Hersteller_Beyerdynamic Mikrofon
Test
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27.01.2012

Praxis

Hervorragend zur Abnahme der Bass Drum, Bassgitarre oder von Blechblasinstrumenten geeignet

Wenn ihr momentan nur Laptop-Lautsprecher vor euch haben solltet, wechselt mal bitte zu einer Anlage oder nutzt vernünftige Kopfhörer. Und dann bitte direkt die Bassdrum genießen:

Geil, oder? Das ist es doch, was man möchte! Bedenkt man, dass man ein derartiges Ergebnis mit einem M88 ohne viel Aufwand erlangen kann, erscheinen Grenzflächen, Woofer und Bassdrumtunnel erst einmal nicht notwendig. Das stimmt so natürlich nicht, denn damit erhält man andere Charaktereigenschaften. Der M88-Subbass ist aber – und deswegen schätze ich ihn so – knapp und konkret. Aufgeblasene Signale, Bauchigkeit und riesiges Volumen sind nicht die primären Attribute. Also: Will man ordentlich Tiefbass bei schnellen Schlagfolgen aufzeichnen, sollte man das M88 in Erwägung ziehen!

Natürlich funktioniert das M88 auch außerhalb seiner “Schokoladenposition” sehr nah am Schlagfell und an eigentlich allen anderen befellten Rundinstrumenten hervorragend. Snares (vor allem oben), Toms, aber auch Percussiongelöt wie Congas und Bongos freuen sich über dieses Mikro. Im Nahbereich kann man mit ihm sehr gut Tiefbass hervorzaubern und somit ordentlich Druck erzeugen. Im Livebetrieb dieses schwarze Mikrofon an einer Tumba aufgestellt, und schon werden aus Instrument und Subwoofern dicke Freunde. Wenn die Cajon zu fahl wirkt, kann das M88 Abhilfe schaffen, denn Live möchte man nicht immer Grenzflächen oder teure, empfindliche und kaum richtende Druckempfänger verwenden. 

Die Richtcharakteristik verringert die Gefahr akustischer Rückkopplungen in Beschallungsanlagen

Und damit bin ich auch schon im nächsten Thema gelandet, der Richtcharakteristik. Durch die Hyperniere ist es sehr gut möglich, sich in engen Setups, wie sie beispielsweise im Drumset, aber auch in Percussion-Setups vorkommen, einzelne Instrumente zu “spotten”, ohne dass die Nachbarinstrumente allzu viel Pegel in das M88 hineinkleckern. 

Als Sänger oder Sängerin sollte man sich des eingeschränkten Aktionsradius um den Mikrofonkorb allerdings bewusst sein, da man ansonsten mit Pegeleinbrüchen und - schlimmer - Frequenzgangveränderungen zu rechnen hat. Dass die Position von Wedge-Monitoren bei Verwendung von Super- und Hypernierenmikrofonen angepasst werden sollte, ist eigentlich jedem Live-Tontechniker hinlänglich bekannt. Ob der wie fast immer bei Beyerdynamic recht "modern" wirkende, generell leicht "britzelige" Vokalsound gewünscht ist, hängt natürlich von der jeweiligen Situation und den persönlichen Vorlieben ab. Ich bin kein ausgewiesener Fan davon, doch das kann bei euch ja gerne anders sein. Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass die Durchsetzungskraft und Verständlichkeit auch bei geringen Abständen erhalten bleibt - im Livebetrieb ein deutliches Plus! Hier sei aber wiederholt: Vorsicht bei zu scharfen Konsonanten!

Ein Allrounder muss sich nicht nur vor Lippen und an Trommelfellen beweisen. Neben der hier nicht gezeigten Eignung für das Gebläse – vor allem Blech – gehört dazu vor allem das Amp-Miking. Das Signal ist “typisch Tauchspule”, verfügt aber dennoch über einen eigenständigen, klaren Charakter. Ich finde zwar nicht, dass man für Gitarren-Recordings sowohl 57er, 58er als auch ein 88er benötigt, da keine Welten sie voneinander trennen, halte das 88 aber für die etwas frischer klingende Alternative zum Shure-Standard. Geht es um Bassdruck (nicht nur bei Bassamps, auch bei Gitarren!), hat das M88 klar die Nase vorn. Allerdings kostet es auch deutlich mehr!

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