mehr. Ein zusätzlicher Recording- und Headphones-Stereoausgang wurde ebenfalls mit einem frequenzkorrigierten Signal belegt, um das häusliche Aufnehmen und Üben zu erleichtern. Das Umschalten der Kanäle und der Features funktioniert auch per MIDI, oder aber über die beiden Fußschalteranschlüsse. Der Nextone bietet hier auch die Möglichkeit, den optional erhältlichen GA-FC Footswitch anzuschließen, der auch in Kombination mit anderen Boss-Produkten eingesetzt werden kann. Via USB lässt sich der Combo mit einem Computer verbinden, worauf wir jedoch weiter unten noch genauer eingehen werden.

Der untere Teil des Gehäuses wurde als Open Back Cabinet konzipiert und gewährt den Blick auf den 1x 12" Custom Waza B12W Lautsprecher, der laut Herstellerangaben auf dem "Blue Bell"-Sound der 60er Jahre basiert. Ob damit der gleichnamige Jensen-Speaker oder der Celestion Blue Bulldog gemeint ist, ließ sich nicht eruieren, aber ich denke, es genügt zu sagen, dass man sich hier klanglich eher an der Tradition der frühen Combomodelle der 50er und 60er Jahre orientiert.

Auf der Oberseite ist ein robuster Kunstledergriff angebracht, der die 17 kg sicher und stabil zu tragen vermag.

Zum Lieferumfang gehören ein mehrsprachiges Manual, das Kaltgerätekabel, sowie ein Sticker, um den optionalen GA-FC Fußschalter entsprechend zu markieren.

Bedienung

Der Nextone Special ist als zweikanaliger 80-Watt-Transistorcombo mit einer 1x12" Lautsprecherbestückung konzipiert. Klangbasis ist hier die von Boss entwickelte "Tube Logic"-Technologie, die den Sound, aber auch das dynamische und reaktive Verhalten von Röhrenamps simulieren soll. Was sich dahinter im Detail verbirgt, was nun davon analog ist oder was und ob überhaupt irgendetwas digital abläuft, darüber schweigt sich Boss aus. Fakt ist jedoch, dass diese Schaltung auch bei der Roland Blues Cube-Serie im Einsatz ist, die trotz des Namens gänzlich ohne Röhren auskommt.

Preamp-Sektion:

Der Combo ist als klassischer Zweikanaler aufgebaut und weist einen Clean- und einen Lead-Channel auf. Der cleane Kanal lässt sich in der Lautstärke regeln, wobei ein "Extra Head Room"-Taster die Erhöhung der dynamischen Range ermöglicht. Der "Tone"-Taster boostet die Mitten und Höhen und sorgt für einen etwas knackigeren Grundsound. Der Lead-Channel kommt mit einem Gain- und Volume-Regler und auch hier übernimmt ein Tone-Taster eine Zusatzfunktion, in diesem Fall, um ein dichteres Klangbild zu generieren. Für beide Kanäle steht jeweils ein separater EQ bereit, der Bässe, Mitten und Höhen regelt, wobei auch hier das Tonestack zwischen "amerikanisch" und "britisch" umgeschaltet werden kann. Vermutlich beruft man sich dabei auf die traditionelle Fender- oder Vox-Klangregelung. Für jeweils beide Kanäle lässt sich rechts außen noch ein Solo-Modus aktivieren, der in seiner Lautstärke regelbar ist.

Effektsektion:

Der Nextone ist mit einer rudimentären Effektsektion für die gängigen Brot- und Buttereffekte ausgestattet, die aus Booster, Reverb und Delay besteht. Boost- und Reverb-Effekt lassen sich in der Lautstärke regeln, das Delay in Effektstärke und Delaytime. Letztere wird über einen Tap-Button "eingeklopft".

