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17.10.2016

Blog: Atemberaubend – ein achtsaitiger Warwick Katana mit Chrome-Finish

US-Bassist Scott Reeder bekam von Warwick ein sehr ungewöhnliches Instrument an den Leib geschneidert!

"Wow, was für ein Teil!", dachte ich, als ich kürzlich auf Facebook ein von Sympathikus Scott Reeder (Fireball Ministry / Kyuss) gepostetes Bild seines neuen Warwick-Basses entdeckte. Das Bild zeigte einen Warwick Katana in einer achtsaitigen Ausführung mit jener umwerfenden Chrom-Lackierung, die ich bisher nur bei der deutschen Company aus Markneukirchen gesehen habe. Man kann sich in Instrumenten mit diesem Finish tatsächlich spiegeln!

Für den guten Scott wurde mit diesem ungewöhnlichen Bass ein Traum wahr. Für ein neues Projekt wünschte sich der US-Bassist einen Achtsaiter (vier normale Strings und vier Oktavsaiten). Da man stets mindestens eine normale und eine Oktavsaite zusammen anschlägt, produzieren Instrumente dieser Art einen unglaublich fetten, fast symphonischen Basston!

Als Scott das Ergebnis zum ersten Mal zu Gesicht bekam, hatte er nach eigenen Aussagen Freudentränen in den Augen, denn einen solchen Bass hatte auch er bislang nicht gesehen - geschweige denn besessen!

Das Chrome-Finish - bei Warwick übrigens in verschiedenen Farbausführungen erhältlich - ist eines der aufwändigsten Finishes aus dem Custom Shop in Markneukirchen. Für diese super aufwändige Lackierung sind mehr als 60 Arbeitsschritte notwendig, die mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden müssen.

Die reflektierende Oberfläche dieser Lackierung besteht aus einem hauchdünnen Film aus echtem Silber. Hierzu muss das behandelte Holz - im Falle dieses Instrumentes ein Sumpfeschebody mit Ahorndecke sowie ein durchgehender Ahornhals - über eine perfekt aufgetragene Basislackierung verfügen und zudem hermetisch abgeschlossen und optimal isoliert werden, sodass das Material nicht in das Holz eindringen kann.

Als nächstes ist das Auftragen einer weiteren Lackschicht notwendig, durch die der glänzende Untergrund entsteht. Der Lackierungsprozess muss perfekt glatt und staubfrei vorgenommen werden, da durch die hauchdünne Silberschicht jeder noch so kleine Makel sichtbar wird. Das Geschick eines erfahrenen Experten ist hier unabdingbar, ebenso ist ein so genannter "Reinst-Raum" notwendig, in welchem die Konzentration an Partikeln in der Atmosphäre so gering wie möglich ist. Nach dem Auftragen der feinen Silberschicht kann diese in verschiedenen Farbtönen gestaltet werden. Abschließend wird ein spezieller Schutzlack aufgetragen, welcher das Silber vor Oxidation schützt.

Aber zurück zu Scott Reeders neuem Instrument: Reeder ist zwar Linkshänder, jedoch spielt er seine Instrumente "Upside Down", also mit einer Besaitung für Rechtshänder, bei der sich aus Sicht des Spielers die dünneren Saiten oben und die stärkeren Saiten unten befinden. Am Ende des Ebenholzgriffbretts wurde zudem eine Metallplatte mit dem Namen "Scott Reeder" integriert, um das Holz dort vor der heftigen Spielweise des US-Bassisten zu schützen. Und: Da Scott eine Farm in einer Wüstengegend besitzt, wurde das nur 5 kg schwere Instrument mit (leuchtenden!) Bullskull-Motiven auf dem Fretboard ausgestattet.

Weitere Features sind: Matched Headstock, Just-A-Nut III Brass-Sattel, Warwick-Mechaniken, 24 Jumbobünde, Aktive MEC J/J Chrome-Pickups, Warwick Dreiband-Elektronik mit Lithium-Batterie.

Wie viel der gute Scott für diesen aberwitzigen Bass bezahlt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Ich habe aber in Erfahrung bringen können, dass der reguläre UVP-Preis satte 14.790,- beträgt (!).

"Hut ab" vor dieser bassbauerischen Meisterleistung aus dem Hause Warwick -
have fun with your new toy, Scott!

Zum Abschluss zeige ich euch noch ein Video, in welchem Scott seine ersten "Gehversuche" auf dem neuen Bass dokumentiert hat.

Viel Spaß damit und bis nächste Woche im bonedo-Bassbereich,

Lars Lehmann (Leiter Bassredaktion)

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