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Test
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27.08.2013

Audiowerkzeug BOOSTi Test

Kophörerverstärker

Voller Schub voraus!

Der Audiowerkzeug BOOSTi im bonedo Test. Beim BOOSTi handelt es sich um einen kleinen Kopfhörerverstärker im roadtauglichen Gehäuse. Wer jetzt allerdings glaubt, dieses sei ein nachrangiges Thema und keine besonders beachtenswerte Produktgruppe, der täuscht sich: Schließlich ist ein gutes und störungsfreies Monitoring unabdingbar für eine gelungene musikalische Performance und entscheidend für den Musikgenuss. Ein Verstärker ist ein wichtiges Glied in dieser Kette.

Der kleine Helfer BOOSTi kommt mit einer Kombination an Features, die man so auf dem Markt nicht findet. Ein vortrefflicher Grund, diesem Gerät einmal genauer auf den Zahn zu fühlen. Eine völlige Neuentwicklung ist der BOOSTi jedoch nicht: Der BOOSTi ist baugleich mit dem P2 des deutschen Kleinstherstellers Estec – welcher in meiner rau-charmanten Heimatstadt Hagen angesiedelt ist. Sowohl „Estec“ als auch P2 sind aber groß auf der Frontplatte zu lesen, es muss also nichts verheimlicht werden. Im Gegenteil: Unter dem Labeldach „Audiowerkzeug“ bündelt der deutsche Vertrieb Audiowerk interessante Produkte diverser deutscher Hersteller (wie den des CoDI) und übernimmt die anfallenden Marketing- und Vertriebsaufgaben.

Details

„Armored Housing“

Gut, die Überschrift ist etwas übertrieben, denn wirklich gepanzert ist der Kopfhörerverstärker nicht. Doch immerhin ist das 80 x 50 x 120 mm (B x H x T) messende Gehäuse derart stabil, dass man sich daraufstellen könnte – das sollte reichen. Das Einsatzfeld des BOOSTi ist genauso klar, wie bei vielen anderen Audiowerkzeugen: der Livebetrieb! Zwar sind Steckernetzteile, wie sie bei diesem Probanden verwendet werden, nicht gerade die Wunschoption für den Bühneneinsatz, doch helfen sie, den Preis niedrig und Einstreuungen aus dem Gerät fern zu halten. Zudem ist der kleine Stecker mit einer Verdrehsicherung ausgestattet, so dass er nicht einfach abgezogen werden kann – gut!

Cinch- und Klinken-Inputs

Verstärkungswillige Audiosignale betreten das Geräteinnere entweder über ein Cinch-Pärchen oder über die Stereo-Klinkenbuchse. Das ist in vielen Fällen zwar ausreichend und ließe sich im gegenteiligen Fall auch mit Adaptern lösen, doch sind Adapter bekanntlich der Feind aller Musiker, Tontechniker … ach was: aller Menschen überhaupt! Ich hätte mich also gefreut, zwei Monoklinken, ja vielleicht sogar platzraubende XLR-Buchsen vorzufinden, was den Betrieb mit üblichen Stageboxen vereinfachen würde. Auch eine Miniklinken-Stereobuchse wäre keine Fehlbesetzung: Schließlich wird der BOOSTi auch als Zubehör für MP3-Player und Konsorten beworben.

Kaskadierbarkeit

Was beim Blick auf die auf das Gehäuse aufgedruckten Informationen nicht deutlich wird: Es ist möglich, mehrere BOOSTis zu kaskadieren, indem ein an der Stereoklinkenbuchse anliegendes Signal über die Cinch-Eingänge ausgegeben wird. Andersherum geht es im Übrigen genauso! Werden Musikergruppen mit dem gleichen Monitor-Feed versorgt, also zum Beispiel Bläsersätze, kann man etwa mit drei BOOSTis sechs Musiker versorgen. Sechs? Ja sechs, ich habe das Rechnen nicht verlernt: Auf der Vorderseite befinden sich zwei parallele Kopfhörer-Ausgänge. Allerdings erhalten diese auch einen identischen Pegel, welcher mit dem großen Poti festgelegt wird. Bis auf eine Spannungsversorgungs- und eine Clip-LED findet man keine Bedienelemente an der kleinen türkisfarbenen Kiste.

BOOSTi verstärkt nicht, BOOSTi boostet!

Schon klar: Ich würde das Ding einfach „Kophörerverstärker“ nennen, weil das die Hauptaufgabe des Geräts ist. Eine Verstärkung als „Boost“ zu bezeichnen, ist aber in keiner Weise verkehrt, also ist alles absolut in Ordnung. Außerdem dient das kleine Audiowerkzeug nicht nur dazu, Line-Signal zu verstärken, sondern eben auch, allzu schwachbrüstigen Kopfhöreramps unter die Ärmchen zu greifen. Und diese sind keine Seltenheit: Wie oft reicht die reine Verstärkungsleistung von MP3-Playern, Pads, aber auch Computern und Audio-Interfaces nicht aus, um Kopfhörer mit großen Membranen so anzutreiben, dass ein Pegel entsteht, der gegen bühnentypischen Lärm ankommt!

Vor dem eigentlichen Verstärker wird das ankommende Signal mit einem kleinen Amp fest verstärkt. Es ist einstellbar, ob diese Verstärkung mit 20 dB oder nur mit 6 dB erfolgt, jedoch muss zu diesem Zweck das Gehäuse geöffnet und ein Jumper versetzt werden – ein eingehendes Kopfhörersignal und ein Line-Signal weisen etwa durchaus unterschiedliche Pegel auf. Den eigentlichen Verstärker mit optimal vorbereitetem Signal zu füttern, ist unter klanglichen Aspekten mehr als sinnvoll: Da das Volume-Poti sowieso nur absenkt und der Hauptverstärker mit 2,2 Watt pro Seite immer voll verstärkt, ist es unvorteilhaft, erst stark anzuheben, nur um dann in einem Poti viel Pegel wieder zunichte zu machen. Es stellt sich natürlich die Frage, ob man für einen Anwenderkreis, der häufig wechseln möchte, nicht einfach diese Funktion schaltbar an die Außenseite des Geräts hätte bringen können – allzu sehr verwirrend wäre das bei entsprechender Beschriftung auch für Technik-Rookies nicht.

Headphone-Amp ist nicht gleich Headphone-Amp

Nicht nur Leistung zählt bei Kopfhörerverstärkern, sondern natürlich auch die Klangqualität. Laut Hersteller werden sehr hochwertige Bauteile eingesetzt. Bei 0 dBU machen Verzerrungsprodukte und Rauschen des Amps 0,00025% des Gesamtsignals aus, selbst bei +21 dBU sind es schlanke 0,0035%. In Verbindung mit einem -3dB-Frequenzgang von 2 Hz bis 110 kHz (mit -0,5 dB immerhin noch 10 Hz - 80 kHz) und einem Kanalübersprechen von -106 dB (ohne Last am Ausgang) macht das Lust auf´s Probehören!

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