Workshop
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01.07.2019

Aufnahmen mit Brummen und Poppgeräuschen reparieren

Einfaches, schnelles Verbessern von Recordings mit Hum und Plopp

Ohne teure Restaurations-Plug-Ins zum Ziel – Netzbrummen und Poppen entfernen

Die aufgenommenen Vocals sind der "Golden Take", doch bei manchen Worten hört ihr störende Popplaute? Ihr habt einen tollen Take aufgenommen, doch etwas auf euer Aufnahme brummt? 

Wir zeigen euch, wie ihr im Nachhinein solche Probleme loswerden könnt.

Popp-Laute entfernen

Ärgernis Poppgeräusche

Woher kommen Poppgeräusche? In der Sprache kommen einige Konsonanten vor, die wir verbunden mit einem hohen Luftausstoß aussprechen. Diese sogenannten Explosivlaute, wie die Buchstaben P oder T, können bei ungebremstem Auftreffen auf der Mikrofonmembran störende Popplaute erzeugen. Insbesondere Kondensatormikrofone sind gegenüber solchen Luftstößen sehr empfindlich. Im aufgenommenen Signal führt dies zu Pegelspitzen mit vorwiegend tieffrequenten Anteilen. Neben diesen klanglichen Auffälligkeiten kommt es oft sogar zu kurzem Clipping. Der Einsatz eines Hochpassfilters bringt zwar Verbesserung, ist aber alleine oft nicht ausreichend.

Um solchen Poppgeräuschen entgegenzuwirken, wird üblicherweise ein Poppfilter oder ein Windschutz verwendet, vorzugsweise verwendet man bei Studioaufnahmen einen Poppfilter. In manchen Fällen reicht es, den Mund beim Singen oder Sprechen leicht vom Mikrofon abzuwenden. So verhindert man das direkte Auftreffen der Luftstöße von Explosivlauten. Diese Technik erfordert allerdings etwas Übung und kann zu klanglichen Einbußen führen. Der klassische Windschutz als Alternative zum Poppfilter ist zwar sehr effektiv, die Höhen werden dabei aber leider ebenfalls stark gedämpft.

Einen Separaten Artikel zum Thema Pop-Filter (incl. DIY-Anleitung zum Selbstbau) haben wir ebenfalls. Einfach auf den Link klicken!

Manuelles Absenken der von Poppgeräuschen betroffenen Stellen

Solltet ihr es mit solch störenden Popplauten auf eurer Aufnahme zu tun haben, ist diese keineswegs verloren. Insbesondere bei wenigen Problemstellen kann man sich mit einer relativ einfachen und effektiven Methode behelfen. Betrachtet man die Wellenform in der obigen Abbildung, so ist es relativ einfach, die einzelnen Popps visuell ausfindig zu machen. Diese unterscheiden sich im Pegel von den restlichen Lauten oft sehr deutlich. Ist ein solcher Laut gefunden, versucht diesen zunächst vom restlichen Signal isoliert zu bearbeiten. Dazu könnt ihr einen betroffenen Bereich entlang der Zeitleiste markieren und diesen mittels Loopfunktion abhören. Nun versucht ihr, Start- und Endpunkt eurer Markierung so zu setzen, dass ihr in diesem Abschnitt nur noch das störende Poppen hören könnt. Wichtig ist dabei, dass in diesem Bereich keine anderen Anteile der restlichen Stimme wahrnehmbar sind. An den Punkten setzt ihr nun jeweils einen Schnitt. So könnt ihr den markierten Bereich getrennt vom restlichen Signal bearbeiten. Je nach verwendeter Software ist hierzu eventuell kein Schnitt notwendig. Im nächsten Schritt ist es sinnvoll, die Lautstärke des Ausschnittes mit dem Popplaut abzusenken, um diesen so im Verhältnis an die restliche Aufnahme anzupassen. Gleichzeitig kann so die Gesamtlautstärke erhöht werden, da ihr ja die verhältnismäßig hohe Spitze eures Signals von Hand herabgesetzt habt.