Powerampsektion

Die größte Besonderheit der Nextones ist sicherlich die extrem flexibel gehaltene Endstufensektion. Hier trifft man zum einen pro Kanal auf einen Bottom- und einen Top-Regler, welche die Wirkungsweise des Low-, bzw. High-Cut-Filters bestimmen, sowie einen Presence-Regler, der die Hochmitten und Hochtonfrequenzen bearbeitet.
Ein gerasterter Drehwähler bietet vier unterschiedliche Endstufenröhren-Charakteristika, nämlich 6V6 (für den typischen Fender Deluxe-Sound), 6L6 (anzutreffen bei Fender Bassman, Mesa Boogie aber auch Peavey 5150s), EL84 (z.B. zu finden in Vox AC30-Modellen) und der klassischen, britischen Marshallröhre EL34.
Hinter dem "Power Control"-Poti verbirgt sich im Prinzip ein Attenuator, der die Endstufenleistung von Maximum über 60, 40, 20 bis hin zu 0,5 Watt herunterregelt. Um den Amp in Probepausen nicht gänzlich abschalten zu müssen, wurde hier auch eine Standby-Stellung integriert, die den Amp zum Schweigen bringt. Die Gesamtlautstärke wird über den Master-Regler eingestellt.

Speicherplätze

Der Nextone Special verfügt, im Gegensatz zu seinen kleinen Brüdern, über drei frei belegbare Speicherplätze, die alle Settings außer der Stellung des Mastervolumes abspeichern. Dies geschieht ganz simpel durch längeres Gedrückthalten der jeweiligen Taste. Betätigt man die Panel-Taste, gelangt man zum Sound der aktuellen Reglerposition. Ein Factory-Reset erhält man durch Gedrückthalten des Panel-Schalters beim Einschalten des Amps.

Line/Recording und Phones Out

Selbstverständlich lässt sich der Amp auch als Recording- oder "Direkt-ins-Pult"-Lösung für den FOH einsetzen. Hierzu kann man den Nextone entweder über die Line-Outs, den USB-Anschluss oder über die Recording-Out-Buchse mit dem Audio-Interface oder einem Mischpult verbinden. Beim Verwenden der Line-Outs bleibt der Speaker aktiv, wohingegen beim Phones/Rec-Out das Signal lediglich über diesen Ausgang abgegeben wird und der Lautsprecher schweigt. Da der Master-Regler jedoch auf den Line-Out keine Wirkung hat, lässt sich natürlich auch in diesem Szenario die Lautstärke bei Bedarf auf Mietwohnungslevel herunterregeln.
Die Ausgänge sind mit Frequenzkorrekturen belegt, die über den Air Feel-Schalter aufgerufen werden. "Rec" steht dabei für eine Distanzmikrofonierung, während "Live" einen Closed-Miking-Sound liefert und "Blend" eine Mischung aus beiden.

Editor-Software und Verbindung mit der DAW

Auch wenn der Nextone Special sicherlich nicht mit zu wenig Potis und Knöpfen ausgestattet ist, bietet der Editor, der auf der Boss-Website samt Treiber zum Download bereitsteht, einerseits eine luxuriösere Editierfunktion, aber andererseits auch Zugriff auf weitere Optionen.
So hat man hier die freie Wahl aus diversen Bright-Switches, neun verschiedenen Booster-Kategorien, drei unterschiedlichen Reverb-Typen, dazu wartet das Delay außer mit drei Delaymodellen auch mit einem Tremoloeffekt auf. Auch der Equalizer, der sowohl vor als auch hinter der Preampsektion platziert werden kann, erlaubt feineres Tuning der Frequenzen und lässt sich von einer grafischen zu einer parametrischen Funktionsweise umschalten. Der Endstufenblock kann, abgesehen vom Röhrentypus, auch hinsichtlich seines EQings noch einmal feingetunt werden. Globale System-Settings, der Level des USB-Ausgangs oder des Einschleifwegs sind ebenfalls im Editor bequem einzustellen.

Der Anschluss an meinem Windows-Rechner verlief ohne Probleme und meine DAW Studio One 5 erkennt den Nextone sofort und ohne Installation eines zusätzlichen externen ASIO-Treibers als Audiointerface. Insgesamt gestaltet sich die Praktikabilität und die Bedienung sowohl am Amp als auch im Editor als äußerst benutzerfreundlich, intuitiv und extrem praxisorientiert.

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