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Feature
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28.02.2012

Pro & Contra
Dynamische Mikrofone sind von Natur aus robuster als Kondensator-Mikrofone, wofür alleine die Konstruktion der Mikrofonkapsel verantwortlich ist. Denn beim Kondensator-Mikro arbeiten extrem dünne Membranen, die in einem Rahmen eingespannt sind und frei schwingen können, und das macht sie äußerst empfindlich. Dynamische Mikrofone dagegen verfügen mit der Membran, der Spule und dem Magneten über das wesentliche robustere Kapsel-Gebilde. Außerdem können sie einen höheren Schalldruck verkraften, ohne dass die Kapsel beschädigt wird oder das Signal verzerrt – man kann dynamische Mikrofone also bedenkenlos auch direkt vor die lautesten Schallquellen stellen.

Ihre robuste Kapselkonstruktion mit Magnet und Spule bringt aber auch einen entscheidenden Nachteil mit sich, nämlich ihr Gewicht. Es vergeht also schon ein wenig Zeit, bis die Membran aus den Puschen kommt - in der Physik spricht man von der "Trägheit der Masse". Die Folge ist ein schlechteres Impulsverhalten, so dass besonders kurze Signale von leiseren Schallquellen nicht so sauber und direkt abgebildet werden. Dazu zählt beispielsweise das leichte und kurze Zupfen einer Akustikgitarre oder der Ausklang eines Beckens beim Schlagzeug. Die Folge ist ein eher undifferenzierter und matter Klang verglichen mit dem Kondensator-Mikrofon. Bei dem muss keine große Masse in Bewegung versetzt werden, lediglich die hauchdünne Membran soll schwingen. Deshalb ist das Übertragungsverhalten eines Kondensator-Mikrofons sehr sensibel und direkt, was einen viel präziseren Klang zur Folge hat. Und sein Frequenzgang wird wesentlich linearer, so dass es über den gesamten Frequenzbereich, der von den Herstellern meist mit 20Hz bis 20kHz angegeben wird, keine großen Ausreißer gibt. Ein Kondensator-Mikrofon klingt aus diesem Grund auch in den Höhen präsenter als ein dynamisches. Aber keine Bange: Moderne Kondensator-Mikros vertragen auch beachtliche Schalldruckpegel, ohne dass man Angst um sie haben müsste.

Dass bei Live-Konzerten mehr dynamische Mikrofone eingesetzt werden, hat seinen Grund neben der Robustheit auch in der größeren Rückkoppelungsfestigkeit. Bestimmte Signale oder Frequenzen schaukeln sich nicht so schnell zu einem ausgewachsenen Feedback auf, während Kondensator-Mikrofone auch kleinste Signal-Pegel präzise aufnehmen - beim Thema Rückkopplungen unter Umständen ein großes Problem. Zum Glück müssen wir uns im Studio darüber keine größeren Gedanken machen, weil dort in der Regel keine Beschallungsanlagen, sondern Kopfhörer zum Einsatz kommen.Aber bei aller Theorie - es geht grundsätzlich nichts über die Praxis: Probieren geht über Studieren! Vielleicht liefert ja das günstige dynamische Mikrofon vor dem Gitarrenamp doch einen besseren Sound als das sündhaft teuere Kondensator-Schätzchen.

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