Hersteller_AudioTechnica
Test
2
27.06.2015

Praxis

Small in Japan

Den beiden Audio-Technica-Großmembran-Mikrofonen, die zusammen das Set AT5045P formen, erkennt man sofort an, dass sie Made in Japan sind: Die Materialien sind hochwertig (Kupfer und Aluminium!), die Verarbeitung bietet keinen Anlass zur Kritik. Derartige Perfektion findet man meist nur bei Mikrofonen aus Japan und Deutschland. Die geringe Baugröße ermöglicht eine weniger auffällige Mikrofonierung. Beispielsweise werden Großmembranmikros als Overhead-Mikros im Livebetrieb oft aus ästhetischen Gründen abgelehnt. Dicke Neumann-Klopper à la U87 ziehen eine deutlich höhere Aufmerksamkeit auf sich als Kleinmembran-Stäbchen (oder vermeintliche wie das AT). Auch die Positionierung ist einfacher, für die Anforderungen an ein Mikrofonstativ gilt das genauso. „Blending in“ gelingt mit den 5045 deutlich besser – und das trotz Spinne.

Big in Japan

Es ist beeindruckend: Die AT5045 haben eine Wahnsinnsauflösung. Die beiden Kondensatormikros im Test verbinden tatsächlich, und nicht nur optisch, positive Eigenschaften von Klein- und Großmembranern. Wie von Kleinmembranern bekannt, zeigen sie eine irrsinnige Schnelligkeit, zeichnen Transienten originalgetreu nach und verschmieren wirklich überhaupt nicht. Im Stereobetrieb hat das eine enorme Abbildungsschärfe zur Folge, schade, dass ich nicht ein Orchester im XY- oder ORTF-Verfahren mit den Audio-Technicas mikrofonieren konnte. Gleichzeitig haben sie eine angenehme „Andersartigkeit“, besonders in den Höhen, was sicher auch auf die Membranform zurückzuführen ist. Auch die Rechteck-Membraner von Milab und Pearl haben ihre Besonderheiten in den Höhen, lösen aber ebenfalls fein auf und klingen sehr natürlich. Somit halte ich das 5045-Mikrofon besonders dann für sehr geeignet, wenn man eine Alternative zu üblichen Mikrofonen sucht, die nicht wie Bändchen oder Tauchspulen dazu neigen, den Freqeunzgang weniger eben darzustellen. Und ich bin ein Freund ungewöhnlicher Konzepte (wie etwa von meiner heimlichen Liebe Sanken CU-41 und CU-44X). 

Stimmt alles

Wenn besondere technische Lösungen genutzt werden, kann oft der einen technischen Unzulänglichkeit begegnet werden, gleichzeitig schafft man sich aber neue. Bei Audio-Technicas kleinen Großmembranern ist das ganz offensichtlich nicht der Fall: Das Rauschen ist auf Minimalniveau, die Grob- und Feindynamik ist geradezu erschreckend gut, es zeigen sich keine Probleme von Pegel- und Phasenfrequenzgang, die Richtcharakteristik ist sehr frequenzkonstant, ja sogar die Pegelfestigkeit ist enorm. Und das Matching ist schlicht perfekt: Es ist mir im Testzeitraum nicht gelungen, die beiden Mikrofone klanglich voneinander zu unterscheiden. Was will man eigentlich mehr?

Allrounder, wie er im Buche steht

Der Übertrager bleibt schön im Hintergrund, verleiht mit dem leichten Boost der Höhen ein zwar offenes, aber dennoch griffiges Klangbild. Um eine gute Vergleichsmöglichkeit zu liefern, habe ich für die Audiobeispiele eine Signalquelle gewählt, die besonders vielsagend ist: die Stimme. Es ist annähernd unverständlich, wieso Audio-Technica als Anwendungszweck Vocal- und Sprecheraufnahmen ausklammert. Vielleicht, weil es im Portfolio der Japaner auch ausgewiesene Vocal-Mics gibt (die aber oft genug wiederum hervorragende Instrumentenmikrofone abgeben). Fakt ist: Das AT5045 ist ein Allrounder. Und zwar vom Feinsten:

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare