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30.09.2015

B.log - Drumshow auf der IAA

Oli Rubow und Christian Prommer trommeln zwischen Autos

Die etwas andere Hallenproduktion oder: Zwei Türen, keine Kompromisse

Ein Trommeltanz für das C-Coupé

Der Münchner Rhythmus-Tausendsassa Christian Prommer, seines Zeichens Schlagzeuger, Komponist, Produzent und DJ, hat einen perkussiven Track zur Weltpremiere des Mercedes Benz C-Klasse Coupé geschrieben. Dieser sollte auf der Internationalen Automobilausstellung aufgeführt werden, und da Christian nicht alle Termine selbst spielen konnte, hat er mich gefragt, ob wir den Job der Live-Umsetzung nicht aufteilen wollen. Nach einem freundlichen „gerne“ war ich nun an manchen Messetagen ebenfalls Teil des 45 minütigen Show-Loops, der täglich bis zu zwölfmal stattfand. 

Die Musik ist ein Tom-lastiger Trommeltanz, der sich wie ein Club-Track nach und nach aufbaut. Mit diesem einfachen Tomtom-Thema beginnt der C-Coupé Part:

Dazu gesellt sich eine treibende 4-On-the-Floor Bassdrum. Im weiteren Aufbau sorgen Snare und Trash-Hat-Akzente für Farben und Crash-Becken für Struktur. Dann der Breakdown! Half-Time-Beat. Hoch zum nächsten Level, fortschreitend energetischer … nochmals eine kurze Verschnaufpause, schließlich der beinahe solistische Finalteil, bis zur Zäsur für das freistehende Aufheulen des Coupé Motors.

Die Musik geht Hand in Hand mit einer ausgecheckten Echtzeitkamera-Video-Licht-Komposition (aus der Monomango-Schmiede) und der Choreografie der Präzisionsfahrer. Dank Wellenfeldsynthese und vielen, vielen Lautsprechern entsteht für die Besucher – unabhängig von ihrem Platz in der Halle - ein intensives Hörerlebnis.

Video: zur Verfügung gestellt von Chris Cross

Technische Vorbereitungen

Um einerseits die klangliche Vorgabe der Studioproduktion zu erfüllen, andererseits einen konstant guten Sound abzuliefern, der sich zudem perfekt mit der Zuspielung (die sich im späteren Verlauf des Tracks um Harmonie und Bass kümmert) verbinden lässt, plante Christian von vornherein, das akustische Schlagzeug zu triggern, aber „echtes Blech“ zu verwenden. So wurde das stattliche Doublebass-Set – ein Hingucker in weiß – mit Meshheads und Trigger-Pickups bestückt, ein älteres Clavia ddrum4 Modul für die Drum-to-MIDI-Wandlung entstaubt, sowie ein Macbook Pro mit Ableton Live und dem NI Abbey Road Modern Drummer plus Kontakt Player als Soundquelle bereit gestellt. Vom kombinierten MIDI-und Audio-Interface von RME (Fireface 800) wurden schließlich ein Monosignal (Kickdrum) und zwei Stereo-Pärchen (Snare und Toms) zum Sounddesigner (meinem langjährigen Bekannten Georg Stummer) geschickt.

Für den Fall eines Computerabsturzes wurden die verwendeten Samples (via MIDI Dump) zusätzlich ins Clavia-Brain geladen und parallel ausgegeben, für andere Notfälle (Fellriss, plötzliche Ohnmacht des Schlagwerkers o.ä.) wurde ein ebenfalls mitlaufendes Havarie-Playback mit den originalen Schlagzeugspuren aus der Studioproduktion angelegt, welches vom Tonmann zu jeder Zeit hörbar gemacht werden konnte.

Clicktrack und Zuspielung wurden von außen verwaltet, da sie, wie auch die Lichtprogrammierung und der Video-Content, mit dem Time-Code verknüpft waren.

Für den optimalen Kopfhörermix stand links neben dem Schlagzeug ein Mischpult, auf dem alle wichtigen Informationen anlagen (Click, Zuspieler, eine In-Ear-Mischung, sowie der Cue-Kanal, für die Stimmes des Regisseur).

Aber es läuft nicht immer alles rund...

hier die Schattenseiten und ihre Problembewältigungen:

- Nach dem ersten Bassdrum-Fellriss wurden einige Ersatzfelle geordert und die Erkenntnis gewonnen: ein Falam Slam Pad schützt das Gewebefell sehr wirksam.

- Als sich ein Trigger-Pick-Up verabschiedete, wurden an den entscheidenden Instrumenten (Kick, Snare, Floortom) Ersatz-Trigger angebracht, so dass im Notfall nur das Kabel umgesteckt werden muss.

- Der NI Modern Drummer hat sich als sehr stabiler und gut klingender, aber auch CPU-hungriger Klangspender präsentiert. Diesbezüglich musste ich erst einmal forschen, wie ich die nicht verwendeten Klangkörper ausschalten kann (siehe Bedienungsanleitung, Seite 24). Möchte ich die Software auf verschiedene Einzelausgänge routen, so muss ich nach jedem Neustart der Software zunächst auf das Ausrufezeichen des Kontakt Players klicken (andernfalls kommt alles aus dem Main Out in einer Stereosumme heraus). Das Ausrufezeichen half meistens auch dann, wenn beim allmorgendlichen Routine-Check ein Instrumentenkanal nicht ansprach.

Wir haben uns letztlich für drei Kontakt-Instanzen entschieden, je eine für die Kick, die Snare und die Toms, und trommeln die Show mit einer Latenz von 128 Samples (bei einer Samplerate von 48kHz), was sich für mich sehr natürlich anfühlte.

Bei all der Technik nun die zentrale Message: Es hat mir riesigen Spaß gemacht, die Freude am Schlagzeugspielen mehrmals am Tag einem vollen Haus (großflächig) zu demonstrieren.

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