Dies sollte schon eine wesentliche Verbesserung bringen. Falls ihr mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden seid, könnt ihr den Ausschnitt noch zusätzlich mit einem Equalizer bearbeiten, mit welchem ihr tiefe Frequenzen absenkt.

Multibandkompressor zum automatischen Beseitigen von Poppgeräuschen einsetzen

Sollte man mehrere Popplaute beseitigen müssen, so kann das mit der oben beschriebenen Methode sehr zeitaufwändig werden. Abhilfe schafft ein Multibandkompressor, mit welchem ihr automatisch die durch Poppgeräusche entstandenen Peaks an das restliche Signal anpassen könnt. Wer schon einmal mit einem De-Esser gearbeitet hat, wird dieses Prinzip eventuell bereits kennen.

Während beim De-Essing zischelnde Laute im höheren Frequenzbereich komprimiert werden, versuchen wir nun mit Hilfe des Multibandkompressors im tieffrequenteren Bereich unsere Störung mittels automatischer Gain-Reduction zu minimieren. Dazu definiert ihr im Multibandkompressor das unterste Frequenzband für einen Bereich von 20 Hz bis ca. 200 Hz. Zudem setzt ihr die Verstärkung auf einen negativen Wert, da die Poppgeräusche abgesenkt werden sollen. Um die Funktionsweise zu beurteilen, startet ihr beispielsweise mit einem Wert von -6 dB. Nun stellt ihr beim Parameter „Ratio“ einen Wert von 1:3 ein, wobei hier je nach Aufnahmematerial höhere Werte ebenfalls zum Ziel führen können. Ebenfalls wichtig ist der Parameter „Threshold“. Das ist jener Schwellwert, ab welchem die Pegelreduktion stattfinden soll. Diesen Wert müsst ihr so wählen, dass die Gain-Reduction tatsächlich nur bei unerwünschten Geräuschen stattfindet. Wählt ihr den Threshold zu niedrig, verliert die Stimme an Volumen und Kraft. Bei einem zu hohen Wert können eventuelle Störgeräusche nicht mehr detektiert werden und der Kompressor greift nicht an den gewünschten Stellen ein. Das Verhalten könnt ihr noch optimieren, indem ihr die Ansprechgeschwindigkeit mittels Verändern der Attack- und Releasezeiten beeinflusst. Attackzeiten von unter 20 ms und leicht längere Releasezeiten sind hier ein guter Ausgangspunkt.

Um gute Ergebnisse zu erzielen, bedarf es ein klein wenig Geduld und Erfahrung. Solltet ihr mit euren Einstellungen überwiegend zufrieden sein, könnt ihr kritische Stellen wie im vorherigen Abschnitt beschrieben händisch noch weiter optimieren.

Wie entfernt man Poppgeräusche aus einer Audio-Aufnahme?

  • Quantifizieren: Sind es nur wenige, lassen sie sich oft gut manuell verändern.
  • Sehr genau den eigentlichen Plopp selektieren.
  • Clip-Volume (zur Not: Channel Volume) an der betreffenden Stelle absenken.
  • Bei vielen Plopps: Multibandkompressor verwenden (s. Anleitung oben).

Netzbrummen tilgen

Netzbrummen und andere Brummstörungen herausfiltern

In Europa werde die Haushalte üblicherweise mit Wechselspannung versorgt, deren Netzfrequenz 50 Hz beträgt (in einigen anderen Ländern sind es 60 Hz, in den USA beispielsweise). Da die meisten Geräte in der Audiotechnik allerdings Gleichspannung benötigen, muss die Spannung aus der Steckdose zunächst umgewandelt werden. Durch die Umwandlung können die 50 Hz Netzfrequenz und auch deren Oberschwingungen hörbar werden, was sich als ein typisches Brummen bemerkbar macht. Signale, bei denen tieffrequente Anteile nicht erwünscht sind, kommt man bereits mit einem einfachen Hochpassfilter zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Dennoch können übergeordnete harmonische Frequenzanteile vorkommen, die das eigentliche Nutzsignal stören. Diese Oberschwingungen sind die ganzzahligen Vielfachen der Grundfrequenz. Im Fall des 50Hz-Brummens liegen diese bei 100 Hz, 150 Hz, 200 Hz, usw. In der Regel nimmt die Intensität der Harmonischen mit der Höhe ihrer Ordnung ab. Im Fall des Netzbrummens sind dieses zumeist über etwa 500 Hz kaum mehr ausgeprägt hörbar.

