Gitarre Bass Serie_Hersteller
Feature
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20.05.2009

BOSS - Effekte für Gitarren und Bässe

Herstellerprofil

Alles zur BOSS-Geschichte und Produkten auf bonedo.de

Bei über 10 Millionen verkauften Effektpedalen weltweit ist es sicher nicht übertrieben zu behaupten, dass es nur ganz wenige Gitarristen gibt, die noch nie ein Effektgerät mit dem Boss-Logo unter den Füßen hatten. Nicht umsonst gilt die 1976 von Ikutaro Kakehashi gegründete Firma als eines der erfolgreichsten und innovativsten Unternehmen der Szene.

Doch wie hat eigentlich alles angefangen, was hat der Name Boss zu bedeuten und welche Rolle spielt die Hightech-Schmiede Roland? Fragen über Fragen. In unserem spannenden Special liefern wir die passenden Antworten!

Die frühen Jahre

Ikutaro Kakehashi wurde im Jahr 1930 geboren. Seine Eltern starben, als er zwei Jahre alt war und so wuchs der Vollwaise bei seinen Großeltern in Osaka auf. Da ihr Wohnhaus im unmittelbaren Umfeld einer Chemiefabrik lag, einem potentiellen Ziel für Bombardements, evakuierten die Behörden die Familie Anfang 1945 vorsorglich. Ikutaros Großeltern zogen in das ländlich gelegene Kyushu, der Heimatstadt der Großmutter. Da er selbst die Schule noch nicht beendet hatte, entschloss sich Ikutaro, bei einem Schulfreund in Osaka zu bleiben. Nach seinem Schulabschluss kurz nach Kriegsende nahm er an den Aufnahmeprüfungen für das Osaka Prefectural College Of Chemical Engineering teil. Die Prüfung schaffte Ikutaro mit links, der anschließende Gesundheitstest machte dem durch die Kriegszeit stark unterernährten jungen Mann allerdings einen Strich durch die Rechnung. Abgesehen davon hätten ihm auch die anfallenden Studiengebühren massive Probleme bereitet, und so entschied er sich schweren Herzens, seine Studienpläne zunächst einmal auf Eis zu legen und stattdessen zu seinen Verwandten nach Kyushu zu ziehen. Verglichen mit der Hektik in der vom Krieg zerstörten Metropole Osaka, war das Leben auf dem Lande fast schon ein Kuraufenthalt. Auch Nahrungsmittel gab es im Überfluss, und so brauchte Ikutaro sich endlich keine Gedanken mehr um seine Ernährung zu machen. Nicht ganz so rosig sah es allerdings mit bezahlten Tätigkeiten aus. Jobs waren rar gesät und nur mit viel Glück gelang es ihm, eine Halbtagsstelle als Assistent bei der Landvermessung zu ergattern. Parallel dazu arbeitete er als Laufbursche auf einer Brückenbaustelle. Da beide Tätigkeiten zeitlich begrenzt waren, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich parallel dazu nach einem Job mit größerer Zukunftsperspektive umzusehen.

Uhren

Armbanduhren galten zu jener Zeit in Japan als absolutes Statussymbol, und da neue Exemplare so kurz nach dem Krieg nur sehr schwer zu bekommen waren, blühte das Reparaturgewerbe. Also entschloss sich Ikutaro, bei einem Uhrmacher in die Lehre zu gehen. Als der wissbegierige junge Mann allerdings erfuhr, dass er vor dem vierten Lehrjahr der insgesamt sieben Jahre dauernden Ausbildung nicht erfahren würde, wie man Armbanduhren repariert, sondern stattdessen Details über Buchhaltung lernen und die Vitrinen polieren sollte, schmiss er die Lehre hin und fasste stattdessen den Plan, sich selbstständig zu machen. Das nötige Basiswissen holte sich der technisch begabte sechzehnjährige aus Büchern. Sein Ladenlokal hatte zwar nur eine bescheidene Größe von 1,8 Quadratmetern, aber sein Geschäft lief von Anfang an richtig gut! Der schnelle Erfolg hatte einen großen Vorteil: Ikutaro hatte genug Geld, sich endlich einer Leidenschaft widmen zu können, die seit frühster Jugend in ihm schlummerte: dem Radio und der Musik!

