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31.01.2018

Besser Mixen – Professioneller Movie-Sound aus dem Homestudio

James Mather ("Harry Potter", "Chicken Run", "Mission Impossible", "Mord im Orient Express") im Interview: 5 Sounddesign-Tipps

Serie: Top-Producer helfen mit Ratschlägen

Dieses Mal heiße ich James Mather in unserer Interview-Reihe willkommen. James ist ein Emmy-prämierter Sound Designer und Sound Editor, der in London arbeitet. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in diesem Bereich und zu seinen Arbeitsweisen zählet die Mitarbeit an zahlreichen Movie-Blockbustern, wie die „Harry Potter“-Reihe, „Chicken Run“ oder auch „Mission Impossible 5: Rogue Nation“. Erst kürzlich hat er sein Können als Sound Editor in der Neuverfilmung von „Mord im Orient Express“ erneut unter Beweis gestellt. Ich freue mich, dass James die Zeit gefunden hat, um uns ein paar Fragen zu beantworten. In diesem Interview werde ich den Fokus auf James Tagesgeschäft legen. Werfe wir also einen Blick hinter die Kulissen…

Hallo James, toll dass Du für ein Interview bereit stehst. Bitte erzähl uns doch ein wenig über deinen Werdegang. Durch welche Schritte bist Du im Wesentlichen zu dem erfolgreichen Sound Editor geworden, der Du heute bist?

Meine ersten Erfahrungen als Praktikant haben mir eine Menge Möglichkeiten für die Arbeit mit bewegten Bildern und Sound eröffnet. Ich habe bei vielen Animationsfilmen und Geschichts-Dokus mitgewirkt, bei denen wir die Audiospuren oftmals von Grund auf gestalten mussten. Das war phänomenal! Dieser Hintergrund hat mich dazu motiviert mich auf die Arbeit mit Audiomaterial zu konzentrieren. Und meine Erfahrung bei „Mad Max – Thunderdome“ hat diese Vorliebe zementiert, weil ich dort erstmals mit digitalem Sound Editing und Sound Design zu tun hatte. Meine Erfahrungen mit Animationsfilmen haben auch den Grundstein für das Verständnis gelegt, das man für die Arbeit mit Visual-Effects-Filmen benötigt, an denen ich gearbeitet habe.

Wie findest Du für deine Arbeit als leitender Sound Editor deine Mitarbeiter? Und gibt es eine Chance für eher unbekannte Editoren, einen Fuß in die Tür zu bekommen, um bei großen Filmen wie „Harry Potter“ mitzuwirken?

Mein Team ist über die letzten sechs Jahre ziemlich konstant geblieben. Nach „Potter“ habe ich viele Mitarbeiter dazu motiviert, sich weiterzuentwickeln und ihren Horizont zu erweitern, weil sie mittlerweile Arbeitsnachweise hatten, die ihnen neue Möglichkeiten bieten konnten und es ihnen bestenfalls möglich machte ihre eigenen Teams anzuleiten. Wann immer möglich, arbeiten wir gerne mit Praktikanten. Schon nach wenigen Filmen arbeiten sie sich hoch bis zum Assistenten und konzentrieren sich auf eine Soundrichtung, die ihnen am besten liegt, entweder Special Effects (SFX), Dialog oder szenische Untermalung (Foley). Oft bleiben sie im Team bis sie von anderer Stelle Arbeit angeboten bekommen, aber der Kern meiner Mannschaft bleibt derselbe.

Die Klang-Ebenen von Filmen sind wahrlich vielschichtig. Es gibt Set-Aufnahmen, Overdubs, Begleitkommentare, Geräusche, Sound-Effekte, Filmmusik und einen zusätzlichen Soundtrack. Deshalb schätze ich mal, dass eine stattliche Anzahl von Abteilungen an deiner Arbeit interessiert sind (Regisseur, Sound Designer, Komponist, usw.). Erzähl uns doch bitte, wie typischerweise deine Kommunikation abläuft, wenn du an großen Filmen wie „Mord im Orient Express“ arbeitest. Und wie triffst Du deine Entscheidungen, wenn all die genannten Ressorts unterschiedliche Erwartungen an dich richten?