Wenn ein fehlerhaftes Kabel am Brummen Schuld ist, helfen unsere DIY-Workshops #Klinkenkabel löten, #Cinch-Kabel löten und #XLR-Kabel löten.

EQ einsetzen

Mit Hilfe eines Equalizers kann man das Brummen gezielt minimieren. Dabei setzt man sogenannte „Notchfilter“ ein. Falls euer EQ kein Preset für einen Notchfilter enthält, könnt ihr euch diesen leicht selbst zusammenbasteln. Dazu wählt ihr den Filtermodus auf „Peak“ und stellt eine möglichst hohe Güte „Q“ (= Quality) ein. Je höher dieser Q-Faktor gewählt wird, desto enger wird der Filterbereich des jeweiligen EQ-Bands. Für diesen Zweck können Werte von 30 und höher eingesetzt werden, da so gezielt um einen sehr schmalen Frequenzbereich gefiltert werden kann, ohne die Anteile darüber und darunter stark zu beeinflussen. Wir setzen die Frequenz des Bandes auf die abzusenkende Frequenz, im Falle von Netzbrummen sind das 50 Hz. Da wir Anteile aus unserem Signal dämpfen wollen, setzen wir eine negative Verstärkung („Gain“) ein. Hier kann ebenfalls mit höheren Werten ab -10 dB gearbeitet werden. Dieses Vorgehen kann man nun für die Oberschwingungen bei 100 Hz, 150 Hz usw. wiederholen.

Man sollte hier mit den Parametern Gain und Q für die einzelnen Frequenzbänder experimentieren und darauf achten, dass etwa bei einer Bassstimme nicht plötzlich einzelne Töne verloren gehen. So liegt etwa die Note G2 in der Nähe der 200 Hz und kann bei starker Dämpfung mit etwas niedrigerem Q-Faktor aus Versehen herausgefiltert werden. In solchen Fällen kann EQ-Automatisierung hilfreich sein.

Mit dieser Methode könnt ihr selbstverständlich auch andere statische Störgeräusche herausfiltern. Beispielsweise könnte das ein eher tieffrequentes Brummen der Lüfter eines PCs oder ein hochfrequentes Pfeifen von Netzteilen und Dimmern sein. Zum Minimieren dieser Störungen müsst ihr nur die jeweiligen Grundfrequenzbereiche ausfindig machen und die zugehörigen Bänder absenken. Diese Bereiche könnt ihr schnell ausfindig machen, indem die Frequenz eines Notchfilters entlang der Frequenzachse hin und her bewegt. Dieser Vorgang wird auch „Sweeping“ genannt. Ihr könnt bei eurer Suche auch einen etwas niedrigeren Q-Faktor wählen, um schneller eine Vorstellung zu bekommen, in welchem Bereich die Störungen beim Vorbeisweepen abnehmen. Bei vielen Störungen müssen nicht zwingend auch auffällige Oberschwingungen vorkommen.

Wie entfernt man Netzbrummen aus einer Audio-Aufnahme?

  • Spuren herausfinden, die es betrifft.
  • Einen mehrbandigen EQ insertieren.
  • Bei 50 Hz einen sehr schmalbandigen EQ setzen (hoher Q-Wert) und weit absenken.
  • Ändert sich nichts, etwas breiteres Band einstellen und/oder Frequenz leicht verändern
  • Immer wieder mit Bypass kontrollieren, ob das Nutzsignal beeinträchtigt wird. Falls ja: abwägen. 

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