Gitarre Hersteller_Blackstar
Test
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09.07.2012

Blackstar HT Stage 60 Test

Röhren-Combo

Kraftprotz

Es war im Jahr 2004, als sich vier Bandkollegen in einer Gartenhütte in Northampton trafen, um an neuen Gitarrenamps zu basteln. Das mag im ersten Moment stark nach Hobbythek oder Löten mit hohem Spaßfaktor klingen, wären die vier Herren nicht allesamt mit einem recht großen Know-how ausgestattet gewesen, das sie sich in ihrer Zeit als Mitarbeiter beim größten britischen Amp-Hersteller erworben hatten. Unter diesem Aspekt nimmt die Story mit dem Gartenhäuschen natürlich eine ganz andere Wendung, und tatsächlich präsentierte das Quartett auf der Namm Show 2007 unter dem Namen Blackstar den ersten eigenen Amp.

Angesichts des relativ kurzen Bestehens des Unternehmens ist es in den letzten Jahren beträchtlich gewachsen und inzwischen sind Verstärker mit dem Blackstar-Logo auch auf den großen Bühnen keine Seltenheit mehr. Weil die Entwicklung zwar in England, die Fertigung aber ins kostengünstige Korea verlagert wurde, profitiert auch der Kunde von einem recht günstigen Preis. Mit dem Stage 60 hat ein 60 Watt Combo den Weg ins bonedo Testlabor gefunden.

DETAILS

„Was nix wiegt, das klingt auch nix“, der Spruch von meinem Freund, dem Altrocker Klaus, schießt mir durch den Kopf, als ich den Verstärker aus der Verpackung hebe. Gute 21 Kilogramm sind hier zu stemmen, aber für einen Combo Amp mit zwei 12“ Lautsprechern ist das eher wenig. Der Amp macht auf jeden Fall einen sehr soliden Eindruck, kein Wackelkasten, ein gestandener Kerl auf vier großen Gummifüßen. Ich konnte ihn am Kunstledergriff auf der Oberseite zwar allein aus dem Karton heben, aber zwei Aussparungen seitlich im Gehäuse erlauben zusammen mit einem Bandkollegen ein wesentlich entspannteres Tragen. Der Verstärker macht seinem Namen alle Ehre, denn außer dem weißen Schriftzug und dem goldenen Keder auf der Vorderseite ist alles in Schwarz gehalten, der tadellose Tolexüberzug genau wie der Bespannstoff vor den beiden 12“ Celestion Speakern. Alle acht Ecken sind zusätzlich mit (selbstverständlich schwarzen) Metallschonern gesichert. Das Bedienfeld im oberen Bereich der Front ist so weit zurückgesetzt, dass die Regler nicht sonderlich weit abstehen und die Gefahr von Beschädigungen beim Transport eher gering sind. Es ist offensichtlich, dass die Entwickler als Musiker die Gepflogenheiten auf und hinter der Bühne sehr genau kennen. Der Amp ist mit einer Röhrenschaltung versehen und fünf Glaskolben sorgen für den adäquaten Sound, zwei EL34 in der Endstufe, zwei ECC83 und eine ECC82 in der Vorstufe. 

Der Stage 60 ist ein dreikanaliger Amp, bei dem man zwischen Clean, OD1 und OD2 umschalten kann, allerdings teilen sich die beiden Overdrive Sounds (OD1, OD2) eine gemeinsame Klangregelung. Der Clean-Kanal auf der linken Seite des Bedienfeldes lässt sich mit Volume, Bass und Treble anpassen, es folgen die Regelmöglichkeiten der beiden Overdrive-Kanäle. Für OD1 und OD2 gibt es getrennte Gain- und Volume-Potis, vier Regler, die paarweise übereinander angeordnet sind, gefolgt von der gemeinsam genutzten Klangregelung mit Bass, Middle, Treble und ISF (Infinite Shape Feature). Letzteres ist eine patentierte Schaltung, die den Klangcharakter des Kanals stufenlos von „britisch“ nach „amerikanisch“ regelt. Der Effektanteil des Reverbs wird mit dem entsprechenden Regler eingestellt. Dabei handelt es sich übrigens um einen Digitalhall, dessen Klang zusätzlich auf der Rückseite per Schalter (Dark/Light) modifiziert werden kann. Die Master-Sektion, zuständig für den Gesamtsound des Amps, also für alle drei Kanäle, ist mit drei Potis bestückt. Resonance kümmert sich um die tiefen Frequenzen, Presence um die hohen. Gerade weil der Bassbereich in unterschiedlichen Räumen immer mal wieder Probleme bereitet, ist ein Master-Bass-Regler eine sinnvolle Einrichtung zur Anpassung des Grundsounds. Die Gesamtlautstärke wird letztendlich vom Master-Volume bestimmt.

Insgesamt eine durchaus üppige Bestückung, aber es geht noch weiter. Einige kleine Schalter aktivieren diverse Sound-Shapings, wie zum Beispiel der Voice-Schalter des Clean Channel. Ist dieser nicht aktiv, erzeugt der Amp laut Hersteller einen Class A ähnlichen Klang mit einer Betonung der oberen Mitten und Höhen, während der aktivierte Voice-Schalter einen Class AB Sound mit mehr Bass- und Höhenbetonung generiert. Die Voice-Schalter in den Overdrive-Kanälen bieten entweder einen klassischen Overdrivesound mit entsprechendem Mittenboost oder einen moderneren Charakter mit mehr Bass-Power. Wie das alles klingt, werdet ihr im Praxisteil erfahren.  

Auf der Rückseite findet sich zuerst einmal eine mehr als großzügige Auswahl an Lautsprecher-Anschlussmöglichkeiten mit fünf Klinkenbuchsen, mit deren Hilfe wirklich alle erdenklichen Kombinationen machbar sind. Wie das aussieht, zeigt eine Grafik im Manual. An dieser Stelle muss ich das Handbuch auch einmal gesondert lobend erwähnen, denn es gibt kurz und bündig in mehreren Sprachen Auskunft über die wesentlichen Funktionen.

Neben dem Effektloop mit Send und Return und einem Pegel-Wahlschalter für +4dB oder -10dB bietet die Rückseite auch einen Emulated Out, der ein Signal fürs Mischpult bereithält. Dieses ist frequenzkorrigiert und in seiner Charakteristik zwischen 1x12 oder 4x12 umschaltbar. Will man still aufnehmen, also ohne Beteiligung der internen Lautsprecher, lässt sich das auch im Standby-Modus bewerkstelligen, denn der Emulated Out gibt bereits hier ein Signal aus.

Außerdem finden wir auf der Rückseite den Multipin-Anschluss für die mitgelieferte Fußleiste und eine weitere Klinkenbuchse für einen optionalen Schalter, der die Voice Funktion für OD 2 steuern kann. Per Fußleiste werden die drei Kanäle um- und der Hall ein- oder ausgeschaltet. Den kleinen Schalter auf der Rückseite für den Klangcharakter des Reverbs hatte ich bereits erwähnt. Zeit für die Praxis!

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