In meiner Rolle als leitender Sound Editor bin ich häufig von einem frühen Zeitpunkt an der Dreh- und Angelpunkt für den Nachbearbeitungs-Prozess. Dabei gilt es zunächst die Zusammenarbeit mit den Aufnahmeleitern, dem Regisseur und den Editoren zu etablieren, und dann die wichtigen Punkte und Infos weiterzugeben, die mir mitgegeben wurden. Mein vertrautester Teamkollege ist mein Assistent, der über den gesamten Arbeitsprozess mit der Bildredaktion zusammenarbeitet. Seine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass wir immer die aktuellsten Mediendaten erhalten und zusenden. Über die Jahre bin ich dazu übergegangen, Hintergrundgeräusche, Effekte und szenische Untermalung zugleich zu bearbeiten, während wir im Projekt voranschreiten. Das ermöglicht es uns, die Arbeit noch im Prozess zu überprüfen und nachzubessern oder den Editoren Feedback für ihre Arbeitsschritte zu geben. Es erlaubt mir auch, abgemischte Stems an den Bildredakteur zu senden, der dann unsere Arbeit mit dem Regisseur prüfen und mir Rückmeldung geben kann, während sich das Filmprojekt weiter entwickelt. Dadurch wird der gesamte Vorgang reibungslos und man verhindert (hoffentlich!), dass später böse Überraschungen auftreten.

Lass uns doch einmal für einen Moment das Augenmerk auf deine Arbeitsumgebung richten. Wie sieht dein Studio aus? Wie viele Leute arbeiten für gewöhnlich mit dir zusammen? Was für Computer nutzt Du für welchen Zweck? Und welche Software setzt Du für gewöhnlich ein?

Mein Kern-Team besteht aus vier Leuten, meinem Assistenten, einem Effekt-Editor, einem Dialog-Editor und mir. Die konkrete Größe des Teams hängt von der jeweiligen Produktion ab. Zur Zeit arbeiten wir an „Mission Impossible 6“, deshalb haben wir noch einen zusätzlichen Assistenten und zwei weitere Effekt-Editoren sowie einen Praktikanten dabei. Eventuell werden wir auch noch einen weiteren Dialog-Editor beschäftigen, sobald es an die Vorarbeiten der Sprach-Synchronisation geht. Wir arbeiten allesamt mit Pro Tools 12.2 auf Macs. Eine Vielzahl zusätzlicher Plug-ins (Fabfilter, Phoenix Reverb, Altiverb, Particles, Nugent Halo, etc.) kommt ebenso zum Einsatz wie Standalone-Prozessoren, eine Pro Tools S3 Mixing-Konsole und meine eigene Pro Tools S6 M10-Konsole.

Und hier ist auch schon die fünfte Frage, bei der es um unseren berüchtigten „5-Schritt-Workshop“ geht. James, kannst Du uns in fünf einfachen Schritten sagen, wie man professionell klingendes Audio-Editing und Audio-Mixe erzielt, wenn man im Homestudio an Indie-Filmen arbeitet? Auf welche fünf Aspekte sollten wir besonderes Augenmerk legen?

5 Tipps

1. Zeichne deine Effekte mit der bestmöglichen Samplerate auf. Es gibt nichts was wichtiger ist, als dein eigenes maßgeschneidertes Material zu haben, um einen maßgeschneiderten Soundtrack zu erhalten.


2. Bleibe bei deiner Arbeit offen, denn die Dinge werden sich immer wieder jenseits deiner Kontrolle entwickeln und du wirst dich anpassen müssen.


3. Behandle deine Kollegen mit Respekt und ermutige sie dazu, die Produktion zu ihrer eigenen zu machen. Es entsteht mehr Kreativität durch Zusammenarbeit und Respekt als durch engstirnigen Egoismus.


4. Verbringe Zeit damit, ein Session Template einzurichten. Das sorgt für einen strukturierten Team-Workflow und ermöglicht es ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln der Mix abschließend aussehen soll.


5. Habe Spaß an der Arbeit, versuche originell zu sein, aber stell' die Story stets an erste Stelle, bevor Du etwas hinzufügst. Unsere Aufgabe ist es den Filmemachern zu helfen ihre Geschichte zu erzählen und nicht mit den falschen Klängen oder Pegeln davon abzulenken.

 

 

Toll, dass wir miteinander sprechen konnten, James. Ich bin mir sicher, dass viele unserer Leser deine Antworten aufschlussreich und informativ finden. Danke, dass du für ein Interview zur Verfügung gestanden hast.

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