Ikutaro und das Radio

Schon in frühester Jugend zeigte Ikutaro ein intensives Interesse an allem, was mit Technik zu tun hatte.

Galt seine ganze Aufmerksamkeit zunächst der Welt der Eisenbahn, entwickelte er später ein Faible für das Radio. Und zwar nicht nur für die technische Seite, auch die Musik hatte es dem jungen Mann angetan. Während des Krieges kontrollierte die Regierung alle Radiosendungen und der Besitz eines Kurzwellenradios wurde sogar als Akt der Spionage angesehen. Von der freien Entfaltung seines Hobbys war Ikutaro Kakehashi also meilenweit entfernt. Nach dem Krieg sollte sich das allerdings ändern.Schnell baute er seine ersten Mehrfrequenzradios, mit denen man neben den Funksprüchen der amerikanischen Besatzer auch weit entfernte Radiosender empfangen konnte. Und dank seines fluktuierenden Armbanduhren-Reparaturgeschäftes hatte er jetzt endlich die Möglichkeit, intensiver in die Sache einzusteigen. Sein Plan: Wenn er erfolgreich Uhren reparieren konnte, warum nicht auch Radios. Der Markt war schließlich da. Es gab immer mehr Radiosender und neue Geräte waren nach wie vor Mangelware. Reparaturbedürftiges gab es also satt und genug, und so wurde auch diese Unternehmung ein voller Erfolg.

Vom Land in die Stadt

Die vier Jahre in Kyushu waren für Taro sehr erfolgreich. Sein Bedürfnis, ständig Neues lernen zu wollen, befriedigte er durch die intensive Beschäftigung mit Radios und Verstärkern. Und auch sein Gesundheitszustand hatte sich durch die gute Versorgung auf dem Land massiv verbessert. Jetzt war es für ihn an der Zeit, weiterzuziehen. Da er durch seine Geschäfte genügend Geld verdient hatte, beschloss er, zurück nach Osaka zu gehen, um an der dortigen Uni Elektrotechnik zu studieren. Schon kurze Zeit später hatte der 20jährige junge Mann eine Wohnung gefunden und war bereit für die Aufnahmeprüfung. Doch ganz so einfach sollte es nicht werden. Da Ikutaro durch den Krieg eine verkürzte Schulausbildung genossen hatte, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder noch einmal die Highschool zu besuchen, oder ein entsprechendes Qualifikationsexamen für die Uni zu machen. Er entschied sich für die erste Variante und schrieb sich für nächtliche Kurse an der Kitano Highschool ein.

Kurz vor dem Abschluss der Fortbildungsmaßnahme wurde er plötzlich krank und man diagnostizierte bei ihm eine Lungentuberkulose. Ikutaro wurde in die Spezialklinik Sengokuso eingewiesen, in der er - in Ermangelung entsprechender Heilverfahren - Jahre verbringen sollte. Erst die Einführung von Streptomycin versprach komplette Genesung und nach nur wenigen Wochen der Therapie war er gesund. Ikutaro verließ die Klinik, heiratete seine Verlobte Masako Kondo und versuchte, Arbeit zu finden, aber ohne Erfolg. Doch davon ließ er sich nicht unterkriegen; schließlich hatte er es schon einmal geschafft, sich erfolgreich selbständig zu machen. Warum sollte es also nicht wieder funktionieren. Er war in der Zwischenzeit sogar noch besser geworden, hatte er die Zeit seines Krankenhausaufenthaltes doch für das intensive Studium der Radio- und Fernsehtechnik genutzt. Nicht umsonst bezeichnete sich Ikutaro später gerne als Absolvent der elektronischen Abteilung der „Sengokuso-Universität“! So präpariert, eröffnete er in Osaka sein eigenes kleines Elektrogeschäft mit dem Namen „Kakehashi Musen“, übersetzt Kakehashi Radio Shop.

