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10.08.2015

B.log - Gold-weiße Tötungsmaschine?

Tontechnische Kriegsspielzeuge – zumindest in den Produktnamen

Hallo allerseits.

Ich hatte bis vor einigen Tagen das klanglich sehr hochwertige Soyuz SU-017 zum Test, ein edles und teures Röhrenmikrofon russischer Produktion. Zwei Nebenaspekte des Soyuz SU-017 will ich hier loswerden, die mich während des Tests beschäftigt haben, aber nicht so recht in einen Testbericht passen.

Zunächst: Optik ist bekanntlich Geschmackssache, aber Messing/Gold und Weiß, das mag in Russland, China, wahrscheinlich auch in Nordamerika als luxuriös durchgehen, hier ist es etwa so albern wie ein goldener Mercedes mit weißen Ledersitzen. Oder eine dieser amerikanischen Tischlampen in Goldoptik in einem Raum mit Chippendale-Möbeln und ultra-langflorigem Flauschi-Teppichboden. Grusel. Deutlich gruseliger finde ich aber die offensichtliche Kokettierung mit militärischen Bedeutungen. Ich musste beim Kürzel SU-017, einem Mikrofon aus einer Stadt, in der Waffen produziert wurden und werden, natürlich sofort an den SU-17 denken, einen Suchoi-Jet der Sowjet-Armee. Zufall? Wie auch immer: Krieg und Recording-Mikrofone wollen für mich nicht recht zusammenpassen. Stolz auf Militärtechnik ist hierzulande undenkbar oder zumindest geächtet. Oder würdet ihr ein Leopard-II-Mikrofonkabel haben wollen?

In Zeiten, die nicht gerade als die friedlichsten der letzten Jahrzehnte bezeichnet werden können, sind aber sicher auch einige Bandnamen und Songtitel noch mal einer Überlegung wert – oder einfach nicht allzu ernst zu nehmen.

Weitere Negativbeispiele für Benennungen, ob bewusst oder nur als Marketing-Unfall, findet man aber schon in der Tontechnik zuhauf. Beispielsweise stellt das amerikanische Unternehmen, das unter dem Label Telefunken Mikrofone baut, ein „AK 47“ her. Die Zahl 47 soll sicher auf den Neumann-Klassiker U 47 verweisen, doch ist das AK-47 weltweit als die „Kalaschnikow“ bekannt – mit der bereits Millionen Menschen getötet wurden. Nicht weniger schlimm, aber mit insgesamt weniger Opfern ist der Namensgeber für einen Kompressor von TL Audio dabei: „Fat Man“ ist die Nagasaki-Atombombe. Und mit der F-16 – nicht der Midas-Konsole, sondern dem Kampfjet – ist auch schon so einiges Unheil angerichtet worden.

Da sind Ausrutscher in andere Richtungen schon deutlich witziger. Immer wieder gern aus der Geschichtenkiste gekramt werden missratene Autonamen. Der Lada Nova hatte in spanischsprachigen Ländern so seine Absatzprobleme („no va“: „geht nicht“), den Namen des Mitsubishi-Geländewagens Pajero sollte man dort auch nicht unbedingt laut in spanischer Aussprache von sich geben, wenn man sich in guter Gesellschaft wähnt.

Aber – und es gibt doch immer ein „Aber“ – Soyuz machen da markenmäßig auch was verdammt gut. Der Firmenname nämlich steht für „Union, Vereinigung“ und war unter anderem der Name der Rettungskapsel für Kosmonauten. Also Lebensretter statt -nehmer. Damit wäre das Soyuz SU-017 zumindest rechnerisch wieder im Neutralbereich angelangt. Und das Soyuz-Logo, dafür ebenfalls ein dickes Lob, sieht ausgesprochen genial aus. Wer kyrillische Buchstaben lesen kann, der sieht, dass es schlicht und einfach der Firmenname ist, der dort geschrieben steht. In eine Neumann-Raute gepackt, wie es viele andere Unternehmen auch machen, sieht das alles ziemlich klasse aus. Also alles gut.

In diesem Sinne: Schwerter zu Pflugscharen, Mordinstrumente zu Mikrofonen!

 

Beste Grüße,

Nick Mavridis (Redaktion Recording)

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