Ikutaro Kakehashi und die Musik

Die Geschäfte liefen gut und alle Zeichen standen auf Expansion. Also entschloss sich Ikutaro 1960, sein „Kakehashi Musen“ in einer neuen Firma, der Ace Electric Company Ltd., aufgehen zu lassen.  Dabei handelte es sich um ein Elektrogeräte-Großhandelsunternehmen, das von der Waschmaschine bis zum Fernseher alles im Angebot hatte, was irgendwie mit Strom betrieben wurde. Doch was hat das Ganze mit Musik zu tun? Nun, in der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts bestand die musikalische Grundausbildung an japanischen Schulen in erster Linie aus Singen. Nach dem Krieg sollte sich das ändern. Das Kulturministerium fasste den Plan, jedes Klassenzimmer mit einem gebläsebetriebenen Harmonium auszustatten. In der Folge wuchs das Interesse an den Instrumenten auch bei Privatleuten. Dies blieb natürlich auch der Industrie nicht verborgen und so begannen reine Elektrokonzerne, die bis dato lediglich die Motoren für die Gebläse-Orgeln geliefert hatten, mit dem Bau eigener Instrumente. Der musikinteressierte Ikutaro verfolgte diese Entwicklung mit wachsendem Interesse, musste aber schnell feststellen, dass die neuen Orgeln alles andere als gut waren. Den Elektrokonzernen fehlte schlichtweg das Know-how, um ansprechende Instrumente zu bauen. Kurzerhand entschloss sich der spontane Mr. Kakehashi, selbst tätig zu werden, übertrug die Geschäfte der Ace Electric Company Ltd. einem Mitarbeiter, und gründete 1960 die Ace Electronic Industries Inc. Anfangs konzentrierte sich Ikutaros kleine Firma auf die Entwicklung und Produktion von Orgeln, Verstärkern und Rhythmusgeräten. Der erste echte Verkaufsschlager des jungen Unternehmens war der Rhythm Ace R-1, das erste transistorbefeuerte Rhythmusgerät der Welt. Der R-1 öffnete der Ace Electronic Company das Tor zur Welt. Im Jahr 1968 schloss Ikutaro schließlich einen Joint Venture Vertrag mit der Hammond Organ Company. Dieser erlaubte Ace Electronics unter anderem auch den Vertrieb der legendären Orgeln in Japan. Doch damit wollte sich Ikutaro nicht zufriedengeben und die Arbeit an den eigenen Produkten ging weiter.

Mit Geräten wie dem FM-3 Fuzzmaster, dem LH-100 Stereo Phaser und dem QH-100 Graphic Equalizer etablierte sich „Ace Electronics“ Ende der 60er Jahre als eine der innovativsten Elektronikfirmen Japans – und eröffnete ganz nebenbei den Markt für Gitarren-Effektgeräte. Der technikbegeisterte Ikutaro konzentrierte sich dabei allerdings so sehr auf die Entwicklungsarbeit, dass er gar nicht bemerkte, wie sein Einfluss auf das Management des Unternehmens kleiner und kleiner wurde. 1972 kam es schließlich zum Eklat, in dessen Verlauf Ikutaro Kakehashi die Firma verlor. Doch das Stehaufmännchen sah sich nicht als Verlierer. Er hatte einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt und war bereit für einen weiteren Versuch ... und gründete die Roland Corporation. Neben der Entwicklung neuer Konzepte im Bereich der Tasteninstrumente konzentrierte sich Ikutaros neue Firma von Anfang an auch auf die Effektsparte. Da zu dieser Zeit noch sehr wenige Musiker mit Effekten arbeiteten, hatte kaum jemand eine genau Vorstellung davon, was solche Geräte überhaupt können mussten.  Der Markt war quasi wie ein unbestellter Acker – bereit für Ikutaros kreative Hand.

Die Roland/Boss Connection

Die ersten Gitarren-Produkte mit dem Roland-Logo waren der AS-100 Sustainer, der AD-50, eine Kombination aus Fuzz und Wah, und der AP-5 Phaser. Zwar konnten die Effekte noch nicht den Erfolg verbuchen, den sie wegen ihrer erstklassigen Qualität eigentlich verdient gehabt hätten, aber Roland hatte zumindest schon den Fuß in der Tür. Und auch die Gitarristen-Szene wurde immer neugieriger und experimentierfreudiger.

 

Um eine klare Linie ins Spiel zu bringen und das Equipment für Gitarristen besser vermarkten zu können, entschied sich Ikutaro schließlich dazu, seine Firma aufzusplitten. Da sich Roland den Ruf eines Pioniers in der Synthesizer-Technik erarbeitet hatte, sollte sich dieser Firmenteil fortan auf die Entwicklung von Tasteninstrumenten und Peripherie-Equipment konzentrieren. Die neu gegründete MEG Electronical Corporation übernahm die Gitarren-Sparte. Es stellte sich allerdings sehr schnell heraus, dass der Name „MEG“ als Brandname für Gitarrenprodukte gerade in den USA nicht besonders gut ankam. Als weitverbreiteter Frauen-Name war er für den internationalen Markt schlichtweg zu feminin! Also suchte man nach einer Respekt einflößenderen Variante – und kam auf BOSS. Das erste Produkt, das unter dem neuen Namen in den USA verkauft wurde, war der B-100, ein Preamp, der speziell zur Aufbereitung des Signals der damals bei Akustik-Gitarristen sehr beliebten Kontakt-Mikrofone entwickelt wurde. Landläufig wird allerdings der 1976 erschienene CE-1, ein kompakter Chorus, als das erste Boss-Produkt angesehen – mit Sicherheit auch ein würdiges Debütprodukt!

Die Qualität des Chorus ließ die Effekte anderer Hersteller meilenweit hinter sich und wurde zu einem echten Dauerbrenner. Der Durchbruch war geschafft. Das Boss-Logo hatte sich in das Bewusstsein der Szene eingebrannt und stand für Equipment von erstklassiger Qualität. Im Folgejahr legten Ikutaro und seine Mannen nach und verblüfften die Gemeinde mit dem DB-5 Boss Driver, dem BF-1 Flanger und dem DM-1 Delay.

Trotz des großen Erfolgs der Effekte sahen die meisten Musiker Boss allerdings immer noch als ein Anhängsel des Mutterkonzerns Roland -und das nicht zuletzt wegen des ähnlichen Designs der Produkte. Das sollte sich ändern als Boss Ende 1978 die Compact Effect Serie präsentierte.

Mit Effekten wie dem sagenumwobenen OD-1 Overdrive Pedal und dem PH-1, einem hervorragenden  Phaser, läutete die Effektschmiede eine neue Ära ein und definierte – ganz nebenbei – den ultimativen Industrie-Standard für Bodeneffekte. Der OD-1 war aus dem Stand ein echter „Burner“, und nicht umsonst sah man sehr schnell renommierte Bands wie die Doobie Brothers, Steely Dan oder die Eagles mit der kleinen Wunder-Tretmine hantieren. Doch das Boss-Team hatte alles andere im Sinn, als sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Weiterer innovative Meilenstein in der Boss-History der Anfangsjahre sind das 1987 erschienene DD-2, das erste kompakte Digital-Delay der Welt und das RV-2 Reverb, ebenfalls Jahrgang 87. Und auch heute, nach fast 30 Jahren, gehören Effektgeräte mit dem Boss-Logo zum Besten, was die Szene zu bieten hat. Mehr als acht Millionen verkaufte Einheiten weltweit sprechen eine eindeutige Sprache und so ist es sehr schwer, einen Gitarristen zu finden, der nicht mindestens ein Boss-Effektgerät im Gepäck hat.

 

Und dazu gehören natürlich auch Schwergewichte wie Jeff Beck, Eric Clapton, Gary Moore, Eddie Van Halen, Steve Vai, Paul Gilbert , Dave Navarro, Joe Perry und unzählige mehr. Detaillierte Infos zum aktuellen Boss-Angebot findet ihr auf der internationalen Boss Website www.bossus.com und unter www.rolandmusik.de .

Hier geht es zum 2. Teil der Boss-Story:

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